Jungle World abonnieren
Jungle World - shop
Felix Henne: Platte Buch
Jungle World Nr. 9, 2. März 2017dschungel

Pimf macht es anders

Platte Buch von Felix Henne

Augen zu, Kopfnicken an. Die neue EP »Justus Jonas« von Jonas Kramski alias Pimf bewegt nicht nur den Körper, sondern auch das Herz. Der 22jährige Rapper aus dem hessischen Hofgeismar ließ bereits mit seinem Debütalbum »Memo« aufhorchen und machte auch bei Splash, dem größten HipHop-Festival in Deutschland, eine gute Figur.

»Justus Jonas« wurde komplett in Eigenregie produziert und wirkt deutlich lockerer als der Vorgänger »Memo«. Tiefe, berührende Beats und Kramskis einzigartige Stimme machen die Platte zur Werbung für den nicht ganz zu Unrecht in Verruf geratenen Deutschrap, der offenbar doch mehr kann als pöbeln oder Belanglosigkeiten absondern. Die acht Tracks von »Justus Jonas« führen zurück zu den basics des HipHop und des Lebens überhaupt. Beidem nähert sich Pimf mit eigensinniger Poesie: »Rap ist sicher keine Mathematik/Aus YouTube-Tutorials und plastischen Beats/C’est la vie in der Plattenindustrie/Bitte achte darauf, dass du machst, was du liebst.«

»Justus Jonas« hält gekonnt die Balance zwischen einerseits deftigen und andererseits nachdenklichen lines, die sich deutlich von den »Haus-Maus«-Reimen vieler anderer Rapper abheben. Dabei rappt Pimf nicht nur über seine Sicht auf die Musik und das Leben, sondern verbreitet zudem eine angenehme Melancholie.

Eine EP wie »Justus Jonas« nährt jedenfalls die Hoffnung, dass der oftmals auf Gewaltverherrlichung und Antifeminismus reduzierte Deutschrap durchaus (wieder) eine anspruchsvolle Disziplin werden kann, die ohne diskriminierende lines auskommt und Musik nicht nur als Vehikel für Egotrips benutzt. Pimf ist da anders; die 23 Minuten von »Justus Jonas« machen Appetit auf mehr.

Pimf: Justus Jonas (Heart Working Class)