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Felix Balandat: Small Talk

»Die Debatte driftet ins Irrationale ab«

von Felix Balandat

Eine Personalie beim »Festival contre le racisme« an der Universität Mainz sorgt für Aufruhr: Die »People of Colour« (PoC)-Hochschulgruppe wollte im Rahmen des vom AStA organisierten Festivals Emine Aslan als Diskussionsmoderatorin einladen. Aslan erlangte als Mitinitiatorin des #ausnahmslos-Aufrufs und als Talkshowgast eine gewisse Bekanntheit. In Mainz musste sie jedoch vergangenes Jahr als AStA-Referentin zurücktreten, nachdem ihr die Jusos im Studierendenparlament »antisemitische und verschwörungstheoretische« Äußerungen vorgeworfen hatten. Aslan hatte auf ihrem Twitter-Account mehrfach Sympathien für die BDS-Bewegung bekundet, die Rolle der Hamas als »irrelevant« verharmlost und einen Witz über Attentate auf Juden in Israel geliket. Auf den Twitter-Post »Übrigens: Tunnelsystem gab es auch unter dem Warschauer Ghetto« antwortete sie: »Wir riegeln ein Volk ab und wundern uns, dass sie Tunnel bauen. We are Israel.« Als Kritiker nun erneut auf die Problematik hingewiesen hatten, veranstaltete die PoC-Hochschulgruppe die Diskussion mit Emine Aslan in Eigenregie.

AStA-Referent Sebastian Bauer hat mit der Jungle World über die Vorgänge gesprochen.

Die PoC-Hochschulgruppe schreibt in einem Statement, PoC würden nicht als würdevolle Individuen, sondern als zu beobachtende und zu erziehende Eindringlinge behandelt. Fühlen Sie sich angesprochen?

Nein. Der Umstand, dass wir uns als Kritiker mit dem Gegenstand befassen, ist eine logische Reaktion darauf, dass eine bekannte Antizionistin eingeladen wurde. Das sollte die PoC-Hochschulgruppe nicht überraschen.

Hat die PoC-Hochschulgruppe ein Antisemitismusproblem?

Sie hat auf jeden Fall ein Problem, da sie Antisemitismuskritik als rassistisch zu denunzieren versucht, während antizionistischen ­Positionen Raum gegeben wird.

Wie hat sich die Gruppe in der Auseinandersetzung verhalten?

Den Vorwurf des Antisemitismus empfanden viele als schlimmer als Antisemitismus selbst. Es kam sofort zu einer Kritikabwehr. Ich glaube, die ganze Personalie Aslan war ein kalkulierter Skandal, um sich wieder als Opfer darstellen zu können. Manche meinen, sich bis zur Selbstaufgabe vor die Gruppe stellen zu müssen. Man geißelt sich in einer selbstzerstörerischen Art und Weise, wie in einer Sekte, weil einige wenige unsere Kritik für einen Moment als Argument in Betracht gezogen hatten, anstatt einen safe space für die Kritisierten zu schaffen.

Welche Rolle spielt dabei der AStA?

Der AStA ist im Moment fragmentiert und weitgehend handlungsunfähig. Auch weil Mitglieder der PoC-Hochschulgruppe im AStA selbst wichtige Positionen innehaben. Die Konfliktlinie verläuft diffus. Eine Diskussion über das Thema war im AStA bislang nicht möglich, weil Mitglieder der PoC-Gruppe mit langatmigen Ablenkungsmanövern und einer Antragsschlacht die inhaltliche Auseinandersetzung verschleppen. Als dann ein mehrseitiges Dossier verteilt wurde, das die antisemitischen Verstrickungen an der Uni Mainz in den vergangenen Jahren aufzeigt, ist das AStA-Plenum implodiert. Einige Menschen wurden sehr emotional, manche auch aggressiv. Hinzukommt, dass mein eigener Vortrag auf dem »Festival contre le racisme« zum Thema Antisemitismus kurzfristig abgesagt wurde. Ein AStA-Mitglied, das auch in der PoC-Gruppe aktiv ist, hatte den Antrag auf Absage mit »persönlichem Unwohlfühlen« begründet. Als dann herauskam, dass Aslan sprechen sollte, bot man mir an, dass ich meinen Vortrag zusammen mit einem Koreferenten halten dürfe. Dafür müsse es auch in Ordnung sein, dass Aslan auftritt. Für so einen Unsinn stehe ich nicht zur Verfügung. Seitdem driftet die Debatte rettungslos ins Irrationale ab.

Welche Bedeutung messen Sie der PoC-Hochschulgruppe zu?

Sie hat nach eigener Aussage ihr Konzept an Hochschulen in Köln, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt und Berlin exportiert. Innerhalb kurzer Zeit wurde das Statement der PoC-Gruppe über 300 mal auf Face­book geteilt. Die Gruppe versucht, die Uhuru-Bewegung in Deutschland bekanntzumachen. Das ist eine nationalistische panafrikanische Bewegung, die einen krassen Antisemitismus pflegt.

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