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Heiko Werning, Bente Varlemann, Volker Surmann und Michael-André Werner: Geschichten über Sex

Gekeuche und Geruckel

Zuweilen funktioniert der Vollzug des Beischlafs nicht so gut, wie man sich das vorgestellt hat. Mehr oder weniger wilde Sexgeschichte

von Heiko Werning, Bente Varlemann, Volker Surmann und Michael-André Werner

Entfesselte Leidenschaft

Es gibt ja so Abende, da läuft’s einfach. Ich weiß nicht, was sie an mir gefunden hatte, und ehrlich gesagt war mir auch nicht ganz klar, was ich an ihr und wie wir uns gefunden hatten, aber jetzt war es halt so, wir saßen im Taxi, und da der Wedding erheblich näher an eben jenem seltsamen Kleinkunstclubkeller als Karlshorst lag, waren wir nun also auf dem Weg zu mir. Eigentlich habe ich in solchen Situationen immer Wert darauf gelegt, genau das zu vermeiden, denn meine Wohnung ist, nun ja, nicht wirk­lich, sagen wir: affärenkompatibel. Bei echten Liebschaften – kein Problem. Im Gegenteil: Ein zuverlässiger Indikator, ob es sich lohnen könnte, sich überhaupt näher auf eine Frau einzulas­sen, war eigentlich immer ihre Reaktion auf meine Wohnung. Wer da schon komisch guckte, irgendwas murmelte in Richtung »hier müss­te man aber mal richtig durchputzen« oder gar ein wenig quiekte, wenn sie auf meine Leguane stieß, die ich in durchaus ansehnlicher Zahl dort pflege, konnte zuverlässig als untauglich sofort wieder entsorgt werden. Wie über­haupt mal eine Wahrheit festgehalten werden muss: Frauen, die sich vor Kriech- und Krabbeltieren ekeln, sind schlecht im Bett. So. Sagt ja sonst keiner.

Apropos Bett, dann mal weiter in eben dieser Geschichte. Die Ausgangslage war also klar, Karlshorst wirklich indiskutabel, und an den Echsen konnte ich sie leicht vorbeischleusen. Die­se Bekanntschaft hatte ohnehin längst einen Stand erreicht, der ausschloss, dass wir zunächst eine Wohnungsbesichtigung durchführen muss­ten. Denn wenn schon in der Kneipe die Knutscherei mit eifrig unter den Textilien grabbelnden Händen endet, ist der Weg nach der Ankunft doch vorbestimmt. Vermutlich gibt es eine Art DIN für diese Fälle. Wohnungstür aufschließen, noch beim Zudrücken wildes Küs­sen, und mindestens ein paar Kleidungsstücke müssen bereits hier ungeordnet zu Fall gebracht werden, sonst gilt es nicht. Wir beschränkten uns auf die Jacken, ihren Pullover und meinen Gürtel, dann quiekte sie plötzlich auf, und zwar genau so, als hätte eine doofe Frau einen meiner Leguane gesehen. Ich kenne die diversen Varianten des Doofe-Frau-sieht-tolles-Tier-Quiekens ziemlich gut. Ich hoffte inständig, dass mir keiner meiner Pfleglinge am Nachmittag bei der Fütterung entwischt war und jetzt auf ein spon­tanes Sonnenbad unter der gerade aufgegangenen Lampe im Flur hoffte. Ich ließ also von ihr, guckte prüfend, was los sein könnte, da quiekte sie noch mal und deutete auf etwas sehr Kleines, Flatterndes, ah, jetzt konnte ich es erkennen – eine Motte. Eine Motte! Sie quiekte wegen einer Motte. Damit war ja immerhin schon mal geklärt, dass dies hier maximal ein One-Night-Stand würde, vielleicht reichten ja auch ein paar Stunden, machte ich mir Mut, die S-Bahnen nach Karlshorst fahren schließlich die ganze Nacht.

»Ih, eine Motte!« unterstrich sie ihre Disquali­fizierung. Nun ist es so: Motten sind mir schnurz. Es ist schön, dass es sie gibt, aber ich habe kein besonderes Interesse an ihnen. Und Kleidermot­ten finde ich lästig. Aber auch nicht so lästig, dass ich großen Ehrgeiz aufbrächte, sie loszuwerden, was zu einer recht stabilen Kleidermot­tenpopulation in meiner Wohnung geführt hat. Nun trage ich eigentlich gar keine Kleidung, die für Kleidermotten von Interesse sein könnte, die haben ja einen recht speziellen Geschmack. Woher die gerade recht florierende Population also ihre Nahrungsgrundlage bezog, war mir völlig unklar, aber auch egal. Sie flatterten halt nachts hier und dort rum, ich machte immer schnapp mit der Faust, wenn mir eine zu nahe kam, mehr hatten wir nicht miteinander zu tun, die Motten und ich. So machte ich auch jetzt schnapp, und das Mottenproblem war gelöst. Und sie ließ im nächsten Moment ihren BH von sich abtropfen, die Sache hatte also keine negativen Auswirkungen auf die weitere Abendgestaltung, ich war zufrieden. Allerdings leitete ich sie jetzt doch schnurstracks ins Schlafzimmer, um ein Zusammentreffen mit weiteren Tieren zu vermeiden.

