Mehr Zeit für die Guerilla
Joseph Kabila kam sogar persönlich nach Goma. Am Sonntag traf der Präsident mit seiner Delegation in der Hauptstadt der Provinz Nord-Kivu ein, um mit Repräsentanten der Uno und einiger westlicher Staaten über das Vorgehen gegen die Guerillaarmee des Generals Laurent Nkunda zu verhandeln. Nkunda behauptet, die Minderheit der Tutsi im Kongo vor Hutu-Milizen schützen zu müssen, die mit der Regierung kooperieren. Seine Gegner betrachten ihn als Agenten Ruandas, wo Tutsi die Regierung dominieren. Seit Anfang September sind nach Angaben der Uno 370 000 Menschen vor den Kämpfen geflohen. Die Regierung des Kongo hat 15 000 Soldaten aufgeboten und Nkundas Milizen in die Defensive gedrängt, ist aber nicht in der Lage, die Region zu kontrollieren.
Bis zum Montag sollten die Guerilleros ihre Waffen niedergelegt haben, doch Kabila verlängerte das Ultimatum auf unbestimmte Zeit. Es bestehen aber Differenzen über das weitere Vorgehen. »Wir geben den Rebellen mehr Zeit, um zu kapitulieren. Was Nkunda betrifft, werden wir ihn verhaften«, kündigte Verteidigungsminister Chikez Diemu an. Der UN-Repräsentant William Swing dagegen sagte: »Wir appellieren noch einmal an alle Dissidenten, sich in den Integrationszentren der Armee einzufinden, ohne Verzögerung und ohne Bedingungen.« Das im Jahr 2003 geschlossene Friedensabkommen sieht eine Aufnahme der Milizionäre in die reguläre Armee vor.
Kabila hofft nun offenbar auf größere internationale Unterstützung beim Kampf gegen die bewaffnete Opposition. Nach seinem Wahlsieg im vergangenen Jahr hat er sich jedoch gegenüber rivalisierenden Warlords nicht sonderlich kompromissbereit gezeigt. Diese Politik könnte auch in anderen Landesteilen zu neuen Kämpfen führen.
js





