Rainer Trampert: »Auf Hirnebene rührt sich nichts«

»Auf Hirnebene rührt sich nichts«

Hatten die Nazis schwache Kompensations-Gene? Haben Kommunisten und Humanisten irreparable Schäden im lim­bischen System? Und sind am Ende in Wirklichkeit gar nicht die Deutschen, sondern die Neuronen schuld am Holocaust? Muss der Mensch sich bemühen, eine nützliche Zelle zu sein? Überblicken Sie eigentlich Ihre sämtlichen Inkarnationen? Und warum ist es ratsam, sich vor Wiederbelebungsmaßnahmen zu schützen? Ist es nicht angenehm, für immer tot zu sein? Diese und zahlreiche andere Fragen beantwortet Rainer Trampert.

von Rainer Trampert

Moderne Gehirnforschung

Wir mögen in Pisa-Studien nicht gut abschneiden, bei Wissenschaftlern über 80 sind wir Weltspitze, wie die Nobelpreise für Physik und Chemie zeigen. Und schon heute ist sicher, dass der Nobelpreis für Gehirnforschung 2007 an einen Deutschen geht: An Helmut Markwort vom Focus. Seine Story »Tatort Gehirn – Warum Menschen zu Verbrechern werden« (Oktober 2007) wird von der Fachwelt über alle Maßen geschätzt. Markwort sagt in seiner üblichen Bescheidenheit:

Die Aufklärung der Genfamilie im Stirnhirn stellt eine Sternstunde der Wissenschaft dar.

Vorab wollen wir mit dem Focus einen Blick in die Geschichte der Gehirnforschung werfen.

Die moderne Gehirnforschung hat 1948 mit Cesare Lombroso, dem ersten Profiler der Kriminalgeschichte, begonnen. Lombroso war der Meinung, dass sich Übeltäter durch ihr Äußeres verraten, etwa durch eine Hakennase, dunkle Haut oder vorstehende Kieferknochen.

Damit ließ sich der Täterkreis auf Juden, Schwarze und Slawen eingrenzen. Ich will mich in den Streit, ob in Deutschland die Nase vor Lombroso entdeckt wurde, nicht einmischen. Die neue Gehirnforschung bestätigt, dass Kriminalität sich vererbt, sie stellt aber auch fest, dass sie den Tätern nicht immer ins Gesicht geschrieben ist.

Das Stirnhirn, das Gebiet hinter den Augen, beherbergt wichtige Schaltkreise für das soziale Miteinander. Zum Beispiel verhindern sie, dass ein emotionaler Impuls gleich in die Tat umgesetzt wird.

Ich habe eine leicht fliehende Stirn. Mir fehlen da ein paar Schaltkreise. Kann ich jemanden nicht leiden, hau’ ich zu. Dafür kann ich nichts. Neurobiologisch muss ich emotionale Impulse sofort in die Tat umsetzen, was im Alter immer problematischer wird. Die Selbstkontrolle kommt also nicht von Zivilisation, Humanismus und Anstand, sondern von Schaltkreisen hinter den Augen. Hast du genug davon, steckst du Misshandlungen in der Kindheit ganz gut weg,

besitzt jemand die Schwach-Variante der Kompensations-Gene, wird er mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent als Erwachsener gewalttätig.

Alle Untersuchungen, dass Kinder, die oft geschlagen wurden, später schwer Kontakt herstellen können, sind obsolet. Sie haben schwache Kompensations-Gene, wie die Männer der SA und der SS. Dass die immer schlagen und morden mussten, darf ihnen keiner übel nehmen, denn

für gut und böse, solche religiösen Interpretationen, ist heute kein Platz mehr. Stattdessen gestatten Genomanalysen und der Einsatz von hoch auflösenden Hirnscannern tiefe Einblicke, wie das Verhalten des Menschen aus dem Ruder laufen kann.

