Ivo Bozic:This machine kills zombies
17. April 2008, 15.07 Uhr:

This machine kills zombies

von Ivo Bozic

Um Acht sollte es losgehen. Um halb Zehn sah der Konzertraum noch so aus wie auf dem Foto hier.

Um Zehn oder so stand er plötzlich vor der Bühne, mit einer Gitarre in der Hand: Austin Lucas gab für eine Hand voll Leute, die sich dann doch noch einfanden, im Kastanienkeller in Berlin ein kleines Konzert. Who the fuck is Austin Lucas? Das haben wir uns vorher auch gefragt.

Im Web erfahren wir: »Austin Lucas aus Bloomington, Indiana, ist der Sohn des Folk- und Bluegrass-Musikers Robert Lucas. Er lernte das Singen schon auf den Sommertouren der Familie durch die Festivals traditioneller Musik. Nach klassischer Chor- und Opern-Erfahrung landete er mit zwölf in der lokalen Punk- und Hardcore-Szene. Heute lebt er in Prag.”

Und Austin Lucas ist ein Phänomen. Dieser kleine, pummelige Singer/Songwriter hat eine fantastische Stimme, unglaublich Bock, seinen Kram zu machen und eine Gitarre, die er bestens beherrscht, mit der Aufschrift «This machine kills zombies«. Sicher eine Hommage an Woody Guthrie, womöglich auch an Bob Dylan, Billy Bragg und Anti-Flag. Eine Reihe, in die Austin Lucas sicherlich gehört; gehören wird, wenn er denn eines Tages, was ihm zu wünschen ist, ein größeres Publikum findet.

Hier kann man reinhören

Kommentare

ich sah austin lucas & the pressmen im oktober 2007 in gainesville/florida, beim DIY-FEST6. sie retteten meinen tag, obwohl es erst 14 uhr war. völlig übermüdet gaben sie einem, der zuvor eine woche lang getrampt war, das gefühl, dass es weiter geht. und als austin dann mit zementverquollenen augen ins publikum fragte, ob irgendwer in den nächsten tagen noch eine küche oder einen keller frei hat, in dem er mit seiner band spielen kann, zeigte er, dass noch viel mehr geht.
bloomington/indiana, wo austin herkommt, ist seit jahren eine schmiede der us-amerikanischen DIY-bewegung. austin ist eines der beweglichsten ergebnisse davon. seine band "the pressemen" sind schotten von oi polloi, der basser kommt aus hamburg.
in gainesville spielte er draußen vor einer alternativen bäckerei, auf einem parkplatz. später stellte sich heraus, dass viele im publikum bandmitglieder der knapp 200 bands des festivals waren, die austin seit langem kennen und schätzen. und verwundert waren, wie sehr country er jetzt ist.
die DIY-bewegung in den USA mit ihren basement-konzerten sind community-bildend und offen, wie ich selten eine dieser "szenen" erlebt habe. schön, dass zumindest austin hierzulande unterwegs ist. und es gibt noch 40 haufen voll solcher bands, die das leider nicht machen (können).

Kommentieren

Sie müssen angemeldet sein, um Blogbeiträge kommentieren zu können. Falls Sie noch kein Passwort für jungle-world.com haben, müssen Sie sich zuerst registrieren, bevor Sie sich anmelden können.

Neue Artikel auf jungle-world.com? Seien Sie immer auf dem Laufenden mit unserem Artikel-Feed.