Dort angekommen, zog sie sich zu meiner Überraschung umstandslos komplett aus. Damit hatte ich nun nicht gerechnet, also, im Ergebnis schon, aber die DIN-Vorschriften für solche Nächte verlangen ja doch eher nach gegensei­tigem Entkleiden während leidenschaftlichem oder zumindest leidenschaftlich gespieltem Geknutsche, einfaches Ausziehen ist ja eher was für fest Liierte, die keine Zeit mehr mit sinn­losem Drumrum verlieren wollen, weil sie danach noch die Spülmaschine ausräumen müssen. Darum ging es aber nicht, wie sich im nächs­ten Moment zeigte. Sie forderte mich auf: »Los! Verbind’ mir die Augen!« Also – so schlimm sah es in meinem Zimmer nun auch wieder nicht aus. Aber ehe ich weiter darüber nachden­ken konnte, präzisierte sie: »Los! Verbind’ mir die Augen und fessle mich!« Hupps! Na, das ging ja ordentlich zur Sache hier. Das steht aber auch nicht in der Erste-Nacht-Verordnung, aber ande­rerseits, hey – das hier ist Berlin, da hat man nicht einfach nur Sex, wenn man abends mal wen abschleppt, wir sind hier ja schließlich nicht in Braunschweig oder Heidelberg, nein, hier ist Szene, hier ist hip, hier ist postmodern, hier ist halt Fesseln und Augenverbinden zum Kennenlernen. Also gut, meinetwegen. Ich hatte schließlich schon irgendwelche merkwürdigen In-Cocktails vorhin getrunken, dann konnte ich jetzt auch gleich so weitermachen.

Einzig: Womit die Augen verbinden? Woran fesseln? Ich wollte nun auch nicht zu mauerblümchenmäßig dastehen, ›also klar, Fesseln, wo habe ich sie nur gleich hingeräumt, die Fesseln, ähm‹ – da! In einer Ecke lag noch auf einem kleinen Wäschehäufchen dieser Schal, den meine Mutter mir zu Weihnachten gestrickt hatte und den man beim besten Willen nicht tragen kann, ohne sich vollständig lächerlich zu machen. Den schon mal fix über die Augen gebunden, dann konnte ich mich immer noch in Ruhe nach Fesseln umsehen. Ohne zu zögern schnappte ich mir also den Schal, nahm die mir hier ja offenkundig zugedachte Rolle als dominanter Kerl an, fast grob presste ich das Teil vor ihr Gesicht, zog kräftig an und machte zwei feste Knoten. Sie stöhnte lustvoll auf. Oha. Na, das konnte ja heiter werden. So, sie jetzt erst mal aufs Bett gestoßen, ein bisschen ruppiger als nötig, sie stöhnte erneut, dann hauchte sie: »Fessle mich! Los, bitte, fessle mich!« Aber womit denn, verdammt. »Ruhe!« herrschte ich sie an und traf damit offenbar genau den Ton, der hier erwartet wurde, sie wand sich vor Wonne, während ich mich fieberhaft umsah. Na ja, nicht besonders erotisch, aber was soll’s, sie sah es ja nicht, also nahm ich ein paar dieser ko­mischen karierten Spültücher, das würde schon gehen. Die Dinger fix um ihre Handgelenke gebunden, dann um den Rahmen vom Lattenrost, na also. So lag sie nun da, in doch recht eindeutiger Pose, die sie durch ihre Beinpositionierung noch unterstrich, wand sich weiter dabei und hauchte: »Fick mich! Los, fick mich!« Also, ich weiß ja nicht. Das fand ich ja nun eher nicht so animierend, kurz überlegte ich, ob ich sie der Einfachheit halber nicht auch gleich knebeln sollte, ganz oder gar nicht, könnte ich dann sagen, aber Knutschen tät’s vielleicht ja auch, also los.

Es ging nun alles recht schnell seinen vorgezeichneten Gang, viele Möglichkeiten gibt es ohnehin nicht, zwei Körper sinnvoll auf einem Bett anzuordnen, von denen einer gefesselt auf dem Rücken und der andere nur mäßig gelenkig ist, wenn man dabei auch noch die Münder aufeinander pressen muss. Und wenn man einmal damit angefangen hat, macht es ja eigentlich meistens auch Spaß.

