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Axel Berger: Die Deutsche Bank und die Immobilienblase in den USA

Knietief in Schweinepapieren

Die offiziellen Berichte der US-Behörden zur Finanzkrise zeigen, dass die Deutsche Bank eine der Hauptschuldigen bei der Aufblähung des Immobiliensektors war. Strafrechtliche Konsequenzen wird das aber nicht haben.

Kommentar von Axel Berger

Vor ziemlich genau zwei Jahren sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, er sei sicher, dass seine Bank aus dieser Krise gestärkt hervorgehen werde. Nach dem Grund für den Optimismus gefragt, antwortete der Schweizer, man habe sich aus den waghalsigen Geschäftsmodellen des »angelsächsischen Finanzkapitalismus« trotz kleinerer »Fehler und Übertreibungen« herausgehalten. Die meisten seiner Kollegen hierzulande und ein ganzes Heer von Kommentatoren stimmten ihm zu.

Berichte der US-Behörden haben Ackermanns Aussagen mittlerweile als Legenden entlarvt. Nachdem im Herbst der Rechenschaftsbericht der US-Notenbank Fed belegt hatte, dass die größte deutsche Bank entgegen ihren Beteuerungen, sie habe nicht auf staatliche Hilfen zurückgegriffen, aus den Krisenprogrammen TAF und PDCF 76 Milliarden US-Dollar erhalten hatte, befassten sich jüngst zwei Berichte auch mit dem Geschäftsgebaren des einzigen deutschen »Global Player« in der Finanzbranche.

Bereits der im Januar veröffentlichte Abschlussbericht der US-Kommission zur Untersuchung der Finanzkrise (FCIC) hatte der Deutschen Bank neben Goldman Sachs, Merrill Lynch, der Citigroup und UBS einen Platz in der »Hall of Shame« der Verursacher der Immobilienblase zugewiesen. Zu diesem Ergebnis kommt nun auch der Bericht des US-Senats. Aus dem Kapitel, das der Deutschen Bank gewidmet ist, ergibt sich ein eindeutiges Bild.

Insbesondere der Aufkauf von faulen Immobilienkrediten und deren Weiterverarbeitung zu sogenannten Collateralized debt obligations (CDO) stehen im Fokus der Autoren. Deutlich wird, dass die Verantwortlichen spätestens seit April 2006 darüber Bescheid wussten, dass es sich – in den Worten des wichtigsten CDO-Händlers der Bank in den USA, Greg Lippmann – bei den Papieren um »Mist«, »Luft« oder »Schweinepapiere« handelte. Dennoch legte die Bank noch im Jahr 2007 weitere CDO auf, die den Wert der insgesamt ausgegebenen Papiere auf über 25 Milliarden US-Dollar steigen ließen, und kassierte weiterhin die üppigen Vermittlungsgebühren. Gleichzeitig durfte Lippmann über fünf Milliarden Dollar darauf verwetten, dass der Immobilienmarkt zusammenbrechen werde.

Intern sprach Lippmann davon, man habe ein »Ponzi-Scheme« etabliert, ein Schneeballsystem. Trotz der Offensichtlichkeit des Betruges und der laufenden Überprüfung durch die US-Ermittlungsbehörden zeichnet sich ab, dass die Verantwortlichen der Deutschen Bank keine strafrechtlichen Konsequenzen zu befürchten haben. Und weil der Bank wieder mit fast grenzenlosem Vertrauen begegnet wird – Ackermann wurde kürzlich als Präsident des Institute of International Finance, des wichtigsten Verbandes der Finanzlobby, bestätigt –, agiert sie derzeit im Rohstoff-Geschäft ganz ähnlich wie früher bei den Immobilien. Immerhin einer hat es bemerkt: Der ehemalige IWF-Chefökonom Simon Johnson bezeichnete Ackermann jüngst als »gefährlichsten Banker der Welt«. Hoffentlich haben die US-Behörden doch noch ein Einsehen.