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Kurznachrichten #01

Kurznachrichten #01

Plötzlich bescheiden

Fidel Castro. Er war ein Meister der Selbstinszenierung und ließ sich als junger Mann gerne fotografieren. Nach seinem Tod aber soll Schluss sein mit dem Personenkult. Dem letzten Willen des »Comandante« entsprechend, verabschiedete das Parlament in Havanna ein Gesetz, das Denkmäler zu Ehren Fidel Castros sowie Titel, Orden und andere Auszeichnungen mit seinem Namen verbietet. Es dürfen weder Straßen nach ihm benannt, noch darf Werbung mit seinem Konterfei gemacht werden. Staatspräsident Raúl Castro verkündete den letzten Willen seines Bruders auf der Trauerfeier in Havanna: »Der Revolutionsführer hat jeden Personenkult abgelehnt und war darin bis in seine letzte Lebensstunde konsequent.« Was jetzt mit den vielen Castro-Plakaten geschehen wird, die das Stadtbild von Havanna prägen, ist nicht bekannt. her

Hallo, wer spricht?

Telefon. Technische Features sind seit jeher von zweitrangiger Bedeutung, um ein Telefon smarter wirken zu lassen als das der Konkurrenz. Man könnte seine Anschaffung als Glaubensbekenntnis bezeichnen, wenn die religiöse Metaphorik in Bezug auf das Unternehmen Apple nicht so abgeschmackt wäre. Das ändert nichts daran, dass Zweifel an der Schöpfung des I-Phone immer zuerst als Selbstzweifel auftreten. Wer sonst sollte schuld sein, wenn der Westentaschencomputer nicht wie erhofft funktioniert? Die Ingenieure und Psychologen? Steve Jobs etwa? Die Firma jedenfalls kann es sich leisten, ihren Apparillo ohne Bedienungsanleitung auszuliefern. Besser lässt sich der Glaube an die eigene Genialität vermutlich nicht ausdrücken. Ein paar kleinere Rückschläge gab es auf dem Weg. Zum einen die Sache mit der Antenne. Die nämlich konnte bei irgendeinem Modell der Reihe sehr leicht mit der Hand überdeckt werden, was schlechten Empfang und das sogenannte Antennagate nach sich zog. Außerdem gab es Kritik wegen mieser Produktionsbedingungen in China und der Verwendung gefährlicher Chemikalien. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Verkäufe des Geräts zum ersten Mal seit seiner Markteinführung. Am 9. Januar feiert das I-Phone seinen zehnten Geburtstag. Es wurde bislang über eine Milliarde Mal verkauft. oko

Wenn die Welt untergeht

Hoffnung. Uff. Wie soll dieses Jahr schon werden, wenn man sich nach Minuten des Umherschweifens im Internet bereits auf der Website des Guardian wiederfindet, um in einer Artikelserie mit dem Titel »What is giving you hope for 2017« herumzustöbern? Weil einem selbst nichts mehr einfällt, wieso man voller Hoffnung in die Zukunft blicken sollte. »Wir leben länger, mit besserem Zugang zu Wasser, Strom und Gesundheitssystem und weniger Gewalt. Die Hoffnung liegt in den Statistiken, nicht im Horror der Headlines«, heißt es dort. Der Blick in dröge Statistiken soll Hoffnung spenden? Wie trist ist das denn? In einem weiteren Artikel heißt es, dem Universum seien die Verfehlungen des Menschen völlig egal – wenn der Planet mitsamt seiner Bewohner untergeht, wächst in Windeseile Gras über die Sache und alles wird vergessen und vergeben sein. Juhuu! Und was genau hat das zu tun mit der anderen Seite der Hoffnung, von der Aki Kaurismäki in seinem Berlinale-Wettbewerbsbeitrag erzählen wird? Eigentlich nichts. »The Other Side of Hope« ist nach »Le Havre« der zweite Teil von Kaurismäkis Hafenstadttrilogie: Ein finnischer Restaurantbetreiber, der gern Poker spielt und einst als Vertreter tätig war, freundet sich mit einer Gruppe Flüchtlinge an. Man ahnt es, die andere Seite der Hoffnung ist die Enttäuschung. Und so geht es immer weiter. oko