Wir waren also schon recht kräftig dabei, als mir plötzlich über allem Gekeuche und Geruckel eine sonderbare Bewegung aus den Augenwinkeln auffiel. Was war das denn? Einen Mo­­ment brauchte ich, um mich zu orientieren – sie interpretierte mein plötzliches Innehalten wohl als besonderen liebhaberischen Kniff und ohmmte ein wenig genießerisch – da, tatsächlich, da bewegte sich etwas. Und zwar irritierenderweise kurz vor ihrer Stirn, auf ihren Augen sozusagen, zweifelsfrei – eine Made, die sich in erhöhtem Madentempo vom geschätzten unteren Augenlid Richtung Nasenwurzel bewegte und unweigerlich auf die nicht textil­bedeckte Stirn zusteuerte. Einen kurzen Moment war ich fassungslos, dann schossen mir blitzschnell einige ungeordnete Gedanken­fetzen durch den Kopf, etwa so: Ach du Scheiße – was ist das denn? – oh, oh, das geht bestimmt nicht gut aus – wenn sie schon bei einer Motte … – und jetzt eine Made – sie darf auf keinen Fall was merken – verdammt … ihr Ohmmsen wurde schon etwas ungeduldiger, also bewegte ich mich ein bisschen, sie stöhnte auf, gut, jetzt konnte ich erst mal wieder innehalten und weiter nachdenken. Aber – au weia, ohne Frage, eine zweite Made krabbelte in Höhe ihrer rechten Schläfe und steuerte direkt auf ihre Haare zu. Was um Himmels Willen? … – Plötzlich wurde es mir schlagartig klar: Das sind keine Maden, das sind Raupen. Mottenbabys! – Der Wollschal! Da also war die Wiege meiner Kleidermottenpopulation. Mensch, da hätte ich wirklich schon mal eher drauf kommen können! Guck mal, da haben wir ein praktisches Problem schon wieder gelöst. Dann musste ich ja nur den ollen Schal wegwerfen, und schon wäre ich die Plagegeister los. Einerseits. Andererseits hielt sich meine Freude über diesen kleinen Teilerfolg auf dem immer währenden Hindernislauf des Lebens doch arg in Grenzen, denn ein anderes Problem war dadurch ganz offenkundig gerade erst entstanden: Wie kam ich schadlos aus dieser Geschichte hier heraus? Zumal Raupe Nr. 1 jetzt kurz vor ihrer Stirnpartie angekommen war, nicht auszudenken, wenn sie bemerken würde, dass das Tierchen dort anlandete. Es wirkte ziemlich hektisch, das kleine Kerlchen, in der ganz typischen Raupenmanier, bei der man diese kleine Welle durch den winzigen Körper laufen sieht, es hatte ein kleines, dunkel abgesetztes Köpfchen – ganz niedlich, eigentlich. Vielleicht noch drei Zentimeter. Ich konnte sie ja schlecht mit dem Finger wegschnipsen, das wäre dann doch eine Änderung der Bewegungsabläufe, die eher nicht mehr als kamasutrische Finesse durchgehen würde, zwei Zentimeter noch, einer, gleich betritt sie offene Stirn. Hör auf, Raupe, komm zurück, jetzt – verdammt. Es gab nur eine Möglichkeit. Die Raupe war un­mittelbar vor der Stirn, da schnappten meine Lippen zu. Insekten sollen ja gesund sein. Oh, da war schon der nächste Kriseneinsatz nötig, Raupe Nr. 2 schickte sich an, das unter dem Schal lugende Ohrläppchen zu betreten, da hilft nur die Zunge. Wie ein Chamäleon, das seine Beuteinsekten mit dieser langen Klebezunge ab­schießt, hinderte ich die Raupe an ihrem finalen Fehltritt, bugsierte sie direkt zu ihrem Kumpel in meinem Magen und bohrte zur Gesichtswahrung schnell noch meine Zunge in ihr Ohr, was sie mit einem leidenschaftlichen Seufzer quittierte – Glück gehabt, das kommt ja mal so und mal so an. Als ich damit fertig war und also dachte, dass es nun endlich ungestört weiter gehen könne, fielen mir Nr. 3 und 4 auf. Die eine hatte es in die Haare geschafft, die andere krabbelte bereits auf ihrem Kinn herum und war zum Glück offenbar noch nicht aufgefallen im Rausch der Sinne. Die ganze Sache weitete sich zusehends in so eine Ableck-Nummer aus. Ich schleckte und schnappte an allen Ecken und Enden, verdammt, wie viele von diesen Drecksviechern hatten sich denn da ein­genistet? Irgendwie musste ich die Sache jetzt allmählich mal zu Ende bringen, ich beschleunigte also auf allen Fronten. Sie schien meine zunehmend panisch-unkoordinierten Körperbewegungen als blanke Ekstase misszuverstehen und kam mit einem lauten Schrei. Dabei zuckte sie mit dem Kopf nach oben, verdammt, jetzt sah ich, dass unter ihrem Kopf bestimmt ein Dutzend Raupen panisch in alle Richtungen stob. Ich simulierte einen Orgasmus, als wür­de ich mich als Schauspieler in einem extrem schlech­ten Pornofilmchen verdingen, mit viel Gezucke, Geröchel und Gegrabbel, vor allem an, um und unter ihrem Kopf, wobei mein einzi­ges Interesse darin bestand, die blöden Raupen von der Matratze zu fegen. Gut, jetzt war keine mehr zu sehen, nun noch mit einem forschen Handgriff den Schal abgestreift und in die entlegendste Ecke des Zimmers gepfeffert – uff, ­geschafft.