Heute weiß ich: Ich laufe aus dem Ruder,

weil die Gene die Erregbarkeit der Neuronen beeinflusst haben und jene Gehirnzentren veränderten, die mit der Kontrolle des menschlichen Sozialverhaltens und seines Gefühlslebens beschäftigt sind.

Die Neuronen entscheiden sich entweder dafür, dass du verrückt spielst, oder, dass du pünktlich bist, schließen aber das Streben nach Autonomie oder Kommunismus aus.

Die Schaltkreise im Gehirn warten darauf, mit Regeln gefüttert zu werden. Läuft alles glatt, erlernt der Homo sapiens etwa, dass er fremdes Eigentum zu respektieren hat.

Das ist verblüffend! Wenn alles glatt läuft, lehnt das Gehirn Gemeineigentum ab und wählt FDP. Ob Spartakisten die Sklaverei abschaffen wollten, Thomas Müntzer freies Land und Jagdrecht wollte, Karl Marx die Überwindung der Klassengesellschaft, alle hatten einen Dachschaden.

Der Anfang dieser Erkenntnis hat ein Datum: Der 13. September 1948, als ein haarsträubender Unfall einen verlässlichen Vorarbeiter in einen launischen und von seinen Trieben gesteuerten Menschen verwandelte.

Ein Mann aus Thüringen

verlegte Sprengladungen für eine Eisenbahntrasse.

Als er für einen Moment nicht aufpasste,

ging eine Ladung unkontrolliert hoch

und jagte ihm eine Eisenstange durch den Kopf.

Das Projektil zerstörte den Oberkiefer,

das linke Auge,

schob sich durch das Stirnhirn

und landete 20 Meter weiter auf dem Boden. Was soll ich sagen: Der halbe Kopf ist weg, und er will Revolution

und flucht auf abscheuliche Weise.

Man forschte weiter und fand heraus:

Ein zweiter wichtiger Formenkreis von kriminellem Fehlverhalten geht auf ein Gebiet in der Hirnmitte zurück. Es heißt limbisches System und wird dann aktiv,

wenn es um die Kollektivierung der Landwirtschaft geht. Aber nicht nur. Kommunisten, Humanisten, alle, die sich solidarisch verhalten,

haben Schäden im limbischen System, insbesondere dessen als Amygdala bezeichneten Teils.

Dieser Teil sitzt über dem Stammhirn, aber noch unter dem Großhirn. Herausgefunden hat das der Psychiater Bernhard Bogarts von der Universität Magdeburg. Fast zufällig. Er wühlte im Auftrag der Regierung im Gehirn von Ulrike Meinhof herum und fand schwere Schäden im limbischen System.

Die Verstümmelung rührte von einer Tumor­operation her, der sich die ehemalige Journalistin Ulrike Meinhof im Jahr 1962 unterzogen hatte. Die Geschwulst war schwer zugänglich und konnte nicht entfernt werden, so begnügten sich die Ärzte damit, sie abzuschnüren.

Da erkannte der Psychiater:

Ihr Gefühlshaushalt befindet sich nicht im Gleichgewicht. Dies kann bei limbisch geschädigten Patienten Gewalttaten auslösen.

Außerdem erinnerte er sich an Versuche mit Horrorfilmen.

Betrachteten zum Beispiel Gesunde einen Horrorfilm, so feuern die dort gelegenen Neuronen sehr stark. Patienten dagegen mit einer Schädigung des limbischen Gefühlszentrums lassen die schlimmsten Szenen nicht nur äußerlich kalt, auch auf Hirnebene rührt sich nichts.

Meinhof reagierte nicht auf Horrorfilme. Quatsch! Die war ja tot. Professor Bogarts liest nur in toter Gehirnmasse, wie Schamanen in Tierkadavern. Das macht er aber sehr gewissenhaft, denn als sein Assistent ihm zuflüsterte, Ulrike Meinhof habe sich aber für benachteiligte Kinder eingesetzt, nahm er das Gehirn wieder aus dem Glas und sah:

Erst in den Jahren nach dem Abschnüren der Geschwulst kam es zu einer Persönlichkeitsveränderung mit aggressiv-gewalttätigen Zügen, die ihrem früheren Wesen fremd waren.

