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Sich beschwingt eine Flasche Wodka hinter die Binde zu kippen, mag auf so manche Situation im Leben eine vernünftige Antwort sein, gesund ist es nicht. Für Erwachsene ebenso wenig wie für Teenager. Das Abgabeverbot für Schnaps und Zigaretten an Jugend­liche gründet sich nicht darauf, dass diese Dinge für junge Menschen gesundheitsschädlicher wären, sondern auf der berechtigten Annahme, dass man mit 15 die Konsequenzen seines Handelns in der Regel schlechter beurteilen kann als mit 50; auf die Verantwortung, die Eltern, Schulen, die Gesellschaft für Heranwachsende übernehmen, weil man ihnen nicht zutraut, selbst verantwortungsvoll zu handeln.

Genau jener Legitimation des Jugendschutzes entzieht Familienministerin Ursula von der Leyen derzeit den Boden, wenn sie »Kinderspitzel«, also jugendliche Testkäufer, einsetzen will, um Verstöße gegen das Abgabeverbot aufzudecken. Zwar musste sie den Vorstoß vom Freitag voriger Woche bereits am Sonntag zurücknehmen, doch es soll sogar schon ein Gesetzesentwurf ausgearbeitet gewesen sein. Auf die Kritik des Missbrauchs von Kindern hatte von der Leyen naiv geantwortet, dass ja nur Jugendliche ab 14 Jahren als Hilfssheriffs vorgesehen waren. Offenbar hält von der Leyen 14jährige für reif genug, verdeckte Ermittler zu werden. Konsequenterweise sollte sie dann aber auch das Abgabeverbot für Alkohol und Zigaretten auf 14 Jahre herunterzusetzen. Ein ordentlicher Ermittler sollte schließlich selbst entscheiden können, ob er nach Feierabend noch einen saufen geht mit den Kollegen.

Dem Jugendschutz hat die Ministerin mit ihrem abstrusen Vorschlag keinen Gefallen getan, sie hat ihn ein gutes Stück delegitimiert. Das 1938 von den Nazis eingeführte Jugendschutzgesetz war durch und durch ideologisch begründet (»Jugendschutz ist Volksschutz«), hatte aber immerhin die Eindämmung der Kinderarbeit zum Ziel. Will von der Leyen etwa hinter dieses Ziel zurückfallen?

Doch solange – auch in der Drogenpolitik – die Vorstellung vorherrscht, man könne mit Verboten verantwortungsvolles Handeln bewirken, werden solche Schnapsideen immer wieder als ernst gemeinte Offerte daherkommen. Im September konnten die Jugendlichen des Landes Frau von der Leyen dabei zuschauen, wie sie auf dem Berliner Oktoberfest mediengerecht das Bierfass anzapfte. Auf geht’s: oans, zwoa, gsuffa! ib

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