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Jörn Schulz: Kolumne "Was kümmert mich der Dax"

L‘état c’est Donald

Kolumne "Was kümmert mich der Dax" von Jörn Schulz

Bis vor kurzem erwartete man von Männern in sehr einflussreichen Positionen eine gewisse Zurückhaltung bei öffentlichen Äußerungen zu wirtschaftlichen Fragen. Aus gutem Grund, denn eine unbedachte oder auch nur falsch verstandene Aussage kann einen Kurssturz an den Börsen auslösen. So sank der Dow-Jones-Index 2007 um 200 Punkte, nachdem Alan Greenspan die Worte »Rezession« und »USA« in einem Satz gebraucht hatte, obwohl er den Vorsitz der US-Notenbank Federal Reserve bereits im Jahr zuvor abgegeben und die Rezession – fälschlich, wie sich bald herausstellte – für »unwahrscheinlich« erklärt hatte. Und mag der Begriff des ideellen Gesamtkapitalisten Unternehmern auch suspekt sein, so beharren sie doch aus guten Gründen darauf, dass die Regierung in ihren Konkurrenzkämpfen und sonstigen Streitigkeiten nicht einseitig Partei ergreift.

Diese Form der Gewaltenteilung hat sich 200 Jahre lang bewährt. Dann kam Donald Trump, der immer wieder gegen Großkonzerne twittert und deren Aktienkurse kurzzeitig sinken lässt. Man könnte hier ein Geschäftsmodell wittern, denn wer weiß, welches Unternehmen der Zorn des Präsidenten als nächstes treffen wird, kann eine Menge Geld verdienen. Am besten weiß das natürlich der Präsident selbst, von dem man annehmen muss, dass er über solche Geschäftsmethoden nicht erhaben ist – doch Genaueres weiß derzeit allenfalls die NSA. Wirtschaftspolitische Einflussnahme im Kapitalismus besteht jedenfalls eigentlich vor allem darin, durch die Umverteilung direkter und indirekter Subventionen erwünschte Veränderungen im Produktionsprozess zu fördern, etwa den Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien. Auch Trump arbeitet so, er will den Übergang rückgängig machen. Darüber hinaus aber strebt er ein neofeudales Verhältnis zu den ­Unternehmen an, wie es sein Vorbild Wladimir Putin als Lehnsherr der russischen Oligarchen praktiziert. Die Familie Trump soll dabei nicht zu kurz kommen. Die letzte Intervention des Präsidenten traf den Kaufhauskonzern Nordstrom, der die Produkte seiner Tochter Ivanka aus dem Sortiment genommen hatte, da Produkte aus dem Hause Trump bei den Kunden und Kundinnen, überwiegend wohlhabenden Städtern, nicht populär sind. Diesmal allerdings stieg der Börsenwert des Unternehmens, das nun von Protestkäufen profitiert. Hier gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage, auf das Trump im Einzelhandel derzeit wenig Einfluss nehmen kann – anders als in Branchen, die stärker von staatlicher Gunst abhängig sind. Die Idee, Lehnsherr aller US-Unternehmen zu werden, hat er aber nicht aufgegeben. Seine neofeudalen Ambitionen sind nicht nur eine Marotte, wenn er auf längere Zeit damit durchkommt, werden sie zu einer grundlegenden Änderung der ­Beziehungen zwischen Kapital und Politik führen.