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Markus Ströhlein: Small Talk

»Es ist absurd«

»Let’s crash their party!« Dieser Slogan war zu viel für die Leipziger CDU und Bild. Partei und Zeitung griffen in der vergangenen Woche das Kulturzentrum Conne Island scharf dafür an, eine Veranstaltung unter diesem Motto zu beherbergen. Sie soll über die Proteste gegen die Einheitsfeierlichkeiten in Dresden informieren. Tanja Rußack, Geschäftsführerin des Conne Island, hat mit der Jungle World gesprochen.

Small Talk von Markus Ströhlein

Bild zufolge verkehren »Chaoten« und »Linksextreme« im Conne Island. Würden Sie Ihr Publikum ebenfalls so beschreiben?

Es gibt kein typisches Conne-Island-Publikum. Tagsüber hängen hier Eltern mit ihren Kindern auf dem Spielplatz rum. Zu Lesungen und Informationsveranstaltungen kommen Menschen, die sich kritisch mit Themen wie Rassismus, Antisemitismus, Kapitalismus auseinandersetzen. Zu Konzerten kommen wiederum auch der Bankangestellte und die Mitarbeiterin von der Stadt. Wir haben ein breites kulturelles und politisches Programm. Dementsprechend finden sich ganz unterschiedliche Menschen hier ein.

Weshalb fährt Bild dann derart schwere Geschütze auf?

Das geht nicht nur von dieser Zeitung aus. CDU-Politiker versuchen schon seit Jahren, das Conne Island zu diskreditieren, was sicher mit unserer linken Grundhaltung zu tun hat. Durchforstet man das Archiv, findet man immer wieder Zeitungsartikel, sei es von 2010 oder 1998, in denen CDU-Mitglieder Stimmung gegen das Conne Island gemacht haben. In den vergangenen Monaten hat sich die AfD noch eingereiht. Als Anlass ist diesen Personen alles recht: Die Ausschreitungen in der Südvorstadt im vergangenen Dezember wurden dem Conne Island angelastet. Vor anderthalb Jahren war das Conne Island schuld an Krawallen in der Innenstadt. Und sollte am 3. Oktober in Dresden etwas vorfallen, wird wahrscheinlich ebenfalls das Conne Island schuld sein. Wir sind für CDU und Co. ein unliebsames Projekt. Bild schaltet sich gern ein und so kommen eben reißerische Artikel zustande.

Der CDU-Stadtrat Ansbert Maciejewski fordert, dem Conne Island die kommunale Förderung zu streichen. Hat er Aussicht auf Erfolg?

Auch diese Forderung wird immer wieder vorgebracht. Wir hatten bisher aber ein sehr gutes Verhältnis zum Kulturamt. Nun wird allerdings der Druck auf das Amt immer größer. Und die neue Kulturbürgermeisterin, die erst seit wenigen Wochen im Amt ist, möchte offenbar klare Kante zeigen. Sie hat tatsächlich verlautbart, dass die Förderung noch einmal geprüft werden muss. Das hat uns sehr überrascht, da es keine wirklichen Gründe für diese Maßnahme gibt. Sie ist eine Reaktion auf den plumpen Populismus. Für uns war das Vertrauen deshalb für kurze Zeit erheblich erschüttert.

Wie wichtig ist die kommunale Förderung für den Betrieb des Conne Island?

Sehr wichtig. Gerade Personalkosten, Miete und Betriebskosten lassen sich aus den Mitteln der Stadt gut abdecken. Und Anträge für Drittmittel werden auch leichter bewilligt, wenn man auf eine kommunale Anerkennung verweisen kann. Im Gegenzug brüstet sich die Stadt mit dem Conne Island. Es wird in den städtischen Reiseführern als wichtiges kulturelles Zentrum angepriesen. Vor einigen Jahren gab es eine Postkartenaktion der Stadt, bei der das Conne Island ein Motiv war. Und wenn die Toten Hosen hier spielen, feiert sogar Bild das Conne Island. Das Verhältnis ist also ambivalent.

Treten Bild und die CDU eigentlich auch Kampagnen los, wenn es um die Machenschaften von Nazis geht?

Weder aus Anlass der Imperium Fight Championship im Kohlrabizirkus vor einigen Wochen noch nach dem Naziangriff auf Connewitz Anfang des Jahres waren Worte der Empörung, Bestürzung oder Anteilnahme zu vernehmen. Eher wurden die Vorfälle kleingeredet. Wir halten es für absurd, dass die CDU und andere nicht verstehen wollen, dass jemand wegen der Geschehnisse der vergangenen Jahre in Deutschland und vor allem in Sachsen – die Wahlergebnisse für die AfD, die Vorfälle in Bautzen und Heidenau, die Angriffe auf Asylsuchende und so weiter – zu einer kritischen Begleitung der Feierlichkeiten am 3. Oktober aufruft. Diese Leute mokieren sich darüber, dass auf einem Flyer ein zersplitterter Gartenzwerg zu sehen ist, der eine Deutschland-Fahne in der Hand hält. Und sie deuten den Demonstrationsslogan »Let’s crash their party« als Gewaltaufruf. Es ist absurd.

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