Eingeschlossen im Schacht

Eingeschlossen im Schacht

Man werde »nichts unversucht lassen«, um die Bergleute zu retten, sagte Li Jianquo, Vorsitzender der KP in der Provinz Shandong. In der Nähe der Stadt Xintai sind seit dem vergangenen Freitag 181 Bergarbeiter in überfluteten Kohleschächten eingeschlossen. Der Damm eines nahe gelegenen Flusses war nach ungewöhnlich starken Regenfällen gebrochen und hatte so zur wahrscheinlich zweitschlimmsten Katastrophe im chinesischen Kohlebergbau geführt. Zwar konnten Hilfskräfte und Militär die Lücke schließen, doch den Behörden zufolge besteht wenig Grund zur Hoffnung. Ren Hua, der Angehörigen eines Eingeschlossenen, wurde noch am Freitag mitgeteilt, das Wasser werde bereits abgepumpt. Bei ihrer Ankunft am Unglücksort einen Tag später war jedoch noch nicht mit dem Pumpen begonnen worden. Beobachter befürchten, die Betreibergesellschaft könne den Regen allein für das Unglück verantwortlich machen.

Überall auf der Welt kommt es zu tödlichen Unfällen im Bergbau, nicht zuletzt, weil an Sicherheitsmaßnahmen gespart wird und Schächte in gefährlichen Zonen gegraben werden. In den USA starben im vergangenen Jahr 47 Bergleute. Für das jüngste Minenunglück in Utah machten die örtlichen Kontrollbehörden und der Besitzer des Unternehmens Erdbeben verantwortlich. Unabhängige Institute ermittelten jedoch die seismischen Signaturen von Mineneinstürzen. Demnach scheinen schlecht gesicherte Stollen die Unglücksursache zu sein.

Am gefährlichsten leben Bergarbeiter in China. Dort starben seit dem Jahr 2000 mindestens 36 900 Menschen bei Grubenunglücken allein im Kohlebergbau. Um ein schnelles Wirtschaftswachstum zu ermöglichen und die Kosten für Energieimporte gering zu halten, wird der billige Abbau von Kohle gefördert. Die Regierung hat zwar immer wieder Sicherheitsprogramme angekündigt, in den Minen scheint sich jedoch wenig geändert zu haben. fh

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