Erleichtert, gelöst und erschöpft, wie selbst der beste echte Orgasmus es nicht hätte bewirken können, sank ich neben ihr nieder, löste ihre Fesseln und atmete tief durch. So lagen wir beide postkoital schweigend nebeneinander und dachten vermutlich sehr unterschiedliche Dinge.

Heiko Werning

Sex ist manchmal gar nicht so gut

Und dann liegt dieser Mann auf mir drauf, und er schnauft und schwitzt ein bisschen. Ich fahre mit der Hand über seine Schulter. Die ist naß und glänzt im dämmrigen Licht. Und ich spüre meinen Körper. Das ist so, als würde ich in einem riesigen Wattebausch stecken. Und ich fühl mich so leicht, und den Mann über mir, den merk ich kaum. Ich steck in einem Wattebausch-Körper, und der saugt sich voll mit dem Schweiß aus dem Körper von dem Mann und mit seinem Geruch. Und ich jauchze ein bisschen, und er atmet lauter. Und mein Wattebausch-Körper saugt sich voll mit Schweiß und Geruch, und Haut wickelt sich da drum. Und ich denke: »Ja, Sex ist schön! Und gerade so gut!« Und ich lehne meinen Kopf zurück, und ich fühle mich sexy, ich mache die Augen zu, dann atme ich laut, und dann mach ich sie wieder auf und schaue zur Zimmerdecke. Und da fällt mein Blick auf diese Ecke, auf diese Ecke da an der Zimmerwand, da, wo die Farbe aufhört und die weiße Decke anfängt, und ich sehe: Spinn­weben. Und das ist jetzt gerade gar nicht so gut: riesige Spinnweben, die da von der ­Decke hängen. Egal, nicht hingucken, ich will mich wie ein Wattebausch fühlen. Und ich spüre meinen Körper, der Mann fasst meine Brüste an, und die sind ganz weich, und seine Hände sind groß und schwitzig, und ich finde das gut. Ich denke: »Ja, Sex ist wirklich schön! Und gerade so gut!« Und ich atme ein und schließe die Augen. Dann sehe ich vor meinem inneren Auge diesen Mann. Und da verwandelt sich der Mann in eine Spinne. Und das ist jetzt gerade gar nicht so gut. Ich will jetzt Sex und keine Phobie-Anfälle. Ich konzentriere mich auf das Wort Sex. »Sex, Sex, Sex«, murmle ich vor mich hin und hoffe, dass der Mann das nicht hört oder denkt, ich würde irgendetwas Erotisches sagen.

Und dann ist da wieder dieses Gefühl, dass ich ein Wattebausch bin. Mmmhh, da ist mein Körper, und der liegt unter diesem anderen Körper, und wir bewegen uns, es ist warm und weich, und wir reiben uns aneinander. Dann wird es noch wärmer und weicher, ich kralle mei­ne Hand in seine Schulter. Und wir bewegen uns hin und her und auf und ab und dann und dann und dann! Und dann krieg ich diese Spinn­weben nicht aus meinen Gedanken und habe das Gefühl, dass ich ein Wattebausch mit Schweiß und Geruch und Haut bin, der Angst hat, da könnte jetzt eine große Spinne aus dem riesigen Spinnennetz hervorkriechen und auf mich fallen. Und auf mir rumklettern mit ihren langen haarigen Beinen und könnte ihre Eier auf mir ablegen, weil das eine weibliche, trächtige Spinne wäre, und dann würden die Larven schlüp­fen und unter meine Haut kriechen und … – Der Mann haucht mir ins Ohr, ob denn alles in Ordnung sei. Ich lüge, hauche zurück: »Ja, warum denn nicht?« Und ich zwinge mich, mich wieder wie ein Wattebausch zu fühlen. Ich konzentriere mich in meinem Kopf auf das Wort Wattebausch. Wattebausch, Wattebausch, Wattebausch, aber das bringt nichts, denn dann muss ich an Fingernägellackieren und Abschmin­ken denken, und das hat mal rein gar nichts mit Sex zu tun. Also denke ich wieder: »Sex, Sex, Sex.«

Dann atme ich ein bisschen lauter und fange an, ein bisschen zu schwitzen, und es klappt ganz gut, das da an der Decke zu vergessen. Ich bin weich, und der Mann ist stark, und wir bewegen uns rhythmisch, ich habe seinen Geruch in der Nase, und ich höre ihn atmen. Und dann höre ich ihm beim Atmen zu, ganz konzentriert, weil ich Angst habe, an die Spinne zu denken, und genau da höre ich einen Fernseher im Ne­ben­zimmer. Und ich frage mich, was da wohl ­ge­rade läuft. Ist das Fußball oder MTV? Also, wenn das Fußball ist, dann muss das Spiel irgendwie langweilig sein, weil man eigentlich nur eine Stimme und irgendwelche Geräusche hört, da schießt keiner gerade ein Tor. Und wenn das MTV ist, dann ist das Lied bestimmt auch nicht so der Hit, das muss dann sehr romantisch und leise sein, hört man ja kaum. Der Mann flüstert mir was ins Ohr, ich verstehe ABBA und sage: »Ja, ABBA, kann sein, ich kann das grad so schlecht hören.« Und der Mann sagt: »ABBA, wie kommst du denn jetzt auf ABBA?« Ich hauche zurück, dass er das doch gerade gesagt hat, und er sagt, er habe »Ah-ja« gesagt, daher sage ich: »Ach, ist doch jetzt auch egal!«

