Etwas ist faul
»Es war ein spontaner Akt der Wut und Frustration«, sagte ein Sprecher des Kollektivs ungeren.dk. »Sie wollen zeigen, dass sie nichts vergessen haben«, kommentierte Mads Firlings, Polizeisprecher in Kopenhagen, die Krawalle am Samstag anlässlich der Räumung des einstigen Autonomen Jugendzentrums Ungdomshuset vor sechs Monaten. Ein von den Polizisten verlassenes Fahrzeug wurde angezündet, auch mehrere andere Autos gingen in Flammen auf. Viel Glas ging zu Bruch, Barrikaden wurden entzündet und ein Polizist wurde leicht verletzt, nachdem eine Tränengaspatrone noch in seinem Fahrzeug losgegangen war. Am Sonntagmorgen hatte sich die Lage beruhigt. Nach Angaben von ungeren.dk wurden 64 Demonstranten festgenommen, drei blieben vorerst in Haft.
1897 als »Arbejderpalads« erbaut, hatte das Ungdomshuset eine lange Geschichte als linkes Zentrum in Kopenhagen mit illustren Besuchern wie Lenin und Rosa Luxemburg. Nach dem Abriss Anfang März soll nun das Gemeindezentrum einer christlichen Sekte entstehen (siehe Jungle World 10/07). Erst Ende Mai wurden die letzten der insgesamt 36 ehemaligen Besetzer aus dem Ungdomshuset, die während der Räumung festgenommen worden waren, aus der Haft entlassen. Nach organisierten Sammelklagen bekam ein Besetzer nach zweieinhalb Monaten Haft rund 12 000 Euro Haftentschädigung ausgezahlt. In Kopenhagen findet seit dem Abriss jeden Donnerstag um 17 Uhr die gut besuchte Torsdag-Demonstration statt. Um Ersatzräumlichkeiten zu beschaffen, wurden mehrfach Hausbesetzungen versucht. Für den 6. Oktober ist eine öffentlich angekündigte Besetzung geplant, die von den linken Parteien Socialistisk Folkeparti und Enhedslisten unterstützt wird.
fh



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