Kürzliche Beiträge
1. Juli 2009, 17.22 Uhr:

Death Wish

von Jörn Schulz

Es gibt ihn wohl doch, den zivilisatorischen Fortschritt. Wie selbstverständlich in den USA noch vor kaum mehr als 35 Jahren rechtsextreme Ideen waren, offenbaren die Nixon Tapes, Mitschnitte aus dem Weißen Haus. Eine unerschöpfliche Quelle rassistischer, antisemitischer, sexistischer und homophober Sprüche des damaligen US-Präsidenten. Die New York Times veröffentlichte einige neu entdeckte Highlights.

Nixons Kommentar zur Entscheidung des Obersten Gerichts, die Abtreibung zu gestatten: “There are times when an abortion is necessary. I know that. When you have a black and a white.”
Im Gespräch mit dem christlichen Fernsehprediger Billy Graham philosophiert er über die Juden: “It may be they have a death wish. You know that’s been the problem with our Jewish friends for centuries.”

Eine ältere Zusammenstellung weiterer Nixon-Sprüche gibt es bei Newsweek.

20. Juni 2009, 19.57 Uhr:

Schade, dass das vorbei ist

von Lieselotte Kreuz

Ich mag konsequente Menschen.

11. Juni 2009, 18.00 Uhr:

Wenn zusammenwächst, was zusammengehört

von Jörn Schulz

Zur Abwechslung mal ein Quiz. Zu gewinnen gibt es eine Erkenntnis. Zwei der folgenden Zitate stammen von Jürgen Elsässer, eines von der NPD und eines von altermedia. Viel Spaß beim Raten.

„AFP meint, Obama hätte noch nie ein Konzentrationslager gesehen? Nun, in dem Fall wäre es doch einfacher und kostensparender für den US-amerikanischen Steuerzahler gewesen, wenn sein Präsident, statt die teure Reise nach Buchenwald zu machen, doch einfach nach Guantanamo geflogen wäre.“

„Wer den Begriff ‚Konzentrationslager’ auf die deutsche Vergangenheit beschränkt, wird die Realität von Abu Ghraib und Guantanamo nicht beschreiben können.“

„Schluss, aus, Ende. 56 000 Arbeitsplätze vernichtet. Im KDW entsteht ein Puff. Im Karstadt am Hermannplatz (Berlin-Neukölln) gibt es eine Fixerstube. Willkommen in der verbrannten Zone der Marktwirtschaft. Die Afrikanisierung Deutschlands kann beginnen.“

„Auch bei der vom anti-nationalen Finanzkapital geforderten Afrikanisierung, Balkanisierung und Orientalisierung mitteldeutscher Städte geht die PDS bereitwillig voran.“

Die Lösung finden Sie hier, hier, hier und hier.

3. Juni 2009, 17.05 Uhr:

Die ganz große Stasi-Theorie

von Jörn Schulz

Ständig wollen irgendwelche Leute die Geschichte umschreiben, ohne sich die Mühe zu machen, sie zuvor einmal zur Kenntnis zu nehmen. Ignorante Konservative mögen überrascht sein, dass ein Stalinist einen Linken erschießt. Mein Tipp zur Weiterbildung: George Orwells „Mein Katalonien“. Wer sich auch nur oberflächlich mit dem Spanischen Bürgerkrieg beschäftigt hat, wundert sich allein darüber, dass Kurras ohne Befehl des ZK gehandelt hat. Die Rechten hätten das gerne anders. „Gewiss, die Variante, dass der Agent einen Märtyrer schaffen sollte, klingt nach wilder Verschwörungstheorie. Es ist unwahrscheinlich, dass die Stasi die ganze Westberliner Polizei samt Gerichtsmedizin durchsetzt hatte. Doch beim jetzigen Wissensstand die ganz große Stasi-Theorie auszuschließen, wäre auch nicht klug“, fabuliert Michael Miersch in der Welt.

Miersch vergisst, Medien und Politiker zu erwähnen, ohne deren Hilfe es weder zum Todesschuss noch zum Freispruch gekommen wäre. War Axel Springer ein Stasi-Spion? Gewiss, die Variante, dass der Verleger einen Märtyrer schaffen sollte, klingt nach wilder Verschwörungstheorie. Doch beim jetzigen Wissensstand auszuschließen, dass er auf Anweisung der SED Bild&Co. befahl, mit offenen Aufrufen zur Gewalt den Lynchmob mit und ohne Uniform zu ermutigen, wäre auch nicht klug.

