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Nachrichten 44/07

Links ­überholen mit 130 ­Sachen

Auf der Böseböse-Skala liegt das Wort Autobahn ja bekanntlich ganz weit oben. Sich positiv auf Hitlers Nazistraße zu beziehen, geht schon mal gar nicht. Antifa bedeutet heute erstens, das A-Wort geschickt zu vermeiden, und zweitens die Autobahn entschlossen zurückzufighten. Nur so ist es wohl erklärbar, dass der Vorstoß der SPD, ein Tempolimit von 130 km/h einführen zu wollen, medial als Teil des »Linksrucks« der Sozialdemokraten gefeiert wurde. Die SPD-Linke zeigte dann auch sogleich, weshalb sie diesen Namen trägt, und forderte, die Genossen links überholend, eine besonders zügige Realisierung des Beschlusses. Je linker, desto schneller langsamer. Applaus von Grünen und Linkspartei: Kein Fußbreit dem Autobahnismus, endlich steht die Linke auf gegen die letzten Überbleibsel der Nazi-Diktatur!

Aber nein, es geht natürlich auch um Umweltschutz, irgendwie. Das Ganze folgt einem gut durchdachten Plan: Die Kfz-Steuern und Benzinpreise lässt man dramatisch steigen, damit die Menschen auf die Bahn ausweichen, die gleichzeitig ebenfalls immer teurer wird, damit die Automobilindustrie nicht abstürzt. Damit die Leute aber nicht doch wieder aufs Auto zurückgreifen, weil es einfach billiger ist, muss man das Autofahren wenigstens langsamer als das Bahnfahren machen. Bevor die Menschen deshalb aber weniger Autos kaufen, werden sicher wiederum die Bahnpreise steigen – und da sage jemand, Umweltschutz schade der Wirtschaft. Dass es der Umwelt besser täte, wenn einfach weniger anstatt nur langsamer Autogefahren werden würde, ist zwar offensichtlich, doch dann müsste man sich ja viel heftiger mit der Autoindustrie anlegen – so links ist man dann lieber doch wieder nicht. ib

Ihr könnt nach Hause fahr’n!

Fan-Krawalle. Am vergangenen Wochenende mussten nach einem Turnier in Dresden die Fans der Springreiter der Ställe Paul Schocke­möhle und Dallgow-Döberitz von rund 1 500 Polizeibeamten davon abgehalten werden, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Dennoch kam es zu Straßenschlachten, in deren Verlauf 229 Fans in Gewahrsam genommen und zehn Personen, darunter vier Polizisten, verletzt wurden.

Verstünde man die Welt noch, läse man dergleichen in der Zeitung? Die Zahlen sind die Bilanz zweier Fußballspiele der dritten bzw. fünften Liga zwischen Dynamo Dresden und 1. FC Union Berlin (0:1) bzw. Dynamo Dresden II und Lok Leipzig (2:0). gs

Neue Radioaktivitäten

Ägypten. Das nordafrikanische Land exportiert so viel Erdöl und Erdgas wie nie, seine nachgewiesenen Gasvorkommen sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Zuletzt wurde ein enormes Ölfeld in Oberägypten gefunden. Trotzdem plant die ägyptische Regierung – wie auch Jemen, Libyen, Jordanien, Saudi-Arabien und die Emirate –, mehrere AKW zu bauen. Al-Jazeera zufolge erklärte Präsident Hosni Mubarak, das Atomprogramm solle ausschließlich friedlichen Zwecken dienen und in enger Abstimmung mit der internationalen Atomenergiebehörde entwickelt werden. ib

Kein Öl für Blut!

Israel/Gaza. Von dem aus dem Gaza-Streifen heraus entführten israelischen Soldaten Gilad Shalit gibt es kein Lebenszeichen, täglich schlagen Raketen, aus dem Gaza-Streifen abgeschossen, in Israel ein – höchste Zeit für die EU, Israel aufzufordern, die Palästinenser doch bitte nicht »kollektiv zu bestrafen«. Grund für den Rüffel aus Brüssel: Israel, das den Gaza-Streifen trotz der ständigen Angriffe auf seine Zivilbevölkerung mit Lebensmitteln, Medikamenten und Rohstoffen versorgt, hatte kurzzeitig die Öl- und Stromlieferungen gedrosselt. Was das Land stattdessen gegen den Beschuss mit Kassam-Raketen tun soll, verriet die Außenkommissarin der EU, Benita Ferrero-Waldner, nicht. ib

Dayton wackelt

Die meisten Serben in Bosnien-Herzegowina glauben, dass die UN den Vertrag von Dayton aushebeln will. Allein in Banja Luka demonstrierten am Montag 30 000 Serben für den Erhalt der serbischen Republik. Der Grund für deren Sorge ist der Zehnpunkteplan des Hohen Repräsentanten, Miroslav Lajcak. Darin wird eine vereinfachte Verfahrensweise vorgeschlagen, um zu verhindern, dass die Vertreter der drei »konstitutiven Nationen«, Bosnier, Serben und Kroaten, jeden Beschluss des Parlaments sabotieren können. Das interpretieren die Serben aber anders. Regierungschef Milorad Dodik drohte: »Ich kann nur sagen, entlasst uns, wenn ihr wollt. Dann gibt es einen Aufstand.« Nur in Wladimir Putin sehen die serbischen Demonstranten einen Verbündeten, da dieser bereits den UN-Plan zur Unabhängigkeit des Kosovo abgelehnt hat. DA

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