»Eine Hochburg der Rifondazione«
small talk
von Stefan Wirner
An der Parlamentswahl in Italien am 9. und 10. April können erstmals im Ausland lebende Italiener per Briefwahl teilnehmen. Ein Gespräch mit Fabio Biasio, dem Beauftragten der »Rifondazione Comunista« für den Bezirk Berlin-Brandenburg.
Sie befinden sich derzeit mitten in Berlin im italienischen Wahlkampf.
Ja. Ich kandidiere zwar nicht, aber ich werbe für meine Partei. Wir führen Veranstaltungen durch, wie etwa vor kurzem in Friedrichshain, wo wir eine Diskussion mit Journalisten und einer Kandidatin des Wahlbündnisses »Unione« organisierten. Dann gab es Essen, und es wurde getanzt.
Ein italienischer Abend, also?
Na ja, das Publikum war eher deutsch, denn die Linkspartei war an der Organisation beteiligt.
Wie viele potenzielle italienische Wähler leben denn in Berlin-Brandenburg?
9 600 etwa. Ich hatte die Adressenliste, sie ist eine Katastrophe, denn es gibt viele Leute, die gar nicht mehr in Berlin wohnen. Eigentlich sollte man sich bei der Botschaft abmelden, wenn man ein Land verlässt und etwa zurück nach Italien geht. Ich kenne Leute, die bekommen an ihre Adresse drei oder vier Briefe mit Wahlunterlagen geschickt, weil irgendwelche Freunde oder Verwandte noch dort angemeldet sind. Das ist ein großes Chaos.
Welchen Zuspruch hat die »Rifondazione« bei den Exilitalienern in Berlin?
Einen großen Zuspruch. Wir hatten vor ein paar Monaten Vorwahlen, in denen bestimmt wurde, wer das Wahlbündnis anführen sollte. Selbstverständlich hat überall Romano Prodi gewonnen, nur in Berlin hätte Fausto Bertinotti von »Rifondazione« es fast geschafft.
Also haben Sie hier eine Hochburg?
Ja, das kann man so sagen.
Planen Sie vor der Wahl noch eine Veranstaltung?
Vor der Wahl nicht mehr, und zwar aus dem einfachen Grund, weil man die Wahlbriefe nun schnell abschicken muss, damit sie rechtzeitig ankommen. Der Wahlkampf hier ist also fast schon gelaufen.
Wie wird die Wahl ausgehen?
Die »Unione« wird ein paar Prozent vor dem Rechtsbündnis liegen. Viele denken: Wir schicken Berlusconi nach Hause. Er wird uns aber erhalten bleiben, er wird auf jeden Fall ins Parlament gewählt, d.h. er wird seine Immunität behalten und nicht vor Gericht gestellt.
interview: stefan wirner
Wahlparty: Montag, 10. April im Festsaal Kreuzberg in Berlin.