Sofort kommen einem auch andere Verdächtige in den Sinn, nicht nur aus Deutschland. Warum provozierte Franz-Josef Strauß 1983 eine Spaltung der CSU, nur um der DDR einen Milliardenkredit zuzuschanzen? Warum lieferte Margaret Thatcher dem von Massenstreiks bedrohten stalinistischen Militärdiktator Jaruzelski die dringend benötigte Kohle? Warum stärkte Ronald Reagan mit Vernichtungsdrohungen gegen die Sowjetunion die globale, bekanntlich von Moskau gesteuerte Friedensbewegung? War es wirklich nur Naivität, die CDU und FDP bewog, nach 1989 die von der SED gesteuerten Blockparteien zu übernehmen? Wir werden von einer Frau regiert, die nicht einmal leugnet, „viel Spaß“ bei der Arbeit für die FDJ gehabt zu haben. Wurde die Stasi wirklich aufgelöst oder regiert sie noch immer die Welt?

So reizvoll die ganz große Stasi-Theorie ist, die Wahrheit ist leider banaler und für die Rechten wohl zu unbequem, um sie zur Kenntnis zu nehmen. Es gab zwar zumindest eine terroristische Aktivität der Stasi in der BRD, die Entführung des linkssozialdemokratischen, aus der DDR geflohenen Gewerkschafters Heinz Brandt im Jahr 1961. Doch seit Mitte der sechziger Jahre propagierten KPdSU und SED die Entspannungspolitik, zu der Aktionen dieser Art nicht passten. Die geheimdienstlichen Aktivitäten im Westen dienten vor allem dem Ziel, die „friedensbereiten“ Kräfte im kapitalistischen Ausland zu stärken, sofern es sich nicht um schlichte Spionage handelte wie im Fall Kurras.

Zu diesem Zweck wurde auch die Linke infiltriert, ein besonderes Interesse galt Gruppen, die Oppositionelle in realsozialistischen Ländern unterstützten. Während Thatcher die britischen Gewerkschaften bekämpfte und Jaruzelski bei der Bekämpfung der Solidarnosc unterstützte, versorgten Linke, überwiegend Gewerkschafter und Trotzkisten, die verbotene polnische Gewerkschaft mit Hilfsgütern, Schriften und technischem Gerät. Ob rechte Sozialdemokraten, gestandene Reaktionäre oder stalinistische Funktionäre, sie alle arbeiteten mit ihren Mitteln daran, eine „Destabilisierung“ in Ost und West zu verhindern.

Von diesem faktischen Bündnis möchten die Betreffenden heute nichts mehr hören, ebenso peinlich ist ihnen der Fall Kurras, ein Hitler-Stalin-Pakt en miniature. Dass ein Unschuldiger erschossen wurde, eine große Koalition in Medien und Politik den Täter verteidigte und im Unrechtsstaat BRD Beweismaterial manipuliert wurde, um einen Freispruch zu ermöglichen, stört sie nicht. Michael Purper, der stellvertretende Landesvorsitzende der Berliner Gewerkschaft der Polizei, betont, dass man sich mit dem gegen Kurras angestrengten Ausschlussverfahren nicht vom „damaligen Vorgehen distanzieren wolle“. Doch „als Mitarbeiter der Stasi könnte Kurras eine demokratiefeindliche Gesinnung vorgeworfen werden, was gegen die Satzung der Gewerkschaft verstoßen würde.“ Und das, so Purper, ist „auch eine moralische Frage“.

Der Fall Kurras ist in der antikommunistischen Mythologie nicht vorgesehen. Diese Leute sind schockiert, weil nun offensichtlich geworden ist, dass zur großen Koalition gegen die „langbehaarten Affen“ nicht nur Nazis, Gewerkschafter, Liberale, Christ- und Sozialdemokraten gehörten, sondern auch Stalinisten. Für die emanzipatorische Linke könnte der Fall ein Anlass sein, zu diskutieren, ob es nicht an der Zeit wäre, endgültig die Zusammenarbeit mit den Stalinisten einzustellen, die einen, sobald sie die Macht dazu haben, umgehend internieren oder liquidieren würden. Doch kann er gewiss kein Anlass sein, mit jenen Frieden zu schließen, die nun die Geschichte umschreiben wollen, weil sich herausgestellt hat, dass man damals dem falschen Mann die Lizenz zum Töten ausgestellt hat.

27. Mai 2009, 13.58 Uhr:

Stasis zu Kurras

von Ivo Bozic

Der ehemalige „Kundschafter des Friedens“, sprich Auslandsspion der Stasi, Peter Wolter, (Redakteur der „jungen Welt“) interviewt in der „jungen Welt“ den Stasi-Spitzel Till Meyer (Autor der „jungen Welt“) zu ihrem ehemaligen Kundschafter-Kollegen Kurras - und ihre eigene Stasi-Verbindung wird nicht mit einer einzigen Silbe erwähnt… Meisterleistung, würde ich sagen!

Dazu die herrliche Unterzeile: „Kurras war ein unpolitischer Waffennarr und ein reaktionärer Bulle, trotz (sic!) Kontakten zur DDR“

Habe mich besten amüsiert. - Lesen hier

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