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Gabriele Haefs: Platte Buch

Am Ende kommt es immer raus und dann knirscht’s

Platte Buch von Gabriele Haefs

Zwei Freundinnen hatte Selma Lagerlöf, zwei feste zumindest, es gab noch manch andere nebenher. Die eine von den beiden war Sophie Elkan, einige Jahre älter als Lagerlöf – eine hochgebildete und wohlhabende Autorin; die andere: Valborg Oleander, von Beruf Lehrerin, einige Jahre jünger. Mit Sophie ging Lagerlöf gemeinsam auf Reisen, während Valborg zu Hause die Korrespondenzen der Schriftstellerin erledigte. »Du hast mich gelehrt, frei zu sein«, schrieb Selma an Sophie, und: »Ich gehöre nur dir.« An Valborg dagegen: »Du bist die perfekte Schriftstellergattin«, und: »Du gehörst nur mir.«

Damit waren die Rollen verteilt, und Selma hätte fröhlich reisen und schreiben können – wenn die Damen nicht voneinander erfahren hätten. Sie reagierten unwirsch. Wie Selma beide Frauen jahrzehntelang bei der Stange hielt und jeder immer wieder einredete, sie sei die einzig wichtige, davon kann noch der archetypischste fremdgehende Ehemann eine Menge lernen.

Auch wenn nur eines von Lagerlöfs Werken ein Kinderbuch war, gilt sie hierzulande noch immer als altjüngferliche Kinderbuchautorin. »Liebe Sophie – Liebe Valborg« zeigt eine weitere Seite. Man erlebt Lagerlöf beim Schreiben, beim Kampf um das Frauenwahlrecht, in Fehden mit jungen Schnöseln, die die Literatur als männliche Domäne behalten wollen, und endlich, 1909, als erste Literaturnobelpreisträgerin. Daran, dass sie den verdient hatte, zweifelte sie nicht. »Ich will keine Ehren, ich will den Nobelpreis«, hatte sie einige Jahre zuvor an Sophie geschrieben. Ihre Briefe sind eine Entdeckung, witzig, geistreich, oft wütend und eine kulturgeschichtliche Fundgrube.

Selma Lagerlöf: Liebe Sophie – Liebe Valborg. Eine Dreiecks-Geschichte in Briefen. Aus dem Schwedischen von Lotta Rüegger und Holger Wolandt. Verlag Urachhaus, Stuttgart 2016, 364 Seiten, 24,90 Euro