73 000

73 000

Im Jahr 1970 arbeiteten noch fast eine halbe Million gewerkschaftlich organisierte Amerikaner bei General Motors (GM). Derzeit sind es noch 73 000, und damit wenigstens sie bleiben können, traten sie am Montag in Streik. Das Management und die Gewerkschaft United Automobile Workers (UAW) hatten sich nicht auf einen neuen Tarifvertrag einigen können. GM will die Löhne, vor allem aber die Kosten für die Gesundheitsversorgung und Renten senken. Deshalb soll die UAW die gesamte Verantwortung für die Sozialausgaben übernehmen und erhält dafür den mit 55 Milliarden Dollar ausgestatteten Fonds Veba (Voluntary Employees’ Beneficiary Association). Ein ähnliches Arrangement hat bei Caterpillar bereits dazu geführt, dass die Gewerkschaft einer Lohnsenkung um 50 Prozent für Neueingestellte zustimmte, um den in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Fonds aufzufüllen. Dennoch hat die UAW der Schaffung des Fonds, der die Macht der Gewerkschaftsführung stärkt, grundsätzlich zugestimmt.

»Niemand gewinnt bei einem Streik«, sagte der UAW-Präsident Ron Gettelfinger, nicht unbedingt eine kämpferische Ansage zum Beginn eines Arbeitskampfes. Über die Forderungen macht er nur diffuse Angaben, es gehe um die »Sicherheit der Arbeitsplätze«, um »ökonomische Angelegenheiten«, die Zukunft des Unternehmens sowie Bonuszahlungen, nicht aber um Veba. Die Verhandlungen sollen während des Streiks fortgesetzt werden. Offenbar will die Gewerkschaftsführung eine Bonuszahlung und andere Zugeständnisse aushandeln, um die Zustimmung ihrer Mitglieder für die riskante Übertragung des Sozialfonds zu erlangen.

Durch eine Reihe von Streiks erkämpften die Arbeiter der US-Autoindustrie in den sechziger und siebziger Jahren eine von den Unternehmen bezahlte Kranken- und Rentenversicherung, die in anderen Branchen übernommen wurde. Dieses System gilt dem Management jedoch als den Aktienkurs schädigende Belastung, denn während die Zahl der Beschäftigten gesenkt wurde, sind noch für Jahrzehnte Zahlungen an Rentner fällig. Bei Ford und Chrysler verhandelt die UAW ebenfalls über einen Transfer der Sozialfonds. js

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