Markus Ströhlein:Morgen früh, wenn Gott will...
8. April 2008, 15.55 Uhr:

Morgen früh, wenn Gott will...

von Markus Ströhlein

“Guten Abend, gute Nacht” - das von Johannes Brahms mit einer Melodie versehene Schlaflied kennt man. Der Text kann einem allerdings auch den Schlaf rauben. Denn im Refrain heißt es: “Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt.” Der Satz lässt sich auch als Todesdrohung lesen, denn was ist, wenn Gott nicht will?

Auf den Unwillen des Allmächtigen, banale Weckdienste zu verrichten, hofft Franz Josef Wagner. Der Autor der “Bildzeitung", der nicht einfach eine Kolumne füllt, sondern wacker jeden Tag auf’s Neue eine Installation des Irrsinns namens “Post von Wagner” abliefert, hat in der vergangenen Woche Inge Jens ein Briefchen geschrieben. Die Frau von Walter Jens hatte ebenfalls in der vorigen Woche dem “Stern” Auskunft über die Demenzkrankheit ihres Mannes gegeben. Walter Jens könne nicht mehr lesen, denken, einen Satz formulieren. Er irre durch sein Haus und müsse gewickelt und gewaschen werden.

Man ist versucht, den Zustand des Mannes als erbarmungswürdig zu bezeichnen, liefe das Erbarmen mit Schwerkranken in Deutschland nicht Gefahr, tödliche Formen anzunehmen. Auch Franz Josef Wagners Herz offenbart sich trotz blumiger Worte als Mördergrube:

“Ich habe meinen Pfarrer gefragt, ob man Gott anrufen kann, damit ein Demenz-Kranker erlöst wird. Mein Pfarrer sagte mir, das darf man und es ist keine Sünde. Was hinterher geschieht, ist Gottes Wille.”

Roger Kusch, der ehemalige Hamburger Justizsenator, der mittlerweile recht erfolglos die Kleinstpartei “Heimat Hamburg” anführt, will sich nicht auf Gottes Hilfe verlassen. Er hatte in der vorvergangenen Woche der Öffentlichkeit eine “Selbsttötungsmaschine” vorgestellt. Die Apparatur solle “Schwerkranken auch in Deutschland einen selbst gewählten Weg in den Tod ermöglichen". Mit dem freien Willen ist es natürlich so eine Sache. Wem der Tod lang genug als Erlösung nahe gelegt und das Kranksein als unnnötige Belastung der Allgemeinheit vorgehalten wurde, der drückt vielleicht schneller auf das Knöpfchen, das das tödliche Kaliumchlorid in die Adern leitet. “Das Gerät ist ab sofort einsatzfähig", sagte Kusch bei der Präsentation. Als Testflüssigkeit verwendete er Karottensaft.

Die “Bildzeitung” bezeichnete Kusch wegen des Auftritts als “irren Ex-Senator". Franz Josef Wagner wird aber weiterhin nicht als “irrer Kolumnist” geführt, obwohl er doch Kuschs Zielsetzung teilt. Aber bei Wagner soll ja schließlich auch Gott die schmutzige Arbeit erledigen.

Kommentare

FJW, sozusagen die Sterbemaschine für totkranke Themen?
(Mein Gott, hab ich das grad gesagt?!)

Heißt quasi, sollte Herr Jens nicht eine wundersame Blitz-Heilung erfahren: Seine Krankheit kann nur Gottes Wille sein.
Ist dann auch Kindesmisshandlung des lieben Gottes Wille und damit rechtens, nur weil ich den Herrn um ein Ende dieser Grausamkeiten anbete und dummerweise nicht erhört werde? Seltsame Logik.

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