280

280

Geht es um die Verteilung politischer Macht, scheint sich Ägyptens Präsident Muhammad Husni Mubarak nicht auf den wankelmütigen Willen der Bevölkerung verlassen zu wollen, wie die Vorbereitungen für die Kommunalwahlen am 8. April in den vergangenen Wochen gezeigt haben.

Vor allem die radikal islamische Muslimbruderschaft, mit knapp einem Fünftel der Sitze im Parlament die stärkste oppositionelle Gruppierung, ist ihm ein Dorn im Auge. Seit Anfang Februar wurden wenigstens 280 Mitglieder der Bruderschaft verhaftet und mehrere von den Behörden an einer Kandidatur gehindert. Die Muslimbruderschaft wurde in den fünfziger Jahren mit dem fehlgeschlagenen Attentat auf den damaligen Präsidenten Gamal Abdel Nasser in Verbindung gebracht und daraufhin verboten. Geeint durch den Slogan »Islam ist die Lösung«, treten ihre Mitglieder seit 1954 als unabhängige Kandidaten zur Wahl an.

Die Muslimbruderschaft bemüht sich jedoch um ein gemäßigtes Image, weil sie derzeit ein Bündnis mit säkularen Oppositionsgruppen anstrebt. Unter den knapp 40 000 Kandidaten der Organisation befinden sich neben koptischen Christen mittlerweile auch einige Frauen. Und auch der lang tradierte Leitspruch ist nicht mehr allbestimmende Programmatik. »Gegenwärtig versuchen wir weitere Slogans hinzuzufügen, vornehmlich gegen Korruption«, so der Vize der MB Mohamed Habib kürzlich in einem Interview.

Mubaraks National Democratic Party steckt derweil in der Krise. Im Schatten des Konflikts zwischen der Partei des Präsidenten und den Muslimbrüdern organisierten die Parteien der säkularen Opposition eine gemeinsame Mobilisierungskampagne. Eine ähnliche, gemeinsam finanzierte Liste der Opposition hatte es bereits während der Parlamentswahlen 2005 gegeben. Damals noch mit Beteiligung der Muslimbruderschaft. Nach Gerüchten um eine erneute Koalition mit der Bruderschaft, schloss die liberale Wafd-Partei eine solche Zusammenarbeit jedoch aus. lb

Machen Sie uns bekannt! Werben Sie für uns mit einem unserer Jungle-World-Banner.