Federica Matteoni: 800

800

von Federica Matteoni

Die Riots in Athen am Wochenende wurden bereits als Beginn einer neuen »Tradition« bezeichnet. Zum ersten Mal jährte sich am 6. Dezember die Erschießung des 15jährigen Alexis Grigoropoulos durch einen Polizisten im Athener Viertel Exarchia. Schüler und Studenten hatten am Wochenende zu ruhig Gedenkveranstaltungen aufgerufen, die auch relativ friedlich verliefen. Im Anschluss an die Demonstrationen kam es zu den üblichen Auseinandersetzungen zwischen militanten Fraktionen und Polizei. Das Hauptgebäude der Polytechnischen Hochschule in Athen wie einige andere Universitätsinstitute wurden besetzt. Seit Samstag wurden insgesamt mehr als 800 Menschen festgenommen, mindestens 140 wurden bereits angeklagt. Der Tod des Schülers war vor einem Jahr der Anlass für eine Protestwelle gegen Polizeigewalt, aus der sich bald eine Serie von Besetzungen von Universitäten und Schulen in ganz Griechenland entwickelte. Die Revolte von Zehntausenden Jugendlichen und Studenten richtete sich gegen ihre anhaltende Perspektivlosigkeit und kam teilweise mit Gewalt zum Ausdruck.

Ein Jahr später hat sich an der Situation in Griechenland kaum etwas geändert, nur sucht man nicht mehr um jeden Preis die gewalttätige Auseinandersetzung mit der Staatsgewalt. Nicht weil der Staat unter der neuen sozialdemokratischen Pasok-Regierung »freundlicher« gegenüber linken Demonstranten geworden ist. Wenn zu Anfang der Proteste im vergangenen Jahr Segmente der bürgerlichen Bevölkerung mit den Jugendlichen sympathisierten, ist das Verständnis für linke Gewalt noch zurückgegangen. Seit Ende Dezember 2008 gab es in Griechenland einige terroristische Attentate, zu denen sich verschiedene bewaffnete Gruppen bekannt haben.

In der konservativen Zeitung Kathimerini wurde nach den Ausschreitungen vom Wochenende gefordert, das so genannte Universitätsasyl abzuschaffen. Die Begeisterung für Molotow-Cocktails sinkt in Griechenland, wer die Berichte über die Demonstrationen auf der deutschen Indymedia-Seite liest, merkt allerdings nichts davon. »Wenn Beamte brannten, gab’s Beifall, auch von zahlreichen Zuschauern am Rand«, war dort am Dienstag zu lesen.

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