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Stefan Neurad: Rechter Schulleiter wird ins hessische Schulamt versetzt

Englisch für Deutsche

Für Heiner Hofsommer, einen Schulleiter im hessischen Hünfeld, gehörten rechte Parolen zum Unterrichtsstoff. Seine Versetzung ins Schulamt kommt ihm nicht ganz ungelegen.

von Stefan Neurad

Rechts kommt von richtig und ist ein guter Begriff.« Aus seiner Gesinnung macht Heiner Hofsommer keinen Hehl. Nein, der 56jährige ist ein »anständiger«, ein »rechtschaffener« und natürlich ein »ehrlicher Mensch«. Heiner Hofsommer leitet eine Realschule im hessischen Hünfeld.

Stellen Sie sich vor, Ihr Kind kommt von der Schule nach Hause und begrüßt Sie mit den Worten: »Neger sind in den Schokoladentopf gefallen.« Oder: »Alle Moslems sollen ihren Teppich nehmen und heimgehen.« Hofsommer unterrichtete bis Anfang Dezember an der größten Realschule im Kreis Fulda, der Jahnschule. Während des Unterrichts paukte er seinen Schülern regelmäßig solche Parolen ein, die zum Repertoire der extremen Rechten gehören. Heiner Hofsommer, der Anständige, der Schulleiter, ein Rassist? Diese Beschuldigung weist der Mann weit von sich.

Nach Berichten von Eltern hält er seinen Unterricht im Kasernenhofstil ab. »In Germany there are too many immigrants«, ließ er Mitte November eine siebte Klasse während der Englischstunde im Chor wiederholen, den Takt dazu gab er mit einer Pfeife an. In einem anderen Fall soll er mit seinen Schülern die erste Strophe des Deutschlandliedes gesungen haben.

Nachdem mehrere Schüler von solchen Vorfällen berichtet hatten, organisierten ihre Eltern einen Boykott des Englischunterrichts und setzten sich für »Ersatzlehrstunden« ein. Die »Boykottierer« wurden von Mitschülern als »Verleumder« beschimpft und die engagierten Eltern fanden rasch wüste Drohbriefe in ihren Briefkästen.

Wolfgang Hautumm, ein Elternvertreter der Jahnschule, erzählt, dass Hofsommer bereits in den achtziger Jahren mit rechten Sprüchen aufgefallen sei. »Deutschland, Deutschland, über alles«, habe er früher schon von Schülern singen und auswendig lernen lassen, damals, als er an der Gesamtschule im hessischen Niederaula unterrichtete. Eltern und Lehrer beschwerten sich dutzende Male, einige SPD-Abgeordnete forderten seinen Rücktritt - ohne Erfolg.

Hofsommer konnte sich offenbar auf die Unterstützung der Schulbehörde verlassen. Kein Wunder, er war ja selbst ein Teil von ihr. Mitte der Achtziger leitete er das Schulamt in Eschwege. Und auch während dieser Zeit häuften sich die Beschwerden über ihn.

Damals begann er auch seine politische Karriere im hessischen Stahlhelm-Flügel der CDU, für die er ab 1984 Fraktionsvorsitzender im Kreis Hersfeld-Rotenburg war und von 1993 bis 1995 im hessischen Landtag saß. 1997 verließ er die Union wegen ihrer »Sozialdemokratisierung« und beteiligte sich an der Gründung des Bundes Freier Bürger (BfB), in dem er es bis zum Vorsitzenden in Nordhessen brachte, bevor die rechte Sammlungspartei scheiterte.

Die Bildungspolitik liegt Hofsommer besonders am Herzen. Im Aton-Verlag, wo auch der ehemalige BfB-Vorsitzende Heiner Kappel veröffentlicht, publizierte er im vergangenen Jahr sein Buch »Missstände in Bildung, Erziehung und Politik«. Die rechtsextreme Wochenzeitung Junge Freiheit erkannte darin »ein beachtenswertes Plädoyer für eine Werte- und Tugendvermittlung in der Bildungspolitik mit preußisch-deutscher Kultur und Tradition als Basis«.

Zudem wird im aktuellen Semesterprogramm der rechten Burschenschaft Germania Marburg ein Vortrag Hofsommers angekündigt: »Herausforderungen an die Bildungspolitik im wiedervereinigten Deutschland«. Ob damit Deutschland in den Grenzen von 1937 gemeint ist? Immerhin forderte die Germania 1996, sieben Jahre nach dem Mauerfall, in einem Flugblatt die »Wiedervereinigung Deutschlands«.

Es gehe nicht an, dass einer wie Hofsommer »auf Kinder losgelassen« werde, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im hessischen Landtag, Priska Hinz. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen Hofsommer. Wegen des öffentlichen Drucks ist der Pädagoge an das staatliche Schulamt in Fulda versetzt worden. Das allerdings sei »ein Unding«, meint Hinz. Schließlich sitze Hofsommer nun in jener Behörde, die gegen ihn ermitteln muss. Damit habe er unter Umständen Zugang zu den entsprechenden Akten.

Hinz ist davon überzeugt, dass sich die Vorwürfe gegen Hofsommer bestätigen, zu viele Indizien sprächen dafür, zudem hätten sich noch weitere Eltern und Lehrer zu Wort gemeldet. Dann aber sei seine sofortige Suspendierung geboten, fordert die Grüne. »So ein Mann gehört nicht in den Schuldienst«, meint auch der Elternsprecher Wolfgang Hautumm.

Ob das die zuständigen Behörden genauso sehen, ist fraglich. Professor Peter Krahulec von der FH Fulda, der an den von den Eltern organisierten »Ersatzlehrstunden« teilnahm, ist sich nicht so sicher: »Die politische Couleur Hofsommers ist seit vielen Jahren bekannt, ohne dass etwas dagegen zu unternehmen war, obwohl es einige versucht haben.«

Die hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) ließ verlauten, dass man nach Rücksprache mit dem Schulamt der Meinung sei, Hofsommer könne sehr wohl »Berufliches und Privates« trennen. Man wolle ihn nicht voreilig verurteilen. Welche Aufgaben man dem zweifelhaften Pädagogen auf seinem neuen Posten in Fulda zugedacht hat, konnte Wolff auch nicht sagen, schließlich habe er sich gleich nach seinem Dienstbeginn krank gemeldet.

Möglicherweise wollen die Behörden das Problem erneut aussitzen. Schon bei seiner Versetzung an die Jahnschule schienen sie darauf gehofft zu haben, es mit seinem Verschwinden in der nordhessischen Provinz lösen zu können. Falls dem so war, ging die Strategie zunächst auf - schließlich kannte man den Herrn Schulleiter auch als stellvertretenden Vorsitzenden des Fördervereins eines lokalen Sportclubs. Doch dann machten die Schüler und Eltern einen Strich durch die Rechnung.

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