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Marcus Latton: Small Talk

»Dresden wird euer Hanoi!«

Vergeblich mühen sich imperialistische Schergen, die revolutionären ­Errungenschaften der großen Führer Kim Il-sung und Kim Jong-il in Misskredit zu bringen. Denn auch im Westen gewinnt die nordkoreanische Juche-Ideologie immer mehr Anhänger. Die »Internationalen Brigaden für Nordkorea« verbreiten die überlegene Juche-Idee auf einer Facebook-Seite unter den westlichen Volksmassen. René Schmitz, Pressesprecher der Brigaden, gibt Auskunft über die Ziele seiner Organisation und die bevorstehende Auseinandersetzung mit dem imperialistischen Klassenfeind USA.

Small Talk von Marcus Latton

Wer sind die Internationalen Brigaden für Nordkorea und warum braucht man sie?

Die Internationalen Brigaden für Nordkorea sind klassenbewusste Proletarier mit leichtem Hang zum Sektierertum. Hauptsächlich benötigt man uns zur Reinigung der Straßen. Schon einmal zehn Kilometer Autobahn mit dem Besen gefegt? Aber im Ernst, wir entwickeln Massenvergnügungswaffen, um die internationale Arbeiterschaft in unserem Sinne zu beeinflussen.

Es gibt Menschen, die es zynisch finden, eine totalitäre Diktatur zu bejubeln.

Menschen wie wir finden es zynisch, solche konterrevolutionären Bedenken zu äußern.

Sind Sie Dogmatiker?

Nur weil wir unsere Klassenfeinde erschießen wollen? Bleiben Sie mal auf dem Teppich!

Im Juni findet die Fußball-WM der Damen statt, die nordkoreanische Mannschaft spielt in Dresden gegen die USA. Wie wollen Sie Ihr Team unterstützen?

Wir werten jede Überquerung der Mittellinie durch die USA als einen Angriff auf die Souveränität Nordkoreas. Deshalb werden wir als Kim-Jong-Ultras unseren Strafraum mit der Waffe in der Hand verteidigen. Wenn das nicht hilft, werden wir die Amerikanerinnen garstig beschimpfen.

Auf Ihrer Facebook-Seite haben sich Ihrem Aufruf zur Fahrt nach Dresden bisher nur etwas mehr als 20 Personen angeschlossen. Haben Sie nicht Angst, gegen den amerikanischen Fanblock gnadenlos unterzugehen?

Aus 20 werden schnell 20 Millionen, das lehrt uns die Geschichte. Und den Yankee-Faschisten möchten wir ins Stammbuch schreiben: Dresden wird euer Hanoi werden!

Sorgen Sie sich um Ihre Spielerinnen? Dem Vernehmen nach wurden in der Vergangenheit Mitglieder der Fußball-Herrenmannschaft zur Strafe für Niederlagen in Arbeitslager verbannt.

Eine nordkoreanische Fußball-Herrenmannschaft existiert nicht.