Nachrichten 47/07
Hiebe für das Opfer
Ein Gericht in Qatif hat in der vergangenen Woche in einem zweiten Verfahren das Opfer einer Gruppenvergewaltigung zu 200 Peitschenhieben und einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Die damals 18jährige, deren Name nicht bekannt gegeben wurde, war im März 2006 von sieben Männern 14mal vergewaltigt worden. Auch ihr Begleiter wurde von der Gruppe schwer misshandelt. In Saudi-Arabien ist es Frauen verboten, mit Männern privat zusammzutreffen, die nicht mit ihnen verwandt sind. Ein Verstoß gegen dieses khalwa genannte Konzept ist nach saudischer Interpretation der Sharia ein Straftatbestand.
Die Frau hatte sich mit ihrem ehemaligen Freund jedoch an einem öffentlichen Ort, in einem Einkaufszentrum, getroffen, als sie von der Gruppe verschleppt wurden, was den Vorwurf der khalwa eigentlich widerlegt. Dennoch wurde sie bereits in einer ersten Anhörung zu 90 Peitschenhieben verurteilt. Die Strafe gegen das Opfer wurde nun erhöht, weil es, wie es in der Urteilsbegründung hieß, »durch die Medien versucht hat, die Richterschaft zu beeinflussen«. Auch die Strafen der Täter wurden auf zwei bis neun Jahre verdoppelt.
Während des zweiten Verfahrens wurde der Anwalt der jungen Frau, Abdul Rahman al-Lahem, von der Verteidigung ausgeschlossen. Ihm wurde die Anwaltslizenz entzogen, er muss sich nun selbst in einem Disziplinarverfahren verantworten. Zudem drohte der Richter, dass in einem weiteren Berufungsverfahren die Strafe erneut erhöht werden könnte. König Andullah hat im Oktober eine Reform des Justizsystems angekündigt. Noch aber urteilen die Richter nicht nach kodifiziertem Recht, sondern stützen sich auf ihre persönliche Interpretation der Sharia. ak
Pasta statt Asta
Mitbestimmung an Universitäten. Gratulation, Baden-Württemberg! Bereits 30 Jahre lang lassen sich die Leitungen seiner Universitäten und Hochschulen nicht mehr von naseweisen Studentinnen und Studenten dreinreden. Sie kommen bestens ohne gesetzlich festgeschriebene Studierendenvertretungen aus. Wie sonst nur in Bayern, weiß man im Land der Spätzle, wie man sich das Leben angenehm gestaltet. Bloß die Studierenden sehen das nicht ein, sie wollen nicht »mundtot« sein und all das. »30 Jahre ohne Verfasste Studierendenschaft sind schon 30 Jahre zuviel«, krakeelte gar ein Vorstandsmitglied des fzs, des Dachverbands der Studierendenvertretungen. gs
Wahlen ohne Mehrheit
Serbien. Die Beteiligung bei der Parlamentswahl im Kosovo am Samstag betrug 42 Prozent, eigentlich keine überzeugende Legitimation für die geplante Unabhängigkeitserklärung. Das hielt den ehemaligen UCK-Kämpfer Hashim Thaci und seine Demokratische Partei (PDK) nicht davon ab, ihren Sieg zu feiern. Die PDK kam auf 34 Prozent der Stimmen, während die bisher regierende Demokratische Liga (LDK) auf 22 Prozent zurückfiel. Die Serben boykottierten die Wahl, aber auch viele Albaner misstrauen dem korrupten Establishment. Thaci hat dennoch angekündigt, die Unabhängigkeit des Kosovo auszurufen, wenn bis zum 10. Dezember keine Verhandlungslösung erreicht sei. ak
Forschen und essen
Japan. Die Japaner sind wissbegierige Menschen. Da kommerzieller Walfang seit 1986 verboten ist, töten sie die Wale nun zu Forschungszwecken. Auch »gewalttätige Umweltterroristen« könnten das nicht verhindern, sagte Hajime Ishikawa, der Kommandant des Walfangunternehmens. Bis Mitte April sollen fast 1000 Wale gefangen werden. Das ist das größte Jagdprogramm seit Beginn der Schutzmaßnahmen der Internationalen Walfangkommission. Biologen werden Daten zum Mageninhalt der Meeressäuger sammeln und ihre inneren Organe studieren, so die offizielle Begründung. Nach der Rückkehr der Fangflotte Mitte September soll das Fleisch dann verkauft werden. ak
Toilette ist Menschenrecht
Mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung leben nach Schätzungen der 40 Mitgliedstaaten umfassenden WTO (World Toilet Organization) ohne ausreichende Sanitäreinrichtungen. Am Montag hatte deswegen die UN zum siebten Mal den »Welttoilettentag« ausgerufen, um daran zu erinnern, dass ein ordentliches Klo ein »grundlegendes Menschenrecht« sei. Abwassersysteme wie Sickergruben verseuchten angesichts der wachsenden Bevölkerungsdichte das Grundwasser und beförderten lebensgefährliche Krankheiten. Als Zeichen seines Engagements ließ der Gründer der WTA (World Toilet Association), Sim Jae-Duck, seine Villa in Form einer Kloschüssel bauen. Auch diverse Kloschüsselhersteller setzten sich auf dem »Welttoilettengipfel« in Neu-Delhi für die Abschaffung desolater Hygienebedingungen ein. da