Woher er das weiß? Schamanen verraten ihr Geheimwissen nie, sonst verliert der Hokuspokus seinen Zauber. Danach guckte er noch schnell in die Gehirne von Andreas Baader und Gudrun Ensslin und stellte fest:

Bei beiden ist auf dem Bild statt des Stirnhirns ein riesiger Fleck zu sehen.

Dann kam sein Assistent und bedauerte zutiefst, ihm falsche Gehirne hingestellt zu haben, welche von Alligatoren, bei denen hinter den Augen ja nichts sei. Kann jedem passieren, sagte der Professor, holte die Original-Hirne aus dem Glas und … fand nichts. Was nicht sein konnte. Also beguckte man Fotos von den beiden, und siehe da:

Sie haben denselben starren Blick

bei ihrer Verhaftung! Endlich konnte der Focus jene Frage stellen, die er ohne Hirnforschung auch gestellt hätte:

War das Gehirn des Terrors also nicht revolutionär, sondern krank? Aber es tröstet niemanden, wenn Wissenschaftler erklären, ein Tumor hätte das Blutvergießen verschuldet.

Natürlich tröstet es niemanden, wenn Forscher entdecken, dass zwölf Millionen Mitglieder der NSDAP, der SA und der SS, dazu Soldaten der Wehr­macht, Richter, Lehrer, Polizisten, Industrielle und jubelnde Massen Tumore im limbischen System hatten. Gut, bei denen hat man nie geforscht. Man will ja abweichendes Verhalten erklären und nicht normales! Immerhin weiß man jetzt: Wer für soziale Befreiung kämpft, ist krank, wer Europa und die halbe Welt in ein Massengrab verwandelt, kann nichts dafür. Es muss aber kein Tumor sein. Das Medikament Paxil bewirkt dasselbe,

weil es den Spiegel des Glückshormons Serotonin erhöht. Das hatte bei Testpersonen Bewegungsunruhe ausgelöst, welche das Risiko für Gewalttaten erhöht.

Bewegungsunruhe, die von viel Serotonin kommt, erhöht die Gewaltbereitschaft! Wer macht keinen Bogen um Nordic-Walker, die bewegungsunruhig mit ihren Stangen klappern? Nun habe ich eine Überraschung für euch! Eben schuf viel Serotonin Gewalt, zwei Absätze weiter schreibt der Focus:

Forscher nehmen an, dass zu wenig Serotonin die Neigung zu aggressivem Verhalten in einem komplizierten Regelprozess steigert, den sie im Einzelnen noch nicht verstanden haben.

Ich habe das verstanden! Sonnenlicht produziert Serotonin. In Afrika gibt es viel Sonne, viel Serotonin und Gewalt. In Deutschland gibt es wenig Sonne, wenig Serotonin und Gewalt. Also muss sowohl viel als auch wenig Serotonin Gewalt erzeugen. Ich habe meine Erkenntnisse der Hirnforschung kostenlos zur Verfügung gestellt und kann mich vor Dankesschreiben nicht retten. Wichtig ist:

Der Mensch ist in seinen Handlungen nicht frei. Wir sind nicht autonome Urheber unseres Wollens. Der Mensch ist schuldunfähig wie ein einsichtsloses Tier. Weder der, der sich anständig verhält, noch der, der sich übel verhält, ist an seinen Taten schuld!

Zufall oder nicht: Der Freispruch trifft vor allem Männer, denn Massaker, Totschlag und sexueller Missbrauch gehen zu 99 Prozent auf das Konto der Männer, was mit Programmierung und nichts mit Macht-Sozialisation zu tun haben soll … Fazit: Die deutsche Gehirnforschung hat nach einer langen Durststrecke wieder das Niveau von 1938 erreicht. Schon damals hatte der Max-Planck-Biologe Konrad Lorenz, der mit den Graugänsen, erkannt:

Der Geist ist nicht frei, sondern gekettet an ein ererbtes Instinkt-Programm.

