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Markus Ströhlein: Small Talk mit Michael Mayer vom Deutschen Druidenorden

»Wir haben nichts mit ihm zu tun«

Während einer Großrazzia gegen militante Nazis wurde in der vergangenen Woche auch ein Druide als Verdächtiger festgenommen. Er soll der Anführer der Terrorzelle gewesen sein. Doch nicht alle Druiden sind rechtsextreme Esoteriker. Michael Mayer, Referent des Deutschen Druidenordens, hat mit der Jungle World über den Fall und das unübersichtliche Druidenwesen gesprochen.

Small Talk mit Michael Mayer vom Deutschen Druidenorden von Markus Ströhlein

Waren Sie überrascht, dass ein Druide der Gründer einer rechtsextremen Terrorzelle sein soll?

Es war überraschend. Wegen unseres Namens beschäftigen wir uns mit unterschiedlichen Bewegungen, deren Mitglieder sich ebenfalls Druiden nennen. Es gibt da naturverbundene Leute, die ihre esoterischen Vorstellungen haben und besondere Rituale im Wald abhalten. Ich hatte sie bislang als recht sympathische, friedliche Leute empfunden. Direkte Verbindungen haben wir allerdings keine. Dass so eine Person zum »Reichsbürger« wird, hätte ich nicht für möglich gehalten.

Der festgenommene Verdächtige bezeichnet sich als keltischen Druiden. Was ist der Unterschied zwischen solchen Druiden und denen Ihrer Vereinigung?

Streng genommen gibt es ja gar keine anderen Druiden als die der Antike. Die Bezeichnung ist sonst ja völlig beliebig. Ich weiß nicht, was dieser Mann mit der Bezeichnung ausdrücken will. Vielleicht möchte er einen stärkeren Bezug zu den alten Kelten herstellen. Er hat ja auch behauptet, er sei 2 500 Jahre alt, was doch sehr merkwürdig ist. Geschichtlich gesehen waren die Druiden eine Art geistiger Elite bei den Kelten. Das lässt sich bei römischen Geschichtsschreibern nachlesen. Es gibt auch fundierte zeitgenössische Literatur zum Thema.

Welche Bedeutung hat das Wort »Druide« für Ihren Orden?

Wir beziehen uns auf die Gründung des Ordens 1781 in England. Damals spielte offensichtlich eine gewisse Naturromantik in England und anderen Teilen Europas eine Rolle. Manche Leute wollten sich auf eigene kulturelle Wurzeln besinnen, nicht immer nur auf Römer und Griechen. Da fiel der Blick auch auf die Kelten und ihre Druiden, denen man dann nacheifern wollte. So entstanden damals Druidenorden. Damals gab es Feierlichkeiten in Stonehenge, weil man dachte, es handele sich um ein Bauwerk der Kelten, was aber nicht stimmt. Das ist lange her. Aber es ist Teil der Tradition unserer Vereinigung und deshalb heißen wir immer noch so, obwohl der Orden heutzutage völlig anders aussieht. Vielleicht ist das unser »englisches Erbe«: Wir halten an manchen alten Traditionen fest. Wir könnten uns auch anders nennen, aber das will niemand, glaube ich.

Ihre Vereinigung pflegt auch keinerlei Hokuspokus, sondern beruft sich auf die Aufklärung und den Humanismus. Wann ­kamen diese Aspekte hinzu?

Das waren von Anfang an wesentliche Motive, nur eben kombiniert mit den romantischen Komponenten. Die aufklärerische Haltung lässt sich von Beginn an durch die Zeit verfolgen, wenn man sich die Quellen ansieht. In unserem Archiv sind alle Dokumente di­gital zugänglich, wir haben auch intensives Quellenstudium betrieben. Und diese aufklärerische Haltung besteht bis heute.

Denken Sie, der jüngste Vorfall könnte dem Ruf Ihres Ordens und ähnlicher Vereinigungen schaden?

Einige haben diese Befürchtung. Ich persönlich glaube es nicht. Wir befinden uns ohnehin in der Situation, dass die unterschiedlichsten Leute und Vereinigungen sich Druiden nennen. Da bestand schon immer die Herausforderung, öffentlich klarzumachen, wer wir sind und was wir wollen. Deshalb sehe ich keine Gefahr einer Rufschä­digung. Der Druide, der in seinem Gewand herumgelaufen und festgenommen worden ist, gehört ja nicht zu uns, wir haben nichts mit ihm zu tun.