Job erledigt, und tschüss!
ich-ag der woche
von Stefan Wirner
Und wieder ist eine Stelle frei geworden in der Deutschland AG. In der vorigen Woche erklärte der Personalchefs der Volkswagen AG, Peter Hartz, seinen Rücktritt. Er übernehme die »politische Verantwortung für die Unregelmäßigkeiten einzelner Mitarbeiter«.
Über diese »Unregelmäßigkeiten« war zuletzt so einiges bekannt geworden. So hatte ein ehemaliger Mitarbeiter der Personalabteilung von VW, Klaus-Joachim Gebauer, in einer 60 Seiten dicken »Beichte« (Süddeutsche Zeitung) umfassend ausgepackt. Es geht in den Vorwürfen an den Vorstand und den Betriebsrat des Unternehmens um ein ausgefeiltes System der Korruption, um bezahlte Flugreisen für Betriebsräte, um »Taschengeld« für deren Ehefrauen, um dubiose Konten und Prostituierte, die den Betriebsräten vom Vorstand zur Verfügung gestellt worden sein sollen.
Die FDP nutzt den Skandal inzwischen, um gegen die gewerkschaftliche Mitbestimmung zu agitieren. Dabei ist es gerade die betriebliche Mitbestimmung, also das System, »den Betriebsrat bei Entscheidungen mitzunehmen« (Süddeutsche Zeitung), das in der Vergangenheit zum Erfolg von Volkswagen beigetragen hat. In Wolfsburg wurde das Konzept der »atmenden Fabrik« erfunden, in der die Mitarbeiter je nach Auftragslage eingesetzt oder nach Hause geschickt werden können. Es wurde ohne größere Widerstände durchgesetzt, die Betriebsräte wurden eben »mitgenommen«, und sei es nur auf Luxus- und Lustreisen.
Auch in diesem Sinne hat Bundeskanzler Gerhard Schröder Recht, wenn er sagt, Hartz habe »sehr, sehr viel gegeben für VW und auch für Deutschland«. Denn es ist nicht damit zu rechnen, dass die Verschlechterungen für die Lohnabhängigen, die in den vergangenen Jahren bei Volkswagen beschlossen wurden und zum Vorbild für Kürzungen in anderen Firmen wurden, zurückgenommen werden, nur weil sie möglicherweise mit Korruption erkauft wurden.
stefan wirner