Dann trat er der NSDAP bei und verlangte

einen Rassenpfleger, der auf eine schärfere Ausmerzung ethisch Minderwertiger bedacht ist.

Das tut Angela Merkel nicht. Aber sie bewundert den Hirnforscher Wolf Singer, den sie als Festredner zu ihrem 50. Geburtstag einlud, mit der Bitte, er solle den 100 hochrangigen Gästen mal den neuesten Stand der Gehirnforschung erläutern, was der Professor auch tat:

Der Mensch ist durch chemische Prozesse in der Entscheidung zwischen Gut und Böse festgelegt. Der Mensch verfügt nicht über einen freien Willen, in Wirklichkeit wird er von Neuronen gesteuert.

Deutschlands Elite jubelte vor Begeisterung, als sie hörte, dass nicht Deutsche, sondern Neuronen den Völkermord verübt hatten! Die Antwort auf die spannende Frage, warum die Neuronen sich damals gerade so und nicht anders entschieden hatten, blieb Professor Singer schuldig. Doch kein Problem! Ihr findet die Antwort im Asterix-Band 14, »Der Seher«, wo dieser nicht in Gehirnen liest, sondern aus verständlichen Gründen in gegartem Wildschwein, in Fisch, Ente, Huhn, Kuchen und frisch gezapfter Cervesia.

Hypnotische Reinkarnationstherapie

Wie wir wissen, greift die Psychoanalyse zu kurz, weil ihre Rückführung bei der Geburt stehen bleibt. Wer weiter kommen will, muss sich in einen Seinszustand vorwagen, der sich phänomenologisch als »früheres Leben« bezeichnen ließe. Zumal dort die meisten traumatischen Erlebnisse verborgen sind. Ich bin Schüler von Thorwald Dethlefsen und werde anhand seiner Methode »Heilung durch Reinkarnation, das Erlebnis der Wiedergeburt« sowohl die Heilkraft als auch die erlebbare Reinkarnation beweisen. Vorher muss ich Sie mit einigen Prämissen vertraut machen.

Dass wir Wiedergeborene sind, daran haben die Menschen schon immer geglaubt. Auch große Philosophen,

sagt Thorwald Dethlefsen, und Evolution

ist geplante Höherentwicklung. Ein Gesetz, das im Universum wirksam ist und die ganze Schöpfung umschließt. Der Mensch besitzt nur eine Freiheit, zu glauben, er sei frei.

Klingt zynisch, aber der Mensch ist eine Marionette der kosmischen Vorsehung

und hat sich zu bemühen, eine nützliche Zelle zu sein, so wie er es von seinen Körperzellen erwartet, damit er nicht zum Krebsgeschwür dieser Welt wird. Verlässt er die Ordnung, um seine Freiheit auszukosten, soll er sich nicht wundern, wenn er eliminiert wird.

Klingt hart, aber der nach Freiheit strebende Mensch verdient den Tod, während der Untertan das Licht der Welt und der Mörder Vollstrecker des kosmischen Willens ist. Nach dem Buddhismus, sagt mein Meister, schafft jeder im Leben die Basis für das nächste. Im Umkehrschluss: Leidest du Qualen, musst du im früheren Leben gesündigt haben. Ob ermordete Juden, verhungernde Kinder in Afrika oder geschlitzte Inder in Mügeln:

Schuld ist immer nur der Leidende selbst!

Diese Erkenntnis kam ihm nach dem Studium der Anne-Frank-Tagebücher. Der Star-Esoteriker und Hypnoseforscher Erhard Freitag, bekannt durch die Bestseller »Kraftzentrale Unterbewusstsein« oder »Heilende Gedanken«, sagte:

Das jüdische Volk hatte in den Gaskammern des Dritten Reiches Vergehen aus früheren Leben zu büßen!

