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Jürgen Kiontke: Der Film Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe

Eine saubere Sache

»Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe« stöhnt die Mär vom gelungenen Kapitalismus.

von Jürgen Kiontke

Sie hat es schwer, die heterosexuelle, weiße Liebe. Er Milliardär, sie Hilfsverlegerin. Christian Grey (Jamie Dornan), der 27jährige Geldsack aus dem beliebten Soft-SM-Sexbuch »Fifty Shades of Grey«, und Hauptfigur Ana Steele (Dakota Johnson) gehen im Kino in die nächste Runde. »Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe«, die Verfilmung des zweiten Buchs der Reihe, beginnt langsam und erklärt recht ausführlich den ersten Teil. Er hat sie in die Folterkammer mitgenommen, das war schockierend. Sie will trotzdem wieder hin, aber wie Dr. Sommer in der Bravo muss sie dem besitzergreifenden jungen Mann klarmachen: Haue ist okay, aber bitte freiwillig.

Es dominiert die Missionarsstellung. Ana ringt um ihre Autonomie, im Job wie auf dem Streckbett. Auch auf Arbeit herrscht gediegene Langeweile: Die junge Frau von heute will es als Verlagsassistentin allein schaffen. Aber als Christian den übergriffigen Chef entsorgt, ist sie auch nicht so richtig böse. Denn sie hat sich erfolgreich hochgeschlafen. Mit Manuela Schwesigs Gleichstellungspolitik fährst du in »Fifty Shades of Grey« nicht gerade auf der Überholspur.

Wie wohnt man eigentlich, wenn man »24 000 Dollar in der Viertelstunde« (Christian) verdient? Es gibt einen Swimmingpool mit Blumen und eine Dusche zum Gevögeltwerden. Liebe ist eine saubere Sache. Freitreppen, polierte Flächen, bodentiefe Fenster, traumahafte Küchenpsychologie. Und natürlich genügend Personal für die Drecksarbeit. Denn nicht fehlen darf – wir sind im Märchen – die böse Hexe, die alles kaputtmachen will und auch noch aussieht wie eine gebotoxte Kim Basinger. Nein, sie ist es sogar. Bei ihr hat es bekanntlich nur 9½ Wochen gehalten. »Sie haben es doch nur auf sein Geld abgesehen«, intrigiert die ältere, die abgelegte, die enttäuschte Rivalin.

Gut, dass Basinger uns an die Wertschöpfungkette erinnert! »Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe« ist ja irgendwie, der Name sagt es schon, ein Film aus den Fifties. Im Nachkriegskino haben sie immer ein Lied auf den gelungenen Kapitalismus gesungen, jetzt muss Ana alle zehn Minuten ran, um es zu stöhnen. Tu mir weh, aber lass es freiwillig aussehen: der immer gleiche Song über unsere Welt, wie diese sich selbst sieht.

Wenigstens fehlt die eine Phrase aus dem Buch, die so oft wiederholt wird, dass sie den Roman 50 Seiten länger macht: Ana beißt sich nicht mehr auf die Unterlippe. Da ist jetzt Lippenstift drauf. Im dritten Teil reden wir dann über Kinder. Liebe? Voll gefährlich!

Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe (USA 2017).

Regie: James Foley, Darsteller: Dakota Johnson, Jamie Dornan