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Home Story 24/07

Wieso, das soll uns der Geschäftsführer mal bitteschön erklären, können unsere Spieler eigentlich ablösefrei gehen? Sollten wir nicht vom neuen Verein die eine oder andere Million bekommen oder den Wechsel nicht besser ganz und gar vertraglich unterbinden? Keinen Cent gibt’s für die jahrelange Ausbildung vom Praktikanten zum Themen-Master. Aber gut, das werden wir verschmerzen. Doch gleichzeitig hinterlässt jeder Weggang eine Lücke, die nicht so einfach auszufüllen ist. Nehmen Sie mal probeweise das Bild an Ihrer Wohnzimmerwand ab. Und, was sehen Sie? Genau, einen weißen Fleck, den Sie vorher noch nie wahrgenommen haben. Das Bild, das nun nicht mehr dort hängt, ist plötzlich präsenter als je zuvor. So geht es zu, wenn jemand geht.

Nun wird der Kollege, von dem hier die Rede ist, so manchen weißen Fleck hinterlassen. Nicht nur im Sommer, wenn der Grill angeschmissen wird. Egal, ob wir uns in Israel im Kibbuz oder in Istanbul auf einer Dachterrasse befanden, in einem holländischen Gärtchen oder mitten in der Redaktion zwischen Sitzungstisch und Feuilleton: Immer war klar, wer beim Umdrehen der Würste und Steaks das beste Händchen, wer mit dem Gott des Feuers einen Vertrag hat. Außerdem: Die ausgetüftelten Wettpläne zur WM oder EM, wer soll das bitteschön übernehmen?

So viele kleine Dinge, die unser Leben be­stimm­ten, werden sich aus unserem Be­wusst­sein schleichen: Opel, die Hessen, die Vettern, die Fischer-Gang, Neukölln, der Papst, Autokorsos, Fisch aus Jaffa, Ahmet Iyidirli. Um nur ein paar beliebige Beispiele zu nennen. Doch am Ende würden wir auch das locker wegstecken. Aber, und das macht die Sache leider et­was schwerwiegender, da geht ja nicht nur ein quirliger Springinsfeld, sondern auch ein großartiger Kollege, voller Kreativität, Gewissenhaftigkeit, Ungeduld, Jungle-Leidenschaft und einem Händchen für die Story, den Stil und die Provokation, sprich: ein echtes Stück Dschungel, ein Arbeiter im Weinberg des Herrn.

Natürlich gönnen wir jedem, sich mal ein bisschen draußen umzusehen, auch dem Kollegen. Aber irgendwie gönnen wir seinem neuen Verein diesen Personal-Coup nicht. Das ist nichts Persönliches, so ist das Geschäft. Oder doch, es ist auch etwas Persönliches.

Bleibt uns zu sagen: Sagol, yaren! (Hey, weiß hier jemand, wie man das schreibt? Auch das noch!)

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