Ich fühle mich gerade wieder wie ein Wattebausch, nur dass der jetzt vollgesogen ist mit Wasser und schwer und träge irgendwo rumliegt, ich muss die ganze Zeit an diese Spinne denken und was der Nachbar da im Fernsehen schaut. Und dann denke ich: »Ja, Sex ist manchmal schön, aber gerade jetzt nicht so wirklich.« Und dann fange ich an, darüber nachzudenken, ob der Mann auch gerade an irgendwelche Dinge denken muss. Dem Mann ist das wohl egal, denn der liegt immer noch auf mir drauf und schnauft. Und ich überlege, wie ich das hier schnellstmöglich beenden könnte, und ich denke daran, dass ich ja morgen früh in die Uni muss, und dass ich auch mal wieder Wäsche waschen und einkaufen gehen müsste, eigentlich könnte ich auch mal wieder zum Frisör, und dann bemerke ich, dass ich schon wieder abschweife. Da sage ich dem Mann, dass ich schlafen muss, weil mir gerade nicht so gut ist. Und der Mann guckt mich an und fragt, ob ich das nicht schon vorhin bemerkt habe, als er mich gefragt hat. Und ich sage: »Nein!« und schiebe ihn von mir runter, drehe mich um und schlafe ein.

Und ich träume davon, dass ich ein riesiger Wattebausch bin, unter der Zimmerdecke hänge und eine Horde trächtiger Spinnen beherberge, ich habe keine Angst mehr, und die ganze Zeit läuft »Dancing Queen« von ABBA auf MTV.

Bente Varlemann

Mein schlechtester Sex. Platz 1: Björn*

Björn fickt mich. Noch während er dies tut, frage ich mich, ob man das, was er gerade mit mir tut, nicht ebenso gut anders ausdrücken könnte. Ich überlege, mir muss doch was einfallen, ich bin doch Germanist, aber mir fällt nichts ein. Björn fickt mich. Punkt. Man kann die Handlung, die Björn und ich gerade vollziehen – bzw. die Handlung, die Björn gerade an mir vollzieht – kaum anders als so beschreiben.

Wir »schlafen miteinander« ist zu unspezifisch, wir »haben Sex« ebenso, wir »machen Lie­be« stimmt nicht, denn wir machen gerade keine Liebe. »Wir poppen« ist nicht viel besser und so weiter. Viele haben schon ihr Bedauern darüber geäußert, dass das Deutsche keine wirk­liche Sprache der Erotik bereit hält – was für sich genommen schon tief blicken lässt. »Er penetriert mich anal« wäre eine weitere Alternativformulierung, die aber mehr nach Darmspiegelung klingt.

Bleiben wir dabei: Björn fickt mich gerade. Klingt etwas unerotisch. Ist es aber auch. Vielleicht wäre sogar eine Darmspiegelung erotischer, als von Björn … – Lassen wir das.

Björns Küsse waren nicht besser. Seine Zunge war in etwa so erotisch wie ein Stempelkissen. Oder wie ein Waschlappen. Ich habe noch nie einen Waschlappen geküsst, aber so stelle ich es mir vor.

Als Kinder haben wir uns manchmal in der Badewanne die Waschlappen in den Mund gestopft und das Badewasser rausgesaugt. Keine Ahnung, was wir daran fanden, aber in der Rückschau betrachtet, war es erotischer, als Björn zu küssen. Eine Zunge wie ein zehn Jahre alter Frotteewaschlappen.

Trotzdem haben wir uns geküsst, trotzdem waren wir irgendwann nackt, und ich war ein wenig erschrocken, als ich merkte, dass seine weiten Hosen einen rosa Kugelbauch und ebensolche glänzenden Oberschenkel gut kaschiert hatten. Seine Haut glänzte vor Schweiß und war ebenfalls schweinchenrosa. Irgendwie fehlte nur das Ringelschwänzchen.

Und dann wollte er mich ficken. Ich weiß nicht, wieso ich zustimmte. Wahrscheinlich dachte ich so was wie: Ach Gott, wieso nicht? Ein Mal ist kein Mal. Also mach man, wenn’s denn unbedingt sein muss, kann ja nur besser werden— falsch.

Björn fickt mich wie eins der Häschen aus der Duracell-Werbung – waren die nicht auch rosa? – und trommelt seine Lenden gegen mein Becken.

Ich überlege, ob man nicht besser von »nageln« sprechen sollte, denn Björn ist total spitz. Auch untenrum.