Der Esoterik-Therapeut Phil Laut, Bestseller: »Money Is My Friend«, fügt als Beweis an:

Hätten die sechs Millionen Juden wirklich entkommen wollen, wäre es ihnen auch geglückt.

Klingt zynisch, sagt Thorwald Dethlefsen,

ist aber die unbequeme Wahrheit für alle, die die Schuld für ihr Schicksal nach außen projizieren, um die Verantwortung abzuschieben.

Überhaupt: Die Unterscheidung in Opfer und Täter ist naturwidrig, weil der Kosmos keine Moral kennt.

Es gibt kein gut oder böse. Der Kosmos wertet nicht. Er sorgt dafür, dass die Evolution störungsfrei verläuft.

Stört jemand die Höherentwicklung, wird er ausgemerzt. Das ist nicht weiter schlimm, weil die Toten sowieso reinkarnieren und bei jeder Hinrichtung dazulernen, denn du musst dir so oder so deiner Inkarnationen bewusst werden.

Im Buddhismus gibt es eine Stufe der Entwicklung, die der Mensch nur dann erreichen kann, wenn er bewusst alle seine Inkarnationen überblickt.

So weit sind wir noch lange nicht. So weit ist nicht mal der Dalai Lama, der wegen seiner Unvollkommenheit immer wieder auf die Erde zurück muss. Auf Tennis-Anlagen, in Stadien, zum pausenlosen Grinsen und Kichern verdammt. Zur Strafe dafür, dass er in früheren Leben Mist gebaut hat. Kommen wir nun zur Reinkarnations-Therapie.

Wenn jemand 1493 in einem Haus verbrannt ist, so ist es ihm auch jetzt noch unmöglich, Feuer emotionslos und vorurteilsfrei zu betrachten. Jedes Feuer restimuliert in seinem Unbewussten seine 500 Jahre alten Ängste.

In meiner Kindheit brannte nach jedem Gewitter ein verschuldeter Bauernhof. Während der Bauer mit dem Polizisten über die Regulierung des Schadens sprach, schrieen die Schweine in den Stallungen markerschütternd. Warum? Der Bauer war in seinen früheren Leben nie verbrannt, die Schweine erinnerten sich wohl an Brände im Dreißigjährigen Krieg. Aber, man ließ sie noch sterben. Das ist heute gar nicht mehr so leicht, meint Thorwald Dethlefsen.

Unsere Zeit und Kultur haben einen Fanatismus entwickelt, Menschen am Leben zu erhalten. Der Mensch hat kaum noch die Möglichkeit, sich vor Wiederbelebungs-Experimenten zu schützen.

Sie denken an die Kosten des Gesundheitssystems. Nein, jede Wiederbelebung stört die Reinkarnation.

Man mache nicht den Fehler, einen Sterbenden zurückzurufen, da man hierdurch das Überwechseln erschweren könnte.

Außerdem ist der Tod etwas Schönes. Das werde ich jetzt beweisen. Thomas hat sich mit der hypnotischen Rückführung einverstanden erklärt, auch mit der wörtlichen Wiedergabe von Antworten aus Hypnoseprotokollen meines Meisters … Ich bitte um Ruhe.

Du bist entspannt, du schläfst ein, du gehst weit zurück und fühlst dich unwohl, du bekommst Angst und bist, damit die Geschichte nicht langweilig ist, eine Frau, die in ihrem früheren Leben ermordet wird. Was siehst du?

Ich sehe ihn. Er hat etwas Schreckliches mit mir vor … 

Was?

Er hat einen schweren Gegenstand in der Hand. Es geht ganz schnell. Er schlägt zu und trifft mich am Kopf … 

Weiter!

 … voll Blut verschmiert. Ich seh’ nicht gut aus, das ganze Gesicht voll Blut, der Kopf ist offen … 

Weiter!

Ich sehe meinen Körper da liegen. Er entfernt sich immer weiter.

Er stirbt! … Spürst du jetzt Erleichterung?

