200 000

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Im kommenden halben Jahr soll die Zahl der europäischen Polizei­ausbilder in Afghanistan von derzeit 75 auf 195 erhöht werden, hat der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung mitgeteilt. Ebenfalls erhöht hat sich allerdings auch die Zahl der Selbst­mordattentate. Allein am vorigen Wochenende wurden in Kabul 30 Menschen bei einem Anschlag auf einen Bus getötet. In Pakistan, nahe der afghanischen Grenze, tötete ein als Frau verkleideter Suicide-Bomber mit einer unter der Burqa versteckten Bombe mindestens 15 Personen.

Trotzdem oder gerade wegen der wieder zunehmenden Gewalt hat Afghanistans Präsident Hamid Karsai die Taliban zu Verhand­lungen eingeladen. Sogar Posten in der Regierung und die Teilnahme an der Wahl 2009 bot er ihnen an, falls sie bereit seien, die Waffen niederzulegen. Nötigenfalls würde er sich sogar persönlich zu Taliban-Chef Mullah Omar begeben, um mit ihm zu verhandeln, erklärte Karsai. Der Talibansprecher Kari Jussuf Ahmad konterte, es werde keine Gespräche geben, solange ausländische Truppen in Afghanistan seien. Das wiederum wurde von Karsai als unannehmbare Forderung zurückgewiesen.

So sieht die hohe Kunst der Diplomatie in Afghanistan aus. Karsai zufolge ist die Angebotsoffensive mit den USA abgesprochen. Amerikanische Medien bezweifeln das jedoch, schließlich steht Mullah Omar weit oben auf der Fahndungsliste der USA. Das US-Militär hat hohe Belohnungen für Informationen über den Aufenthaltsort von zwölf gesuchten Kämpfern der Taliban und von al-Qaida ausgesetzt. Im Osten Afghanistans wurden Plakate mit Fotos der Männer aufgehängt. Die Belohnungen reichen von 20 000 bis 200 000 Dollar, das entspricht 141 000 Euro. Im Süden des Landes, wo die US-geführten Truppen eingesetzt sind, kann von Diplomatie und Dialog mit den Taliban derzeit sowieso keine Rede sein. Bei verschiedenen schweren Gefechten sind in der vergangenen Woche nach Militärangaben mehr als 190 Kämpfer der Taliban und zwei Soldaten der Koalitionstruppen getötet worden.

Im deutschen Außenministerium hingegen dürfte der Vorstoß Karsais auf Wohlgefallen gestoßen sein. Dort fordert man schon lange die Integration so genannter gemäßigter Taliban in den po­litischen Prozess. ib

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