Jungle World abonnieren
Jungle World - shop
Elke Wittich: Das Medium

Weg damit

Das Medium von Elke Wittich

Ein grippales Eitergelb, ein deprimierend heiteres Hellblaugrün, irgendwas Orangerötliches – so sah sie aus, die total hippe Neuerung, mit der Facebook seine Kunden zum Jahresende überraschte. Denn einfach nur ein, zwei kurze oder in Fällen immenser Empörung längliche Erklärungen zu posten, reicht offenbar nicht mehr aus, um wahrgenommen zu werden, weswegen Facebook die Möglichkeit anbot, Statements farblich zu unterlegen – um das Geschreibsel damit zur hochwichtigen Verlautbarung zu machen.

Womit wir beim Grundproblem wären, nämlich der Annahme, dass Unschrill-Unbuntes nicht gelesen wird. Wahrscheinlich ist diese Annahme auch nicht ganz falsch, legt man den Erfolg der sogenannten fake news zugrunde, für die es gerade diese Woche ein atemberaubendes Beispiel gab: Ein US-Lügenblog machte mit der riesigen Schlagzeile auf, dass Benjamin Netanjahu nun alle Beweise über die Verstrickung Hillary Clintons in einen Kinderhändlerring veröffentlichen werde. Die Meldung wurde massenhaft angeklickt beziehungsweise, selbstverständlich, in sozialen Medien besonders von begeisterten Trump-Anhängern verbreitet. Dass es im Text dann überhaupt nicht um das ging, was in der Überschrift behauptet wurde, störte die Verbreiter vermutlich nicht sehr, weil sie nämlich offenkundig gar nicht mehr als den schrillen Titel gelesen hatten.

Nur ein paar bitter Enttäuschte beschwerten sich in den Kommentarspalten – und machten sich gleich daran, diejenigen, die ihnen den Artikel empfohlen hatten, verbal zu verhauen. Woraus folgt: Ja, eine erschreckend hohe Anzahl von Leuten ist furchtbar trottelig. Aber eben nicht alle, selbst unter den Trotteln. Bleibt das Problem mit dem grippalen Eitergelb bei Facebook, das aus jedem Posting eine ganz fies anzuguckende Message macht. Es möge weggehen.