Ja, es ist schön. Plötzlich wird alles leicht … 

Möchtest du für immer tot sein?

Ja! Aber es geht nicht. Da kommt jemand angelaufen … 

Vermutlich ein fanatischer Anhänger des Lebens.

Das Blut stoppen, sagt er … einen großen Wickel um den Kopf … er stoppt das Blut … 

Bist du wieder im Leben?

Ja, im Hospital! Ich kriege Tabletten. Kopfschmerzen! Schläuche! Immer wieder Tabletten … 

Die Apparatemedizin! Fühlst du dich so etwa wohl?

Nein, es ist schrecklich. Aber ich weiß, dass ich jetzt leben muss. Ich muss noch mehr lernen.

Ah! Du hast Fehler gemacht, für die du büßen sollst?

Ja, ich hätte meinen Mann akzeptieren müssen … 

Diesen Fehler machen viele Frauen!

Und ich hätte mein Kind nicht abtreiben dürfen.

Zur Strafe darf er nicht sterben! Wach auf! Der Kosmos kennt bei Juden keine Moral, nur bei Abtreibungen und wenn Frauen dem Manne nicht zu Diensten sind. Der Kosmos lehnt lebenserhaltende Maßnahmen ab, setzt aber die Apparatemedizin für lebensverlängernde Maßnahmen ein. Der Kosmos lässt Juden zur Strafe sterben und Thomas zur Strafe leben. Der Kosmos weiß nicht, wo ihm der Kopf steht … Aber, fühlst du dich jetzt wenigstens besser?

Ja, wenn einem ein Ereignis bewusst ist, fühlt man sich erleichtert und hat keine Beschwerden mehr. Es ist wie die Geburt eines Kindes.

Übertreib’ nicht! … Du schläfst wieder ein! Wir gehen jetzt weit zurück. Bis in einen Stall in Bethlehem. Darüber leuchtet ein Stern, und du erlebst deine Geburt.

Ich will drin bleiben, aber ich muss raus. Ich werde gepresst. Ich sehe Licht.

Er erblickt das Licht der Welt!

Ich hab’ wieder eine Mutter!

Und was für eine! … Wie groß bist du?

Hoho – ganz klein. Kann ich nicht sagen.

Magst du deine Mutter?

Ja, sie kommt mir so bekannt vor.

Nein! Die Marienbildnisse sind später! Wie fühlst du dich?

Ich fühle Wärme – den Frieden. Man legt mich in eine – ich weiß nicht, wie man das nennt – eine … ?

Eine Krippe! Das könnte er auf keinen Fall wissen, wenn er’s nicht persönlich erlebt hätte. Wo befindet sich der Stall?

Im heiligen Land. Es ist heiß. Es ist Wüste.

Bethlehem! Warum ist das Land heilig?

Weil Gott mit uns redet. Heilige Könige … 

Danke. Ja, meine Damen und Herren, entweder war er mal Jesus oder er erinnert sich an den Film »Das Leben des Brian«, wo die drei Könige sich aber im Stall geirrt hatten.

Meine Mutter, sie ist schön, sie hat dunkles Haar … 

Kleopatra?

Sie geht mit mir zum Fenster. Der Zar! Was ist nur mit ihm?

Nicht Kleopatra! Bist du Anastasia, die Tochter des Zaren?

Ich darf nicht darüber reden!

Schade!

Ein Komplott! Mein Vater, der Großfürst, stirbt durch den Giftbecher.

Wer war der Mörder?

Ein Marschall, ich konnte ihn nie leiden.

Er erinnert sich nie an Namen! Wann wurdest du geboren?

1851.

Und wie alt bist du?

12.

Dann haben wir 1863. Da war kein Mord an einem Großfürsten! Konzentrier’ dich mal!

