Abo-Banner
Jungle World - shop
Anne Kreby: »I’m kidnapped«

»I’m kidnapped«

von Anne Kreby

Der Mann ist eigentlich kein Unbekannter, aber tropfnass, bärtig und desorientiert, wie er war, schien er zunächst nur ein Versprengter mehr an einem warmen Samstagabend in Köln zu sein. »My name is Shokof, call the police, I’m kidnapped.« Das sollen die Worte des iranischen Filmemacher Daryush Shokof gewesen sein, mit denen er drei Jugendliche auf der Treppe zum Restaurant »Zur Tant« um Hilfe bat.

Zwölf Tage lang galt Shokof als vermisst. Man wusste nur, dass der 55jährige einen Zug nach Paris nehmen wollte, um in der französischen Metropole Termine wahrzunehmen. In Paris kam er allerdings nie an, die Polizei in Berlin, dem Wohnort des Filmmachers, nahm bald darauf eine Vermisstenanzeige auf.

Shokof – der Name klingt vielleicht wie aus einem zu Zeiten des Kalten Kriegs spielenden Agententhriller, aber in der Filmszene hat dieser Name einige Relevanz. Shokof ist ein iranische Regisseur, Künstler und Autor, der 1954 in Teheran unter dem Namen Alireza Shokoufandeh geboren wurde, 1979 in die USA ausreiste und dort Physik, Mathematik sowie Film studierte. Seine Bilder hingen neben denen Andy Warhols, Jeff Koons´, Robert Mapplethorpes, Bruce Naumans in zahreichen Ausstellungen. Seine zumeist experimentellen Filme sind ein Statement gegen das islamische Regime. Shokof ist ein kompromissloser Gegner der Mullahs und hat sich mit seinen Filmen und politischen Aktionen viele Feinde im Iran gemacht. So protestierte er gegen die Präsentation iranischer Filme auf der Berlinale, die zuvor die Zensur im Land passiert und sich dem Sittendiktat des Landes unterworfen hatten. In seiner vor drei Jahren in Berlin entstandenen Gangsterkomödie »Breathful« lässt er alle Rollen von Frauen spielen, aus Protest gegen das Geschlechterregime im iranischen Film.

In seinem 2009 abgedrehten Film »Iran Zendan« geht es gleichnishaft um die Zustände in einem Gefängnis, das Gefängnis ist der Iran. Auf Youtube kann man Ausschnitte sehen, aber auch Vorträge Shokofs hören. Uraufgeführt wurde der »Iran Zendan« kürzlich in Berlin.

Dass nur Filminteressierte im Publikum saßen, darf bezweifelt werden.