Nachrichten 37/07
Zu Wasser, zu Lande
Unifil-Mission. Wenn die Bundeswehr irgendwo in der Welt still und heimlich ihre Truppen vom Einsatz nach Hause schickt, kann das nur bedeuten, dass diese nicht gerade Lorbeeren geerntet haben. Das Verteidigungsministerium antwortete auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der FDP, drei Schiffe seien vor der libanesischen Küste abgezogen worden, eine Fregatte werde folgen. Eine weitere Fregatte, zwei Minenjagdboote und ein Versorgungsschiff verbleiben, um Waffenschmuggel an die Hizbollah über das Meer zu verhindern. Im vergangenen Jahr wurden 9 000 Schiffe kontrolliert, aber keine Waffen gefunden. Die Schmuggler sind offenbar wasserscheu und liefern lieber auf dem Landweg. gs
Beobachten ist besser
Tschechien. Während seines Besuchs in Krakau forderte der ehemalige tschechische Präsident Vaclav Havel »im Interesse aller Polen und der Demokratie« neben schnellen Neuwahlen auch gleich noch internationale Wahlbeobachter. Diese Forderung stieß auf Empörung. So versicherte Polens ehemaliger Präsident Lech Walesa, dass keine Wahlfälschung zu befürchten sei, und bezeichnete Havels Forderung als »über das Ziel hinaus geschossen«. Anlass für Havels Äußerung ist die von Roman Giertych von der Liga Polnischer Familien als »polnisches Watergate« bezeichnete Regierungskrise. jub
Knapp davongekommen
Algerien. Nur knapp entging Präsident Abdelaziz Bouteflika am Donnerstag der vergangenen Woche einem Anschlag. Der Selbstmordattentäter war entdeckt worden, er sprengte sich in einer Menschenmenge in die Luft und tötete 20 Menschen, bevor Bouteflika zu der Versammlung in Batna kam. Bei einem zweiten Anschlag am Samstag mit einer Autobombe vor einer Kaserne in Delly starben 37 Menschen. Zu den Attentaten bekannte sich »al-Qaida im islamischen Nordafrika«. Nach Angaben der Regierung operieren noch etwa 500 bewaffnete Jihadisten in Algerien. Gegen den islamistischen Terror demonstrierten am Sonntag etwa 5 000 Menschen in der Hauptstadt Algier. jub
Barrikade vor dem Palast
»Dies ist ein Rückfall in die schlimmsten Tage der Diktatur«, sagte Viviana Díaz von der Vereinigung der Familien der verschwundenen Gefangenen. Wie in jedem Jahr fand am Sonntag eine Demonstration zum Gedenken an den chilenischen 9/11, den Militärputsch am 11. September 1973, statt. Die etwa 5 000 Demonstranten durften nicht über die Calle Morandé am Präsidentenpalast in Santiago de Chile vorbeiziehen. Es kam daraufhin zu Zusammenstößen mit der Polizei, bei denen insgesamt 189 Demonstranten festgenommen wurden.
Bislang wurden etwa 500 Offiziere wegen ihrer Straftaten unter der Militärdiktatur Pinochets vor Gericht gestellt. Die sozialdemokratische Regierung Michelle Bachelets will die Aufarbeitung der Verbrechen des Militärregimes Pinochets beschleunigen. Die Demonstrationsroute wurde nicht genehmigt, da im vergangenen Jahr ein Molotow-Cocktail in Richtung Palast geflogen war. fh





