Lux unter Schafen
Berlin. Das Zentrum für Antisemitismusforschung lädt zur Sommeruniversität an die TU. Auf dem Programm stehen hochkarätige Rednerinnen und Redner und Workshops, etwa zu islamischem Antisemitismus und linkem Antizionismus. Um die 100 Anwesende füllen den Plenarsaal. Auch Stefan Lux, Schulungsleiter und politischer Berater des NPD-Vorsitzenden Udo Voigt, folgt der Einladung. Die Teilnahme des Nazikaders aber missfällt den anwesenden Antifas. Als sie zu Beginn der Veranstaltung die Anwesenheit des Rechtsextremisten ansprechen, werden sie vom Podium herab abgewürgt und auf den demokratischen Charakter der Sommeruniversität verwiesen, von welcher offenbar auch eine nationale Fachkraft für Antisemitismus nicht ausgeschlossen wird. Daraufhin verlassen die Antifas den Raum. Der Neonazi bleibt.
Während drinnen dem Antisemiten der Antisemitismus erläutert wird, fordern die Antifas draußen ein klares Verhalten von den Organisatoren. Aber ein Gespräch mit dem Leiter des Zentrums, Wolfgang Benz, bleibt wirkungslos. Man könne Lux argumentativ widersprechen, sobald er sich äußere, sagt Benz. Solange dieser sich jedoch nicht rassistisch äußern würde, käme ein Ausschluss einem Vorurteil gleich. Dies würden die Liberalität und das Demokratieverständnis verbieten. Dabei hatte Benz kurz zuvor in seinem Vortrag auf die Aufklärungsresistenz der Antisemiten hingewiesen. Dass dem Antisemitismus auf den Leim gegangen wird, wo dieser gleichberechtigt mitdiskutieren darf, müsste Benz aus seiner These auch selbst gefolgert haben. Doch die von ihm zuvor beschworene »Praxis« besteht offenbar in akzeptierender Jugendarbeit. Anders als gegenüber den ihr Geld zurückfordernden »Störern«, von denen einer vom Sicherheitsdienst entfernt wurde. Der Kampf um die Köpfe, den die NPD ausgerufen hat, geht also weiter. Am nächsten Tag nahm Lux das Schulungsangebot erneut an, um Seite an Seite mit Überlebenden der Shoa über Antisemitismus zu diskutieren. sF




