Julian Bernstein: Wie der Panzer nach Jamaika kam

Wie der Panzer nach Jamaika kam

von Julian Bernstein

Bisher glaubte man, der saarländische Grünen-Vorsitzende Hubert Ulrich würde nur in die eigene Tasche wirtschaften. Als ihm in den späten Neunzigern sein spärliches Salär als Landtagsabgeordneter nicht ausreichte, soll er mit Preisnachlässen für Abgeordnete erworbene Autos mit Gewinn weiterverkauft haben. Neu ist jetzt, dass Ulrich, den Parteifreunde wegen seiner sensiblen Umgangsformen liebevoll »Panzer« nennen, auch dafür sorgt, dass seine Partei etwas abbekommt: Wie vorige Woche bekannt wurde, sind den saarländischen Grünen von 2008 bis 2009 insgesamt 57 000 Euro von der Hotel- und Altersheimkette »Victor’s Gruppe« zugeflossen. Das besondere dabei: Der Chef von »Victor’s«, Hartmut Ostermann, ist Kreisvorsitzender der Saarbrücker FDP und gleichzeitig ein »Duzfreund« (Saarbrücker Zeitung) des grünen Ulrich. Und Ulrich ist bekanntermaßen der erste Grüne, der auf Landesebene eine Jamaika-Koalition eingefädelt hat. Hat sich Ulrich bei der Koalitionsentscheidung also durch ein wenig Bares von seinem Kumpel Ostermann beeinflussen lassen?

Das soll jetzt ein Untersuchungsausschuss klären. Über einen Sprecher ließ »Victor’s« mitteilen, dass derartige Unterstellungen »unredlich« seien. Man habe ja an alle Parteien gespendet. In der Tat flossen von »Victor’s« seit dem Jahr 2000 45 000 Euro an die CDU, seit 2004 30 000 Euro an die SPD und das meiste, satte 368 800 Euro, an Ostermanns Hauspartei, die FDP. Nur die Linkspartei ging leer aus. Dass Unternehmen mehrere Parteien bedienen, um sich politischen Einfluss zu verschaffen, ist gängig. Nur bekamen die Grünen in der kurzen Wahlkampfzeit insgesamt mehr Geld als die CDU in den vergangenen zehn Jahren. Doch auch dafür hat man bei »Victor’s« eine plausible Erklärung: Man habe Parteien, die »für den ökologischen Umbau unserer sozialen Marktwirtschaft von Bedeutung sind«, eben ganz besonders unterstützen wollen. Und wie es scheint, ließ sich auch Ulrich höchstpersönlich unterstützen. Denn aufmerksam auf die Beziehung von Ostermann zu den Grünen wurde man erst, nachdem bekannt geworden war, dass Ulrich bis zu den Koalitionsverhandlungen im September vorigen Jahres mit »Marketingtätigkeiten« bei der Softwarefirma »Think & Solve« beschäftig war – an der Ostermann beteiligt ist.

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