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André Anchuelo: Small Talk mit Julia Ryssel von "Laviu"

»Wir stimmen der AfD überhaupt nicht zu«

»Von der Crowd geliebt, von der AfD zum Politikum gemacht« – so wirbt ein Dresdner Start-up für sein Produkt »Laviu«. Es handelt sich um ein Sexspielzeug, das mit seinem geräuschlosen Betrieb beworben wird. Für die Entwicklung sind per Crowdfunding weit über 50 000 Euro zusammengekommen. Der stellvertretende Landessprecher der AfD Sachsen, Thomas Hartung, findet es skandalös, dass Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) das Produkt mit einem Preis prämiert hat. »Dildo-Duligs Innovationsförderung ist ein Armutszeugnis«, so Hartung. Früher habe man in Sachsen noch stolz auf Erfindungen wie Waschmaschinen, Webstühle oder Dampflokomotiven sein können. Die Jungle World hat mit Julia Ryssel gesprochen. Sie ist Ingenieurin und Mitgründerin der Laviu GmbH.

Small Talk mit Julia Ryssel von "Laviu" von André Anchuelo

Was macht den von Ihrer Firma entwickelten Vibrator so spacig?

Was wir entwickelt haben, ist kein gewöhnlicher Vibrator. Das Lovetoy pulsiert, es fühlt sich an wie eine sinnliche Massage, wie eine Bewegung. Wir haben keinen Elektromotor eingesetzt, sondern eine neue Technologie aus der Luft- und Raumfahrt. Welche genau, sagen wir nicht, weil auch die Konkurrenz ziemlich scharf darauf ist. Die Technik wird in der Raumfahrt eingesetzt, um beispielsweise Sonnensegel zu bewegen. Bei unserem Toy können wir damit geräuschlose und sehr lebensechte Bewegungen erzeugen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Entwicklung per Crowdfunding zu finanzieren?

Wir wollten Feedback aus unserer Zielgruppe. Zumal wir ja zwei Produkte haben, den Laviu One und den Laviu Rabbit, der noch extra »Hasenohren« für die äußere Stimulation hat. Da wollten wir wissen, welches Produkt stärker gefragt ist. Wir haben auch eine Umfrage gestartet, welche Farben sich die Kunden wünschen. So sind wir mit der Zielgruppe schon vor der Markteinführung in Kontakt getreten und konnten gleichzeitig anderen Investoren zeigen, dass es großes Interesse an dem Produkt gibt.

Was ist der aktuelle Stand, wann kann man Ihr Produkt im Laden kaufen?

Wir haben die vergangenen anderthalb Jahre in die Produktentwicklung gesteckt, der Laviu ist jetzt so weit, dass wir Anfang 2017 die Produktion in Auftrag geben werden. Im Frühjahr werden zunächst die Crowdfunder ihr Toy bekommen und voraussichtlich ab Sommer kann es dann jeder über unseren Onlineshop bestellen.

Haben Sie denn der AfD schon für die kostenlose Werbung gedankt?

Nein. Natürlich hat diese Begebenheit uns Aufmerksamkeit gebracht und den Bekanntheitsgrad unserer Firma erhöht. Aber in den Verkaufszahlen oder beim Crowdfunding hat sich das nicht direkt widergespiegelt und auch inhaltlich stimmen wir der AfD in Hinblick auf unsere Innovationsförderung natürlich überhaupt nicht zu.

Können Sie sich erklären, was die AfD überhaupt für ein Problem mit einem Sexspielzeug hat?

Nein, für unser Empfinden ist deren Argumentation ziemlich fragwürdig. Insbesondere die Behauptung, dass ein Sexspielzeug zu einer geringeren Zahl an Geburten führe, ist uns vollkommen unverständlich. Wir vermuten, dass die AfD gegen Wirtschaftsminister Dulig einfach jedes Argument recht ist. Mit uns und unseren Produkten hat das jedenfalls nichts zu tun.

In einer Pressemitteilung hat Ihr Unternehmen als Ziel angegeben, »jeder Frau ein selbstbestimmtes Liebesleben zu ermöglichen«. Wäre der Laviu nicht auch für Männer geeignet?

Wer das Toy nutzen kann, lassen wir offen. Sicherlich sind Frauen unsere größte Zielgruppe. Wir freuen uns über Kunden jeglichen Geschlechts und jeglicher sexuellen Orientierung. Es wird aber noch ein eigenes Toy geben, das speziell für die anale Anwendung geformt ist.