Sonny will Regen
von jörn schulz
von Jörn Schulz
»Wir versammeln uns hier aus nur einem Grund, um ehrerbietig und respektvoll für einen Sturm zu beten.« Mit diesen Worten eröffnete Sonny Perdue, der republikanische Gouverneur von Georgia, am Dienstag der vergangenen Woche auf den Stufen des Capitol von Atlanta ein öffentliches Gebet, das Gott bewegen sollte, es regnen zu lassen. Minister, Politiker und mehrere hundert andere Frömmler beteiligten sich an der Veranstaltung, die die katastrophale Dürre in Georgia beenden sollte.
Die Bibel lehrt: »Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.« Dass über Teilen Georgias in den folgenden Tagen ein wenig Regen fiel, wertete Perdue umgehend als Erfolg seiner Bemühungen: »Wir sind dankbar.« Das Wasser versickerte jedoch schnell, die Dürre dauert an. Kein Wunder, urteilt man auf der Webseite Jesus Christology. Perdue »leitete eine Versammlung der religiösen Apostasie«, er habe zum Gebet an eine »höhere Macht« aufgerufen, um Andersgläubige zu integrieren. Perdue ist Baptist, Angehöriger einer Konfession, die die Kindstaufe ablehnt. Früher nannte man diese Leute »Wiedertäufer« und ließ sie auf dem Scheiterhaufen Platz nehmen. Am Tag nach dem Gebet zerstörte ein Sturm das Dach der baptistischen Kirche von Marion County im benachbarten Tennessee. Ein Zeichen des Herrn?
Vielleicht sandte Gott nur sehr dürftige Gaben, weil er mit Perdues mangelnder Bußfertigkeit unzufrieden ist. Zwei dubiose, in den Jahren 2003 und 2004 abgewickelte Immobiliengeschäfte mag der Gouverneur bis heute nicht kommentieren. Überdies meint Perdue, Georgia müsse sich nicht für die Sklaverei entschuldigen: »Es ist nicht richtig, für andere um Verzeihung zu bitten.« Seine Fürbitte für andere aber soll erhört werden. Perdue sollte lieber noch einmal in die Bibel schauen, wo der Evangelist Matthäus jene als »Heuchler« bezeichnet, die »an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden«.




