Stefan Wirner: »Hörschäden betreffen alle Parteien«

»Hörschäden betreffen alle Parteien«

small talk

von Stefan Wirner

Ein Verband von Hörgeräteherstellern führt vom 8. bis 10. September einen Hörtest im Bundestag durch. Ein Gespräch mit Karsten Mohr vom »Forum Besser Hören«.


Hören Politiker schlecht?

Im Allgemeinen hören sie nicht schlechter als der Durchschnitt der Bevölkerung. Die Verbreitung von Hörschäden ist altersabhängig. Bei älteren Politikern ist es häufiger so, dass sie an Beeinträchtigungen leiden.

Gibt es, was Hörschäden betrifft, Parteipräferenzen?

Nein.

Hörschäden betreffen Politiker aller Parteien?

Ja.

Sie haben bereits im Jahr 2000 einen Hörtest im Bundestag durchgeführt. Haben sich die Bundestagsabgeordneten dem Test gerne unterzogen?

Einige schon.

Wie reagieren Politiker, wenn Sie bei ihnen Hörschäden feststellen?

Die meisten wissen, wie es um ihr Hören bestellt ist. Es gibt viele Menschen, die wissen, dass sie nicht richtig hören, das ist gar nicht auf Politiker beschränkt. Sie haben nur keine Lust, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen, weil das verpönt ist. Etwa weil Schwerhörigkeit oft mit dem Alter verbunden ist und einfach keine schöne Sache ist. Sie ist einfach schlecht angesehen. Deshalb gehen Leute oft nicht zum Hörtest.

Deshalb ließen sich im Jahr 2000 auch nur 127 Abgeordnete von Ihnen testen.

Genau.

Was raten Sie einem Politiker, wenn festgestellt wurde, dass sein Hören beeinträchtigt ist?

Wir raten ihm, probeweise ein Hörgerät zu tragen, falls er nicht schon eins benutzt, weil das zu ganz deutlichen Verbesserungen führt. Bei der Kommunikation, im Verstehen und auch in der Lebensqualität. Es gibt kaum etwas Nervigeres, als wenn man immer äußerst konzentriert versucht zuzuhören und dann doch nichts versteht.

Wie wirken sich denn die Reformen im Gesundheitswesen auf Menschen aus, die Hörprobleme haben?

In Bezug auf die Hörgeräte hat sich nur verändert, dass eine Verordnungsgebühr von maximal zehn Euro erhoben wird. Was sich auswirken könnte, ist die Verunsicherung, die entstanden ist. Die Menschen wussten vorher schon nicht richtig Bescheid, wer die Hörgeräte bezahlt.

interview: stefan wirner

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