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Deutsches Haus #02
Jungle World Nr. 2, 12. Januar 2017antifa

Deutsches Haus #02

Nach Angaben der Freien Presse vom 5. Januar griffen in der Silvesternacht etwa 15 bis 20 Personen in Meerane (Sachsen) zwei junge Syrer im Alter von 21 und 15 Jahren an. Zunächst pöbelten die Deutschen die beiden auf dem zentralen Platz in der Kleinstadt mit den Worten an: »Was wollt ihr hier?« Dann schlug ein Angreifer dem 21jährigen einen Rucksack auf den Kopf, in dem sich volle Glasflaschen befanden. Der Syrer ging bewusstlos zu Boden. Sein Begleiter flüchtete, konnte aus der Entfernung aber beobachten, wie die Deutschen auf den Bewusstlosen eintraten. Als der 21jährige wieder erwachte, flüchteten die Angreifer zunächst, um ihn dann mit Glasflaschen zu bewerfen. Der alarmierte Notarzt brachte den Syrer in ein Krankenhaus. Eine Platzwunde am Kopf musste genäht werden, der Körper des Attackierten war von Hämatomen gezeichnet. Die Kriminalpolizei ermittelt. In den ersten neun Monaten des Jahres 2016 hat sich die Zahl der rechtsextremen Anschläge auf Flüchtlingsheime in Bayern im Vergleich zu den beiden Vorjahren erhöht. Wie die Passauer Neue Presse am 3. Januar berichtete, registrierte das bayerische Innenministerium für die Zeit von Januar bis September 75 Angriffe auf bestehende und geplante Flüchtlingsheime sowie Wohnungen von Flüchtlingen, darunter mehrere Brandanschläge. 2015 waren 66 solcher Attacken verübt worden, 2014 hatten sich 22 ereignet. Insgesamt gab es in Bayern in den ersten neun Monaten 2016 mehr als 400 rechtsextreme Angriffe auf Asylsuchende, Flüchtlingsunterkünfte und Flüchtlingshelfer. Wie aus einem Bericht der Berliner Morgenpost vom 3. Januar hervorgeht, haben Unbekannte einen rassistischen Drohbrief an eine im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg lebende Familie verschickt. An die Mutter gerichtet schrieben sie: »Was um alles in der Welt denkt sich eine weiße Frau dabei, sich mit einem Schwarzen einzulassen und dadurch Mischlinge zu produzieren?« Die Mutter hatte zuvor öffentlich um Hinweise auf die Personen gebeten, die ihren 17jährigen, dunkelhäutigen Sohn im November auf offener Straße mit einem Hitlergruß provoziert und dann verprügelt hatten. Der junge Mann hatte sich einen Schlüsselbeinbruch zugezogen. Die Frau sagte der Zeitung, sie sei Drohungen im Internet gewohnt. Es sei jedoch das erste Mal, dass ein Drohbrief an ihre Privatadresse verschickt worden sei. Ihre Kinder hätten seither Angst, so die Mutter. mst