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Leo Fischer: klingt diese Woche wie Peter Altmaier
Jungle World Nr. 11, 16. März 2017dschungel

Viel zu viel an den Backen

von Leo Fischer

Hallo, liebe Freunde des quirligen Twitter-Konservativismus!

In letzter Zeit konntet Ihr leider nicht so viel von mir lesen. Das liegt daran, dass ich einen ziemlich üblen Untersuchungsausschuss an den Backen hatte – Geheimdienste, NSA, Mutti irgendwie raushauen, die ganze Liga. Da vergeht selbst mir, dem drolligen Dicken, gelegentlich das putzmuntere Mitschunkeln. Im Zuge der Vorbereitungen musste ich leider auch meine Twitter-Aktivitäten auf ein Minimum von 20 Tweets am Tag drosseln – aber das reicht immer noch, um blutjungen Polit-Zöglingen wie Jan Böhmermann oder Tilo Jung Komplimente zu machen. Das muss drin sein – auch, wenn die Kanzlerin gerade leugnen muss, mich oder meine Behörde jemals gekannt zu haben. Das nehme ich ausnahmsweise sportlich!

Mit Sorge habe ich am Sonntag in einer Talkshow zur Kenntnis genommen, dass mit Deniz Yücel ein weiterer Jüngling in Not geraten ist. Ich vernahm die Nachricht mit zitterndem Tripel-Kinn: Welt-Korrespondent in Einzelhaft! Ich bin erstmal vom Stuhl gefallen, den Flur und zwei Stiegen hinabgerollt, bis ich mich wieder einigermaßen stabilisiert hatte. Hier muss ich, bei aller persönlichen Erregung, auch gleich einhaken: Leider kann auch der Kanzleramtschef in so einer Angelegenheit nicht unmittelbar helfen. Das musste seinerzeit selbst ein Jan Böhmermann feststellen. Das würde nämlich bedeuten, dass die Regierung Aktivitäten entfalten könnte. Und diesen Ruf dürfen wir uns auf keinen Fall ans Bein binden lassen. Sie kennen das: Wenn man sich einmal eine Fleißarbeit aufhalst, ist man plötzlich gleich der Maulesel für alle. Plötzlich will dann jeder Dahergelaufene, dass sein Lieblingsjournalist freigelassen wird, und das ist mit den derzeitigen perfekt ausbalancierten Berliner Machtverhältnissen leider nicht möglich. Sonst droht wieder: vom Stuhl fallen, rumrollen, Sie kennen das ja. Wenn Sie aber einen lustigen jungen Twitterer (gerne oberkörperfrei) kennen und mich zu einem Retweet ermuntern wollen, bin ich natürlich gerne der Twitter-Aktivist der Stunde. Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit.

Mit gutgelaunten Grüßen,

Ihr Peter Altmaier