Sollte ich sein Glied beschreiben müssen, wären die Adjektive »keilförmig« und »spitz zulaufend« angemessen. Als ich es zuerst sah, musste ich an diese überdimensionierten Bleistiftanspitzer denken, in die man einen Bleistift steckt, dann an einer großen Kurbel dreht, und spitz kommt er heraus, also der Bleistift. Obwohl, Männer stecken ihre Schwänze ja in die abenteuerlichsten Dinge, Urologen erleben da ja Sachen, das glaubt man nicht, aber ich schweife ab.

Erfolgreich widerstand ich dem Drang, Björn auf die Nase zu drücken und zu schauen, ob sich dann aus seiner Nille eine Bleistiftmine her­vorschiebt. Ich musste aber grinsen und Björn deutete es als lüsternes Grinsen und wollte mich um so mehr …

Jetzt fickt er mich also, und ich schaue die Zimmerdecke an, um nicht in Björns keuchendes Gesichtsrosa zu gucken, und vertreibe mir die Zeit, indem ich in einen Diskurs mit mir selbst eintrete über die mangelhafte Semantik des Erotischen im Deutschen. Ich grüble nach, wie ich diesen, pardon, Fick am besten beschrei­ben sollte.

Wieso sollte ich ihn überhaupt beschreiben, frage ich mich. Und plötzlich habe ich das Krite­rium, nach welchem ich schon lang suchte: Was eigentlich ist schlechter Sex?

Schlechter Sex ist, wenn man eine gute Geschichte draus machen kann.

Nein, fällt mir ein, als ich Björns angestrengtes Hecheln höre, das könnte man noch schärfer formulieren: Schlechter Sex ist, wenn man noch währenddessen überlegt, wie man eine gute Ge­schichte draus machen könnte.

Ein triumphierendes »Heureka!« entfährt mir. Björn guckt irritiert, hält kurz inne und fragt: »Kommst du gleich?«

»Nee, mach mal weiter, ich hatte gerade ’ne Idee.«

Vielleicht sollte ich die Idee aufschreiben, damit ich sie nicht vergesse. Ob Björn etwas dagegen hätte, wenn ich gerade ’mal zu den Notizzetteln auf dem Nachttisch greife? Ach nee, geht nicht, denn in meiner augenblicklichen Posi­tion kann ich gar nicht schreiben. Vielleicht sollten wir in eine Stellung wechseln, in der man besser Stift und Zettel halten kann …

Vielleicht sollten wir das hier auch einfach schnell zu Ende zu bringen. Zwar macht es den Eindruck, als habe Björn das sowieso vor, aber ich könnte ihn ja etwas unterstützen. Also stöhne ich ein wenig und versuche mich dabei, Björns – sagen wir mal – »Frequenz« anzupassen. Dadurch klingt mein Stöhnen so erotisch wie ein Dieselmotor, der sich im Winter hektisch stotternd dem Anspringen verweigert.

Dann schreit Björn plötzlich laut auf, hält abrupt mitten in seiner Bewegung inne. – Nanu, wieso denn das? Orgasmus? Doch schon? Aber nein, der Schrei klingt nicht nach Orgasmus. So ein gellender Schrei, spitzer noch, als er untenrum …

Mit Überraschung in den Augen wage ich nun doch einen Blick in Björns Gesicht. Es passt nur ein Adjektiv zu dessen Beschreibung: schmerzverzerrt. Dicke Tränen kullern hastig über rosarote Bäckchen. Jetzt jault er noch.

Ich überlege: Penisbruch? Ist gerade die Mine abgebrochen? Da japst Björn: »Rmpf … Rmpf!!!«

»Wie bitte? Sprich doch mal deutlich, Junge!«

»Kraaammmmmmpffff … Oberschenkel … – in beiden!!!«

Glücklicherweise hat Björn seine Augen vor Schmerzen geschlossen, so kann er mein schadenfrohes Grinsen nicht sehen.

Björn rollt von mir herunter und wälzt sich auf meinem Bett, knetet seine Oberschenkel, sein Kopf in den Kissen vergraben: »Kraaampf … ! Scheeeiiiße, was muss ich auch immer so schnell rangehen … «, wimmert es aus meinem Bettlaken.

Nun versuche ich doch, ihn etwas zu trösten: »Och joa … also … pfffffft— Soll ich mal pusten … ?«

Eine Viertelstunde später ist das Wimmern leiser geworden.

»Ich glaub’, das wird heut’ nichts mehr«, jam­mert Björn leise.

»Ach, ist ja nicht schlimm, kann ja mal passieren«, versuche ich ihn zu trösten und zögere angesichts des folgenden Aufschluchzens. »Oder passiert dir das etwa öfter?«

Björn wendet seinen beschämten Blick ab und quält sich wortlos wimmernd aus dem Bett. Er muss sich an der Wand festhalten, um nicht wieder lang hinzuschlagen. Mühsam zieht er sich in seine Klamotten, und ich begleite ihn zur Tür.

