Felix Hoffmann: »Wir alle sind Elvira!«

»Wir alle sind Elvira!«

von felix Hoffmann

von Felix Hoffmann

Mit dieser Parole demonstrierten mehr als 5 000 Menschen in Los Angeles am Samstag für Elvira Arellano. Seit August 2006 lebte die 32jährige Mexikanerin im Kir­chen­asyl bei Chicagoer Methodisten, um ihrer Ausweisung zu entgehen. Am vorletzten Sonntag verließ sie mit ihrem achtjährigen Sohn Saul die Kirche. Die Katholikin war auf dem Weg zu einer Andacht, als sie von Beamten der US-Einwanderungsbehörde verhaftet und umgehend »repatriiert« wurde.

Das erste Mal kam Arellano als gelernte Sekretärin 1997 in die USA, sie wurde erwischt, abgeschoben und wanderte erneut ein. Nach dem 11. September 2001 wurde sie bei einer der auf die Anschläge folgenden Razzien festgenommen, konnte aber zunächst bleiben, da ihr in den USA geborener Sohn automatisch die Staatsbürgerschaft erhalten hatte. Arellano engagierte sich für die Rechte von Immigranten. Im August 2006 sollte sie dann bei der Einwanderungsbehörde auftauchen – also tauchte sie unter.

Täglich werden etwa 700 Einwanderer abgeschoben, doch der Fall Arellanos erregte besonderes Aufsehen. Die US-Regierung meint, sie könne ihren Sohn nach Mexiko holen. Bürgerrechtsorganisationen kritisieren jedoch, dass sie von ihrem Kind getrennt wurde. An den Demonstrationen am Samstag nahmen auch Gewerkschafter, Geistliche und Pazifisten teil. Bei den Protesten wurde außerdem zu einem Generalboykott am 12. September aufgerufen, mit dem die Rechte von Migranten durchgesetzt werden sollen. Unterstützung erhielt Arellano vom konservativen Präsidenten Mexikos, Felipe Calderón, der sich bei der US-Regierung persönlich über ihre Abschiebung beschwerte.

Doch manche kritisieren, dass Arellano ihren Sohn instrumentalisiere. Im November 2006, während seine Mutter im Kirchenasyl ausharrte, hat Saul vor dem mexikanischen Kongress die Interessen der Einwandererfamilien in den USA vertreten. »Weil meine Stimme die des Volkes ist«, will Elvira Arellano weiterkämpfen.

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