von Jörn Schulz
Haben Sie schon einmal von einem Unternehmer oder Manager gehört, der sagt: »Es ist toll, reich zu sein. Ich genieße es.« Vermutlich nicht, stattdessen hört man Klagen, nichts als Klagen. »Extremjobber« sind sie, meint das manager-magazin:
»Jede zweite Führungskraft mit einem Jahresgehalt von über 200.000 Euro arbeitet mehr als 60 Stunden pro Woche.« Nun gut, es handelt sich um Eigenangaben, schwerer aber ist es geworden, das Managerleben. Das beweisen die Spesenrichtlinien der Deutschen Bank. Sie »billigt keinerlei Erwachsenen-Vergnügungen und wird solche Ausgaben nicht ersetzen.« Das Management legt großen Wert auf die Feststellung, dass nur bereits geltende Richtlinien bekräftigt wurden, verrät aber nicht, warum das nötig war. Das tut ein »Deutsche Bank insider«, der den »neuen Puritanismus« beklagt, gegenüber dem Independent: »In der guten alten Zeit konnte man einen Bordell- als Restaurantbesuch deklarieren, wenn der Name nicht zu offensichtlich war.«
Marx behauptete: »Der Schatzbildner opfert daher dem Goldfetisch seine Fleischeslust. Er macht Ernst mit dem Evangelium der Entsagung.« Der gemeinsame Bordellbesuch nach dem Geschäftsessen wurde jedoch so selbstverständlich, dass in den achtziger Jahren Manager der gewerkschaftseigenen »Neuen Heimat« ehrlich empört waren, als ihre Spesenabrechnung aus dem »Club Amphore« ins Gerede kam. Nun predigt die Deutsche Bank das Evangelium der Entsagung, in einer Zeit, da man die Banker eher als Schatzauflöser bezeichnen müsste. Knapp eine Billion Dollar werden die US-Immobilienkrise und ihre Folgen kosten, schätzt der IWF.
Das entspricht, wenn man die Preise der Drei-Diamanten-Damen des elitären Emperors Club zugrunde legt, dem Gegenwert von einer Milliarde Bordellbesuchen. Da kann der Schatzbildner noch so viel entsagen, die Verluste lassen sich auf diese Art nicht kompensieren.
Nein, offenbar schlummerte tief in der Managerseele ein Bedürfnis nach Selbstkasteiung, das sich nun Bahn bricht. In ihrer Geschichte schwankte die Bourgeoisie immer zwischen dem Bestreben, es dem Adel gleichzutun, und dem Puritanismus. Als Gründe für die derzeitige Entsagung können feministische Kritik oder ein schlechtes Gewissen ausgeschlossen werden. Vielmehr kasteit sich der wahre Puritaner, weil er Spaß daran hat. Als Bourgeois häuft er nun Geld und Macht um ihrer selbst willen an, nicht, weil er sich damit etwas verschaffen kann, das anderen vorenthalten bleibt.
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