von Maik Söhler
Gestern, zum Pokalfinale, mal wieder die Fanmeile in Berlin besucht. Wie anders das ist, wenn die Deutschen dort unter sich sind; wenn sich keine Ukrainer mit Schweizern verbrüdern und dabei von Tunesiern argwöhnisch beäugt werden; wenn Konflikte zwischen Deutschen (Dortmundern und Bayern) nur vom Bier gedeckelt werden, nicht aber von Franzosen und Engländern.
Dazu dieser kurze Moment der Furcht, bevor man die Fanmeile betritt; das kurze Auflackern von Misstrauen und Massenunwohlsein und Generalverdacht; und wie schnell das dann weggeht, wenn man die teils friedfertige Bierseligkeit, teils ruhige Fan-Weltabgewandtheit wahrnimmt, die mal wieder nicht ins Aggressive kippt; wie offensichtlich angeekelt sich ein Bayern- und ein Dortmund-Fan auf der Bühne umarmen - angestiftet von einem Coca Cola-Projekt und Oliver Bierhoff, die vor der EM nationale Gemeinschaft erzeugen wollen; wie wenig die beiden Fans erstmal das Nationale interessiert und wie sehr der einfache materielle Gewinn - Freikarten für die EM mittels einer einfachen Umarmung; und wie schnell der Gedanke da ist, dass sich das rasch ändern kann; wieder die Misstrauensfrage also; ob sie erneut ins Leere läuft? Und ob man sie dann nicht mehr stellt?
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