Ich will nicht nach Petersburg … so kalt da … so viel Schnee … Mein Vater spricht Dinge, die man in Büchern lesen kann … 

Dein Vater lebt nicht mehr! Wach auf! Du brauchst ’ne Pause! … Die Naturwissenschaften äußern immer wieder Zweifel an dieser sicheren Methode. Die sollten lieber mit meinen Erkenntnissen weiterforschen. Zum Beispiel: Egal, wohin ich mit ihm gehe – Rom, Ägypten, Russland –, überall wurde zu jeder Zeit Deutsch gesprochen! Ist doch spannend!

… Du schläfst ein. Wir gehen zurück ins alte Rom. Wo lebst du?

Ich weiß nicht, wie das heißt, da sind große Häuser … 

Also Rom! Wie fühlst du dich?

Ich habe Angst, sie werden mich umbringen!

Schon wieder! Warum?

Weil Christenverfolgung ist. Sie werden alle ermordet!

Von wem?

Hm – sind Legionäre!

Wie bitte? Lauter!

Legionäre! Die verfolgen uns! … Oh, zwischen den Hügeln … Dort werden alle gekreuzigt … und es wird Krieg geben … 

Wer gegen wen?

Krieg gegen diese – ach, ich habe Angst!

Ihm ist nie zu entlocken, wer gegen wen Krieg führt.

Da sind Gesichter … fremde Gesichter … Diese Schrift kann man nicht lesen … am Kreuz … 

Schriften kann er auch nie lesen!

Christus, ich komme … sei es, wie es sei, ich weiß, dass ich sterben muss … 

Es geht los!

Sie binden uns ans Kreuz mit Stricken und zünden ein Feuer an! Ich habe Angst!

Du spürst nichts und wirst uns erzählen, wie du verbrennst!

Das Holz brennt, bis der Himmel sich rot färbt. Wir verbrennen alle. Aber es macht mir nichts mehr aus, weil … 

Weil was?

Ich gehe weg von mir … immer weiter weg … Es ist schön. Jetzt bin ich echt und rein – es tut nichts mehr weh … 

Siehst du noch was?

Ich fliege in Sphären … ich sehe unsere Körper – alle!

Wieso? Ihr seid doch verbrannt!

Manchmal sind die Erzählungen ungenau. Bewusstsein ist ja ein ewig fließender Strom, der immer wieder in Körper schlüpft. Nach vielen Inkarnationen gibt es Reibungsverluste, und das Erinnerungsvermögen lässt nach.

… Fühlst du dich erleichtert?

Es ist völlig gleichgültig, wie grauenhaft das Ereignis ist, wenn ich es weiß, hat es keine Wirkung mehr auf mich.

Er hatte gewaltige Angstzustände, mochte das Haus nicht mehr verlassen, fürchtete sich vor Menschen,

das Kämmen machte mir Schwierigkeiten, da ich die Mitte nicht fand – die Mitte meines Lebens … 

Diese Probleme sind geblieben, aber er hat keine Angst mehr vor Kreuzigungen. Wer meint: Angst vor Kreuzigungen hatte er doch vorher auch nicht! Dem kann ich nur sagen: Woher wollen Sie das wissen? Sie glauben wohl, Sie wissen alles! Meinen Sie nicht, dass es Dinge gibt zwischen Himmel und Erde, die man nicht erklären kann? Ich kann mir jedenfalls vieles nicht erklären; deshalb bin ich auch nicht so ignorant wie Sie!


Bei allen kursivierten Passagen handelt es sich um Zitate bzw. O-Töne.


Die beiden Stücke »Moderne Gehirnforschung« und »Hypnotische Reinkarnationstherapie« entstammen dem neuen Bühnenprogramm von Thomas Ebermann und Rainer Trampert und werden hier erstmalig gedruckt. Ab März sind die beiden letzten linken Kabarettisten mit ihrem Programm »Bitteres Vergnügen« auf Deutschland-Tournee. Erste Tourneedaten stehen bereits fest: 13. März, Leipzig, Conne Island; 26. März, Berlin, Festsaal Kreuzberg.

Weitere Auftrittsorte und -termine erfahren Sie demnächst in dieser Zeitung.

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