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Felix Henne: Jovenel Moïse, designierter Präsident von Haiti

Zweiter Versuch

Porträt von Felix Henne

Nach neun Monaten Übergangsregierung stand nach der Wahl vom 20. November endlich fest, dass Haiti wieder von einem gewählten Präsidenten regiert werden wird. Bei einer Wahlbeteiligung von 21 Prozent konnte sich der Unternehmer Jovenel Moïse mit 56 Prozent der Stimmen durchsetzen. Es war nicht das erste Mal. Ein Jahr zuvor, im Oktober 2015, hatte er bereits die erste Runde der Präsidentschaftswahl gewonnen, doch die Wahl wurde aufgrund von Manipulationsversuchen und Protesten annulliert. Für viele war das Ergebnis vom November jedoch kein Grund zum Feiern, sondern erneut ein Anlass, um auf die Straße zu gehen und die Wahl anzufechten. Die linke Partei Fanmi Lavalas bezeichnete das Ergebnis als Wahlputsch, drei der anderen Präsidentschaftskandidaten zogen vor Gericht – jedoch ohne Erfolg. Am 7. Februar soll Moïse offiziell vereidigt werden, doch erneut gibt es Einwände: Ihm wird Geldwäsche vorgeworfen. Bereits 2013 musste sich Moïse deshalb vor Gericht verantworten. Nach jüngsten Angaben der zuständigen Behörde, der Unité Centrale de Renseignements Financiers (UCREF), wurden schon Ende der neunziger Jahre mehrere Zahlungen unter dem Namen von Moïse getätigt, deren Hintergründe bis heute nicht geklärt sind. Gegenstimmen behaupten, diese Transaktionen seien vom UCREF selbst manipuliert worden, um Moïse zu schaden.

Der heute 48jährige Vater von drei Kindern studierte Politikwissenschaften in Port-au-Prince, der Hauptstadt Haitis. Mit seiner Frau gründete er dort das Unternehmen Jomar Auto Parts, Ende der neunziger Jahre zog er in den Norden der Insel, um sich in den ländlichen Gegenden Agrarunternehmen zu widmen. Er kaufte eine Bananenplantage, 2012 gründete er das Unternehmen Agritrans SA, mittlerweile einer der größten Bananenexporteure Haitis. 2015 wurde Moïse vom aus dem Amt scheidenden Präsidenten Michel Martelly zum Präsidentschaftskandidaten der Regierungspartei Parti haïtien Tèt Kale (PHTK) ernannt. Im Wahlkampf machte sich der Unternehmer Moïse als »Bananenmann« einen Namen und versprach, die Korruption in Haiti zu bekämpfen und das Land an den Klimawandel anzupassen. Es wird sich herausstellen, ob Moïse tatsächlich Alternativen für das zerrüttete Haiti anzubieten hat oder ob seine Bananen doch nicht für alle reichen.

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