Ivo Bozic: Es lebe die Induktion!

Es lebe die Induktion!

Nabelschau IX

von Ivo Bozic

Die Anreise

Von Berlin aus fährt man immer die A2 lang, dann quer durch Bad Oyenhausen, um schließlich auf die E30 zu gelangen, die einen sicher nach Amsterdam bringt. In Bad Oyenhausen gibt es eine Bürgerinitiative, die eine »Nordumgehung sofort« fordert. Im Norden der Stadt soll es eine Bürgerinitiative »Südumgehung sofort« geben.

Die Heiloo-Ranch

Technische Probleme bereitete uns anfangs der Herd, der mit Induktions­tech­nik funktio­niert. So etwas wie eine Gebrauchsanweisung lag zwar bei, aber versuchen Sie einmal, eine »Beknopte Handleiding« zu lesen. Doch inzwischen sind wir uns sicher: Induktion ist prima. Auch beim Grillen: nur Induktionskohle! Manchmal hörte man ein leises Klagen aus der Küche: »Ich habe ein Induktionsproblem«, aber mit der Zeit hatten wir den Herd, den alten Schlawiner, durchschaut. Ansonsten ist unsere Heiloo-Ranch sehr landestypisch: Huisje statt Huis. Zum Meer ist es ein Katzensprung und nach Amsterdam auch.

Die Holländer

Sie sind höflich, hilfsbereit, liberal und haben nichts zu verbergen. Nur schwer zu erreichen sind sie. Autoch­thone, Allochthone – alles nette Leute. Uns jedenfalls kam keiner krumm. Auch im Angesicht des Schlimmsten verlieren sie nicht ihren Humor: Roken is dodelijk.

Das Essen

Vla und Schokostreusel im Überfluss. Zumindest für einige war es ein wahres Fest. Aber auch die Antivla-Bewegung regte sich. Das tägliche Abendmahl wurde mit viel Liebe bereitet. Außerdem: vier Sorten Gouda. Und endlich wieder Dosenbier! Nicht alle Lebensmittel sind künstlich: Grünzeug gibt’s in Amsterdam, lekker Fritten in Egmond.

Die Recherche

Wir waren in Amsterdam und Rotterdam, Den Haag und Den Deich. Käsemarkt, Blumenmarkt, Supermarkt – alles dabei. Gespräche mit Hausbesetzern und Autorinnen, Amateurfußballern und Profikiffern. Die Strandrecherche des Hoofdredacteurs van den Dienst wurde auf die Zeit nach Redaktionsschluss verschoben. »Pig City« hätten wir gerne gesehen, muss aber erst noch gebaut werden. Schweine im Penthouse, warum nicht?

Das Wetter

Die Holländer haben die Natur komplett nach ihren Ansprüchen zurechtgebogen. Nur eine Käseglocke über ihr Land haben sie vergessen. So waren wir dem Dauerregen schutzlos ausgeliefert. Immerhin: Die Mieträder parkten sicher im Schuppen. Überhaupt kann man sich in Holland auch bei Regenwetter prächtig vergnügen. Dazu bedarf es nur eines Wörterbuches und ein bisschen von einem landestypischen Agrar­produkt.

Die Arbeit

Erschwert wurde die Arbeit durch die Tatsache, dass die Heiloo-Ranch keinen Telefon­anschluss hat und sich die beiden einzigen öffentlichen Hotspots der Region im Telekomladen und im McDo­nald’s in Alkmaar befinden. Manche Bürger von Heiloo werden sich gefragt haben, warum gelegentlich ein Auto mit Fremden mit Sonnenbrillen und Laptop auf dem Schoß vor ihrem Haus stand. Zum Glück hat niemand die Anti-Terrorpolizei geholt. Nur Rembrandt haben wir verpasst, der ist gerade in Berlin. Andere Frage: Haben wir irgendein Klischee ausgelassen? Tulpen! Die Zeitung ist zu 100 Prozent tulpenfrei. Ongelofelijk!

Die Herren Geschäftsführer

Ganz große Ehrenrunde: Der Herr Geschäftsführer brachte noch zwei Kisten Bier vorbei, weil zwei besser sind als eine, dann brauste er davon. Ein Abgang wie aus dem Drehbuch. Gleichzeitig eine perfekte Übergabe. Der neue Herr Geschäftsführer präsentierte sich vom ersten Tag an als multifunktionaler Tausendsassa und Meisje für alles, ein würdiger Nachfolger, ein reiner Induktionsgeschäftsführer. Und fertig ist der Lack!

ivo bozic

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