Andreas Hartmann: Die Filmdokumentation »Noise And Resistance«

Wir machen das

In dieser Woche kommt die Dokumentation »Noise and Resistance« in die Kinos, die klar machen will, dass Popmusik tatsächlich immer noch mehr ist als das, was man beim Autofahren oder Joggen hört.

von Andreas Hartmann

In der Filmdokumentation »Noise and Resistance« geht es vor allem um Haltung. Um den Wunsch, ein anderes, ein besseres Leben zu führen. Popmusik, so die Botschaft des Films, taugt dazu, diese bessere Welt zu schaffen. Wobei die von den Filmemacherinnen Franny Araiza Andrade und Julia Ostertag porträtierten Protagonisten in Berlin, Barcelona, Stockholm oder Moskau unter Popmusik eigentlich immer Crustpunk, Hardcore, vielleicht noch HipHop, irgendetwas Aggressives jedenfalls und bloß keinen Techno verstehen.

Die Musik selbst ist dabei aber weniger von Interesse als die Art ihrer Vermittlung. Auf selbstorganisierten Konzerten spielt man, organisiert Soli-Veranstaltungen, gibt sich antikommerziell, zimmert sich mit einer gemeinsamen Leidenschaft für harte Gitarrenmusik ein vermeintlich selbstbestimmtes Leben zurecht.

Oft ist die Herangehensweise der Filmemacherinnen naiv, fast schon nervig. An einem Blick hinter die Fassade des DIY sind sie nicht interessiert, eher an seiner Glorifizierung. Auch darüber, wie soziale Netzwerke den DIY-Gedanken transformieren, erfährt man viel zu wenig. Es ist natürlich richtig, Perry Rimbaud von Crass in seinem Haus auf dem Lande zu besuchen und die Bedeutung dieser Band für das DIY-Gewese von heute herauszustellen. Doch Crass sind ja letztlich an ihren eigenen Ansprüchen gescheitert. Die ehemaligen Mitglieder der Band befinden sich im Clinch miteinander und sehen sich nur noch vor Gericht. Es geht um Geld. Natürlich. Aber davon erfährt man in »Noise and Resistance« nichts.

Interessant wird es dort, wo deutlich gemacht wird, wie stark der Kontext die jeweilige politische Bedeutung einer bestimmten popkulturellen Praxis bestimmt. In Berlin-Friedrichshain mit seiner zotteligen Screamo-Band aufzutreten, ist nicht besonders revolutionär. In Moskau als linke Hardcoreband bestehen zu wollen, kann dagegen ein gefährliches Unterfangen sein. Die Mitglieder der Moskauer Hardcore-Band Kool Roots fürchten wohl um ihr Leben, Nazi-Skins begreifen deren Musik als echte Provokation. In Moskau zumindest kann Noise tatsächlich noch Resistance bedeuten.

»Noise And Resistance« (D 2011). Start: 16. Juni

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