Ich schaue ihm nach, wie er die Treppe hinunterhumpelt. Fast habe ich ein wenig Mitleid mit ihm.

* Name geändert

Volker Surmann

Die Traumfee

Ich rannte einen schlecht beleuchteten Gang ent­lang, der an einem Fenster endete. (Oder bei einem Fenster? In einem? Verdammt, wenn ich ver­folgt wurde, fiel mir nie die richtige Präpositon ein.) Hinter mir waren diese schritt­ähnlichen Ge­räusche. Und sie kamen näher. Ent­setzen lähmte meine Denkvermögen. Zurück konnte ich nicht. Sollte ich aus dem Fenster? Im achten Stock? Was blieb mir übrig? Ich riss das Fenster auf, eiskalter Wind strömte herein, aber das war es nicht, was mich schaudern machte. Ich schaute hinunter, es war doch höher, als ich mir unter achtem Stock vorgestellt hatte. Aber ich erblickte einen schmalen Sims unter mir und ein offen stehendes Fenster ein paar Meter weiter links. Die Schritte kamen näher. Ohne lange nachzudenken, wer oder was mich verfolgte und was Furchtbares mit mir geschehen würde, wenn sie mich erwischten – erstens: viel Aua; zweitens: Entfernung einzelner Körperteile unter Einsatz körpereigener Schmerzmittel wie Weggucken, Ohnmacht und Koma; drittens: blu­tiger Tod mit lang anhaltendem Geschrei, meinem Geschrei –, kletterte ich hinaus, balancierte den Sims entlang, rutschte ab und – fiel. Schreiend und mit einem dumpfen Geräusch schlug ich auf. Es war stockdunkel. Ich war tot. Nein, ich lag im Bett. Und ich schrie immer noch.

»Schon gut, schon gut, du bist in Sicherheit.« Eine leise Stimme versuchte, mich zu beruhigen. Ich drehte den Kopf, und da sah ich sie: Neben meinem Bett saß eine junge Frau, vielleicht zwanzig, einundzwanzig. Sie hatte langes, blondes Haar, trug ein eng anliegendes Business-Kostümchen aus Jackett, Weste und Mini-Rock, alles in Pink, dazu eine weiße Bluse. In ihrem Haar steckte ein silbernes Diadem, hinter ihrem Rücken lugten keck die Spitzen zweier über­dimensionaler Libellenflügel hervor, und in der Hand hielt sie einen Sailor-Moon-Zauberstab mit einem goldenen Stern an der Spitze. Zudem leuchtete sie in einem blassen Pink und erhellte so ein wenig das Zimmer. Mir wurde schlecht.

»Wer bist du?«, fragte ich, nachdem der erste Ekel hinuntergewürgt war, den diese frisch einer Barbiepuppenpackung entsprungene Kitsch­tussi in mir verursacht hatte. Noch immer schlug mein Herz nah der Infarktgrenze, und ich war mir nicht sicher, ob ich tatsächlich schon wach war. Aber hatte man in Träumen das Gefühl, sich übergeben zu müssen?

»Mach dir keine Sorgen. Du bist in Sicherheit!«, säuselte sie leise.

»Wer bist du?« fragte ich nochmal und nun schon ein wenig ungeduldig. Nein, ich träumte nicht. In meinen Träumen war ich glücklich, ängstlich, unentschieden, aber nie ungeduldig.

»Ich bin Tiara, deine Traumfee.«

»Was?«

»Ich bin Tiara, deine Traumfee, ich mache dei­ne Träume, wenn du schläfst.«

Noch etwas benommen setzte ich mich im Bett auf und ließ meine Beine über die Bettkante baumeln. Ich war froh, dass ich gestern Abend zu besoffen gewesen war, die Unterhose auszuziehen …

»Du gehst mit Socken ins Bett?« fragte Tiara.

… ach ja, und die Socken.

»Du machst meine Träume?« fragte ich noch immer etwas verwirrt, aber meine Verwirrung schlug schnell in Unmut um, als mir mein Traum wieder einfiel: »Ich bin eben aus einem Fenster gefallen. Aus dem zehnten Stock.«

»Aus dem achten«, berichtigte sie mich.

»Ich habe Höhenangst. Und selbst, wenn ich keine hätte: Du hast mich aus dem Fenster fallen lassen.«

»Nun ja … «, versuchte sie sich nicht mal zu entschuldigen, » … es war ja nur ein Traum.«

Ich schüttelte den Kopf, um richtig wach zu wer­den. So langsam wurde ich ein wenig wütend. »Überhaupt«, sagte ich, »du bist wohl ziem­lich pervers, oder was? Macht dich sowas an, was du mich träumen lässt? Geilst du dich daran so richtig auf, sitzt hier neben meinem Bett und rubbelst dir richtig einen ab und steckst dir deinen Zauberstab … «

»Aber … «, versuchte sie, wieder etwas zu sagen.

