Keine Angst!
Der letzte linke Student von Jörg Sundermeier
Der letzte linke Student ist traurig. Traurig ist er, denn die Revolution findet mal wieder nicht statt. Nun findet die Revolution ja eigentlich nie statt. Allerdings: nicht immer ist die Situation für die Revolution gut. Eben aber: war die Situation für die Revolution gut. Es war beinahe: eine revolutionäre Situation.
Denn: die Konservativen waren aufgebracht. Ja: die Konservativen wollen das Studentenparlament in die Knie zwingen. Mehr noch: sie wollten das Studentenparlament zwingen, den Mund zu halten. Der letzte linke Student hatte nämlich geschrieben: »Die Konservativen müssen gestoppt werden!« Und er hatte auch geschrieben: »Die Ansinnen der Konservativen sind unredlich!« Allerdings: das hatte der letzte linke Student nicht in sein besonderes Notizbuch geschrieben. Vielmehr hat der letzte linke Student diese Analyse in der Studentenzeitung geschrieben. Und nun: fordern die Konservativen, dass er das zurücknimmt. Und: schweigt. Denn sonst: holen sie den Rechtsanwalt.
Der letzte linke Student denkt: das ist eine gute Gelegenheit für Agitation. Und Agitation: ist das Eisen, aus dem der Motor der Revolution geschmiedet wird! Also: hat er vor dem Studentenparlament agitiert. Ja: er hat sogar ziemlich gut agitiert. Doch: das Studentenparlament hat gegen ihn gestimmt. Und für: das Schweigen. Warum? Weil Rechtsanwalt. Und Rechtsanwalt? Hat Recht. Und Recht? Macht Angst. Und Angst: lähmt. Und Lähmung: macht die Revolution kaputt. So wie diese Revolution jetzt: kaputt ist. Stattdessen: herrscht Schweigen. Und Schweigen: ist wie Einverständnis, nur schlimmer. Daher ist der letzte linke Student traurig. Denn das Recht macht alles kaputt. Und auch wir sollten uns endlich fragen, warum Recht nicht recht ist!



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