Jungle Sommerfest / 25 Juli 2014 / Griesmühle / Sonnenallee 221 / Berlin
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Marion Bergermann: Small Talk

»Hey, hier sind Antideutsche!«

Während der Blockaden gegen den Neonaziaufmarsch in Dresden am Wochenende kam es auch unter den Gegendemonstranten zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung. In der Nähe einer Blockade wurde eine kleine Gruppe angegriffen und ihr eine Israelflagge abgenommen. Einer der Angegriffenen sprach mit der Jungle World über den Vorfall.

Small Talk von Marion Bergermann

Was genau ist in Dresden passiert?

In der Nähe einer Blockade wurde ein uns unbekannter Mann, der eine Royal-Air-Force-Fahne dabei hatte, angepöbelt. Einer von uns hat die Pöbler gebeten aufzuhören, was aber nicht geschah. Es bildete sich eine Gruppe, die immer aggressiver mit uns diskutierte, und die wohl meinte, dass allein die UdSSR Deutschland befreit habe. Währenddessen rief dann jemand »Hey, hier sind Antideutsche«, was wohl die Legitimation zum Losschlagen war.

Wieso eskalierte die Situation?

Als einer von uns eine Israelfahne hochhielt, sahen diese sogenannten Antifas rot. Vorher war die Stimmung schon aggressiv, aber als die Flagge da war, traten sie denjenigen, der sie hielt, bis er bewusstlos wurde, später musste er sogar ins Krankenhaus. Auch ich wurde von mehreren Leuten angegriffen und auf dem Boden liegend getreten.

Wie hat sich die Polizei verhalten?

Nachdem wir Unterstützung bei der Polizei geholt hatten, konnten zwei der Haupttäter festgenommen werden. Die Täter hatten keinerlei Unrechtsbewusstsein und hatten offenbar nicht erwartet, dass wir die Polizei einschalten würden.

Hat euch sonst niemand geholfen?

Wir waren zu dritt bzw. zu viert gegenüber einer weitaus größeren Gruppe. Bis auf ein, zwei Leute interessierte sich niemand dafür, obwohl ja Dutzende rundherum standen. Der Schlachtruf »Da sind Antideutsche!« führte dazu, dass noch mehr Leute hinzu kamen. Erst als auf der uns abgenommenen Flagge herumgesprungen wurde und wir dann bei der Polizei standen, interessierte es mehr Leute.

Wer stand denn dort um euch herum?

Durchweg antifaschistische Demonstranten, wir befanden uns circa 50 Meter entfernt von einer Blockade an einem Einkaufszentrum. Aber bis auf einen, der uns geholfen hat und sich dazwischenstellte, kam uns niemand zur Hilfe. Dass die Gewalt erst so richtig ausbrach, als sie die Israelflagge gesehen haben, ist ja kein Zufall. Offenbar muss man konstatieren, dass in Teilen der Antifa ein Davidstern die gleichen Reflexe auslöst wie eine Horde Neonazis. Die sogenannte israelsolidarische Antifa muss sich fragen lassen, warum sie mit solchen Leuten zusammen gegen Neonazis demonstriert.

RM16

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