Wowi for President!
von jana brenner und regina stötzel
von Jana Brenner Regina Stötzel
An Stammtischen in den fernsten, abgelegensten Winkeln der Republik, bis zu denen der Name Kurt Beck noch gar nicht vorgedrungen ist, weiß man über Klaus Wowereit zwei Dinge zu sagen: Er ist schwul, und er geht gern auf Partys. Allein diese Tatsachen dürften seiner soeben erschienenen Autobiografie mit dem wenig überraschenden Titel » … und das ist auch gut so« zu einer stattlichen Auflage verhelfen. Sobald Wowereit, der nicht nur der Bild-Zeitung als »fröhlicher Paradiesvogel, als Party-Politiker« gilt, auf der Bildfläche erscheint, freuen sich die Medien. Dass Journalisten anlässlich der Buchveröffentlichung vorzeitig die »K-Frage« (Focus online) stellten, kommt nicht von ungefähr, schließlich muss im Falle von »einem von Deutschlands schillerndsten Politikern« (Hamburger Abendblatt) vorab geklärt werden, ob sich die Deutschen einen schwulen Kanzler vorstellen können. Sie können, das haben Umfragen bereits ergeben. »Ich glaube, das wäre möglich«, sagte auch Wowereit im Stern. Und das, wo er doch ausdrücklich sagt, selbst keine Ambitionen zu haben, und seinen bräsigen Parteikollegen Beck vorschlägt. Der habe schließlich »Kanzlerkaliber«. Das hat er nicht, aber das ist ja egal.
Jedenfalls kommt derzeit kein einziger Artikel über Wowereit ohne die Information aus, dass er schwul ist. Sein »Leben für die Politik«, das im Untertitel des Buchs angekündigt wird, interessiert da weit weniger. Der Vorabdruck in Bild mit der Überschrift »Wowi erzählt jetzt alles« verspricht schlüpfrige Details. Doch die bleiben aus: Wowi knutscht im Partykeller, »Wowereit« ist litauisch und bedeutet kleines Eichhörnchen, die Macher der todlangweiligen Serie »Lindenstraße« haben »alle Ehrungen dieses Landes verdient für einen echten kulturellen Beitrag«. Das interessiert niemanden, aber was tut man nicht alles, um sich ins Gespräch zu bringen. Als was auch immer.




