Jörn Schulz: Sir Scratcher

Sir Scratcher

ich-ag der woche

von Jörn Schulz

Erfolglose Putschisten werden schnell einsam. »Es ist sehr dringend«, schrieb Simon Mann aus dem Chukurubi-Gefängnis in Zimbabwe und beklagte sich darüber, dass seine Anwälte keine Antwort von »Scratcher« erhalten. Der Brief gehört zum Beweismaterial gegen Sir Mark »Scratcher« Thatcher, denn er deutet auf eine Beteiligung des Sohns der ehemaligen britischen Premierministerin an dem Versuch, die Regierung Äquatorial-Guineas zu stürzen.

Das Unternehmen scheiterte, wie so viele andere in Mark Thatchers Leben. Dreimal fiel er durch die Buchhalterprüfung, niemand wollte seine elektronisch gesteuerten Einkaufswagen erwerben, und seine Karriere als Rennfahrer endete, als er sich 1982 bei der Rallye Paris-Dakar verirrte und erst nach sechs Tagen aufwändiger Suche gefunden wurde. Daraufhin besann er sich auf seine Qualifikation als Sohn. Doch als sich die Vorwürfe häuften, er habe dubiose Kommissionen für von seiner Mutter eingefädelte Geschäfte kassiert, verließ er Maggies Farm und heiratete in den USA die Millionärin Diane Burgdorf.

Seit 1995 wohnt er in Kapstadt, wo er sich häufig mit seinem Freund und Geschäftspartner Simon Mann traf. Die südafrikanische Polizei geht davon aus, dass Thatcher zu dem Joint Venture britischer Konservativer, Söldner und Geschäftsleute gehörte, das durch einen Regime Change Zugriff auf den Ölreichtum Äquatorial-Guineas erlangen wollte. Doch die Söldner wurden schon bei der Zwischenlandung in Zimbabwe abgefangen, und statt sein auf 90 Millionen Euro geschätztes Vermögen zu mehren, muss Thatcher nun eine Kaution hinterlegen, um bis zu seinem Prozess im November auf freiem Fuß zu bleiben.

jörn schulz

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