»Ich steh’ nicht auf Lack und Leder, verstehst du, mich macht sowas null an. Oder hier, diese superrassige Braut neulich, die mich mit ihren riesigen Titten fast zerquetscht hätte … Ich hab’ Platzangst. Das könntest du wissen, wenn du dir nur mal die Zeit genommen hättest, ein wenig aufmerksamer in meinem Unterbewusstsein herumzukramen. Und gefesselt zu werden, törnt mich auch ab. Ich bin klaustrophobisch. Und was sollte das vor zwei Wochen mit dem kaum bekleideten Zimmermädchen?«

»Hat dir der Staubwedel nicht gefallen, mit dem sie deinen … «

»Jaja, das war schon ganz okay. Und gegen diese Möbelpolitur will ich ja auch nichts sagen. Aber die Flaschenbürste!«

»Ja … «

»Ein Zimmermädchen mit einer Flaschenbürste!«

Sie schaute mich groß an, als erwartete sie, ich würde meine Kritik noch näher ausführen.

»Und weil wir gerade dabei sind. Ich steh’ nicht auf Sex mit Tieren. Weder aktiv noch passiv. Ich mache mir nichts aus Federn, ich hasse heißes Wachs. Oder heißes Schweineschmalz.«

»Aber sonst waren die kleinen Schweinereien mit dem Essen doch in Ordnung, oder?«

»Nein! Schlagsahne ist in Ordnung. Mousse au Chocolat ist in Ordnung. Selbst Honig ist in Ord­nung. – Kalter mexikanischer Bohnentopf aus der Dose ist nicht in Ordnung.«

»Ich dachte, du magst es scharf. Und die schwe­dische Hotdogverkäuferin … «

»Die, die mir Senf und Röstzwiebeln auf den Schwanz geschmiert hat, das ganze dann in ein Brötchen packte und dann damit rauf und runter rieb? Es mag sicher Menschen geben, die das total geil finden, extrascharfen Senf auf einer wunden, blutenden Eichel zu haben. Ich bin aber nur ein ganz normaler heterosexueller Mann. Ich möchte ab und zu einfach nur mit einer Frau schlafen. Meinetwegen mit Blasen und Runterholen oder Doktorspielen … «

»Letzte Woche hattest du Doktorspiele.«

»Das waren keine Doktorspiele. Das war eine Neuverfilmung vom Marathonmann. Das Ein­zige, was daran Doktorspiel war, war, dass sie Zahnärztin war. Das einzige Erotische in dem Traum war, dass sie nackt war. Eine Wurzelkanal­behandlung mit einer nackten Zahnärztin ohne nennenswerte Betäubung ist kein erotischer Traum. Du bist doch total krank im Kopf.«

»Ich wollte doch nur … – Manchmal entgleitet mir der eine oder andere Traum.«

»So wie im letzten Monat, wo ich diese total dicken Eier hatte?«

»Du hattest aber auch einen total großen Schwanz. Männer mögen doch sowas.«

»Aber nicht derart riesig. Ich bin ja kaum durch die Tür gekommen. Ich hätte mir selbst einen blasen können.«

»Was du ja auch getan hast.«

»Ja, weil du die Frau vergessen hattest.«

»Tut mir leid.«

»Tut mir leid, tut mir leid. – ›Tut mir leid‹ ist ein bisschen wenig. Ich würde gern deinen Chef sprechen … «

»Wie haben eine Chefin.«

»Dann eben die. Eigentlich müsste ich sowas wie Schmerzensgeld kriegen, oder … «, überlegte ich laut. Irgendwie hatte mich unser Gespräch, die Reminiszenzen vergangener Träume und – zugegeben – auch ihr nicht unsexy Aufzug, auch wenn ich nicht auf Pink stehe, ein wenig erregt. » … Oder wenigstens eine Art Entschädigung … «

Sie rollte mit den Augen und fing an, zuerst ihre Weste und dann ihre Bluse aufzuknöpfen. »Immer dasselbe«, murmelte sie dabei. Und als sie ihren BH abstreifen wollte, erwachte ich.

Es war dunkel, ich drehte den Kopf. Neben meinem Bett saß eine ältere Dame, die genauso aussah wie ich, in einem pinken Kostümchen, mit Libellenflügeln auf dem Rücken und einem Zauberstab in der Hand. Sie lächelte mich an.

»Wat is?« fragte sie. »Du woll’st doch die Chefin sprechen. Mach dir ma keene Sorjen, ick weeß jenau, woruff du stehst«, flüsterte sie, kam näher und hob den Zauberstab.

»Nein, bitte … « Ich hob die Arme, versuchte, sie abzuwehren – dann erwachte ich. Ich fiel im­mer noch aus dem Fenster im achten Stock und sah, wie das Straßenpflaster auf mich zu kam.

»Gott sei Dank«, dachte ich. Dann schlug ich auf.

Michael-André Werner

Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Autoren und der Autorin aus: Volker Surmann (Hrsg.): Sex – von Spaß war nie die Rede. Satyr-Verlag, Berlin 2008. 223 Seiten, 12,90 Euro. Das Buch ist soeben erschienen.

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