Stefan Wirner: »Ins Hecheln statt ins Lächeln«

»Ins Hecheln statt ins Lächeln«

small talk

von Stefan Wirner

Der Kabarettist Martin Buchholz unternehme »Expeditionen in die Tiefen des deutschen Hohlraums« in »hirnverholzten Zeiten« heißt es auf dem Einband eines seiner Bücher. Ein verbuchholztes Gespräch mit dem bekannten Humoristen.


Über wen lässt sich besser Witze reißen, über unseren alten Kanzler Gerhard Schröder oder über Angela Merkel?

Wenn es ums Witze machen geht, kann ich nicht groß zwischen Witzfiguren unterscheiden. Merkel liefert einfach Stoff im Augenblick, weil sie selber einen eben mit 100 Tagen Pflaumenweichheit direkt herausfordert, dagegen satirisch anzugehen. Das Showtalent Schröder hat es einem da etwas schwerer gemacht. Jetzt erleben wir eine Offensive der Freundlichkeit, die einen eher ins Hecheln bringt statt ins Lächeln.

Welche Ministerin oder welchen Minister finden Sie derzeit am lustigsten?

Ich finde, dass man sich bei diesem Kabinett die Namen gar nicht zu merken braucht, so farblos sind die. Wenn Sie mich jetzt fragen würden, wer ist der Generalsekretär der CDU oder der SPD – früher hätte ich Ihnen all diese Namen runterbeten können. Es gibt da nichts Lustiges. Das ist ein freundlicher Sparkassenvereinsvorstand, der seine Kreissparkassengeschäfte tätigt.

Was ist das Geheimnis Ihres Humors?

Ich bin kein Humorexperte, und bei meinem eigenen schon gar nicht. Ich glaube, es ist eine freundliche Albern­heit. Ich bin als Linker eben nicht verbiestert, sondern ich will im Sinne von Bertolt Brecht das Denken wieder zu einer vergnüglichen Angelegenheit machen, auch wenn eine ganze Menge Leute nicht gerade vergnügungssüchtig sind.

Wen würden Sie neben Brecht noch als Vorbild für Ihre Arbeit nennen?

Vorbild ist ein bisschen dicke, aber als Leute, die mich beeinflusst haben: Neuss, wenn man ans Kabarett denkt, der größte überhaupt. Na klar, es fallen die üblichen Namen: Tucholsky, Brecht, Heinrich Heine darf in diesem Jahr nicht fehlen.

Lachen Sie privat auch gerne oder sind Sie eigentlich ein todernster Mensch?

Nein, ganz im Gegenteil. Manchen Leuten geht meine Albernheit manchmal auf den Senkel.

interview: stefan wirner

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